Kein Ausgleich für Flächenverlust

Landwirte wehren sich gegen Westring-Erschließung

Seligenstadt - Unter dem Motto „Seligenstadt kann und muss nicht den Immobilienmarkt retten“ protestieren die örtlichen Landwirte gegen die von der SPD/FDP/FWS-Koalition beabsichtigte Erschließung des 22-Hektar-Areals „Südwestlich des Westrings“. Von Michael Hofmann

Die seit vielen Jahren anhaltende rasante Flächenumwandlung bedrohe ihre Existenz, so acht Landwirte in einem Schreiben an die Parlamentsfraktionen. Schon beim Treffen mit der CDU Anfangs des Monats hatten die Seligenstädter Landwirte Bedenken gegen die Erschließung des 22-Hektar-Areals „Südwestlich des Westrings“ durch eine Entwicklungsgesellschaft geäußert. Die Union, die ohnehin eine alternative Baugebietsausweisung auf dem Areal der früheren Don-Bosco-Schule favorisiert, fasste beide Positionen im Anschluss unter der griffigen Aussage „Siedlungsdruck nicht nachgeben“ zusammen.

Das Protestschreiben, so betont Ortslandwirt Norbert Zöller, habe er im Namen aller örtlichen Haupterwerbslandwirte verfasst. Zwar sei die Westringfläche im regionalen Flächennutzungsplan tatsächlich für den Wohnbau vorgesehen, doch bedeute das noch lange nicht, „dass dies auch zwingend umzusetzen ist“. In Seligenstadt seien in den vergangenen 25 Jahren große Flächen in Wohnbauflächen verwandelt worden (Spitzäcker, Silzenfeld, Kleines Feld, Backesfeld); andere Areale seien von Gewerbe- in Wohngebiete umgewidmet worden (AEG-Gelände - Amaliasee; Friedrich-Ebert-Straße - Simmig); und schließlich seien neue großflächige Gewerbegebiet ausgewiesen worden (Nordring, Südlich der Dudenhöfer Straße, Sandborn). Nicht zu vergessen die Ausgleichsmaßnahmen für Umgehungsstraße und Golfplatz. In der Summe, so trägt Zöller vor, habe sich die überbaute Fläche in den letzten 50 Jahre verdoppelt. „Das heißt, in diesen 50 Jahren wurde soviel Fläche zugebaut, wie in den 1150 Jahren zuvor.“

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Für die acht Landwirte sei eine ausreichende Flächenausstattung die Existenzgrundlage. Zu 80 bis 90 Prozent wirtschafteten die Bauern auf Pachtflächen, „das heißt, sie erhalten für einen Flächenverlust durch Baulandausweisung keinen Ersatz oder Ausgleich“. Ob die Bebauung der 22 Hektar nun die Probleme auf dem regionalen Wohnungsmarkt lösen kann, bezweifeln die Landwirte. Das führe weder zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt Rhein-Main, noch bringe es „für die überwiegende Mehrheit der Leute, die in Seligenstadt leben, eine Verbesserung in irgendeiner Hinsicht.“ Fakt sei, dass in Hessen täglich sechs Hektar als Bauland verplant werden, davon der größte Anteil in Südhessen. „All diese Flächen gehen der Landwirtschaft verloren. Geht das so weiter, dann ist in 83 Jahren in unserer Region kein Bauer und kein Acker mehr da.“

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Dabei hätten die örtlichen Erzeuger ein ideales Umfeld geschaffen: Viele Betriebe (Ackerbau, Milcherzeugung, Gemüse, Sonderkulturen, Pferdehaltung, Rinder- und Schweinemast) versorgen mit ihren Produkte direkt den Endverbraucher. Die Feldflur, die die Landwirte nebenbei mitpflegen, werde zur Naherholung genutzt: „Die Leute können sehen, wo ihre Nahrungsmittel wachsen.“ Demnach sei alles so, wie sich die Verbraucher das wünschen.

Doch funktioniere das nur, „wenn man den Betrieben, die überwiegend über Größe und Struktur eine langfristige Perspektive haben, nicht die Grundlage ihrer Existenz unter den Füßen wegzieht.“

Weitere Aspekte der Westring-Erschließung, etwa die Folgekosten in Infrastrukturbereichen sowie die verkehrstechnischen Gesichtspunkte gelte es noch zu erörtern. Für die Landwirte reichlich Argumente. Sie bitten die Fraktionen, die Entwicklung des Westring-Gebiets nicht weiter zu verfolgen.

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