Bäckerinnung Untermain: Lebenslanges Lernen gefordert

Frischgebackene Absolventen

Seligenstadt/Offenbach/Hanau - 25 Auszubildende haben die Prüfungen bei der Bäckerinnung Untermain bestanden – allerdings liegen die Durchschnittsnoten bei drei und schlechter. Von Sabine Müller 

Die Auszubildenden haben bei der Bäckerinnung Untermain ihre Prüfungen abgelegt. Sie haben bei Betrieben in Offenbach, Hanau und im Main-Kinzig-Kreis gearbeitet.

Die Canapés zum Sekt müssen geschmeckt haben, schließlich waren bei der Herstellung Fachleute am Werk. Vor dem Stehempfang im Rahmen der Freisprechungsfeier der Bäckerinnung Untermain stand die feierliche Übergabe der Gesellenbriefe. Die ehemaligen Auszubildenden der Berufssparten „Bäcker/in“ und „Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Bereich Bäckerei“ haben ihre in der Regel dreijährige Lehrzeit in Bäckereien in Hanau, Stadt und Kreis Offenbach sowie Teilen der Main-Kinzig-Kreises absolviert. Nach ihrem Abschluss begleiteten Ausbilder und Eltern die jungen Leute zur Freisprechungsfeier ins Hotel Columbus in Seligenstadt-Froschhausen. „Sie machen seit Jahrzehnten eine hervorragende Arbeit“, bescheinigte der hessische Landesinnungsmeister Wolfgang Schäfer den Betrieben und Berufsschullehrern in seinem Grußwort. Gegenüber den Jungbäckern und –verkäuferinnen erklärte er: „Wir haben eine Knappheit an Fachkräften, deshalb sind Sie begehrt.“ Nach der Ausbildung reiche es jetzt aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen, stattdessen müsse der Beruf mit Leben erfüllt werden. Die Anzahl der Bäckereibetriebe nehme zwar ab, doch die bestehenden würden größer. „Wir suchen Spezialisten“, appellierte Schäfer.

Auf „lebenslanges Lernen“ setzt auch Offenbachs Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel. Mit der Gesellenprüfung sei „die erste Qualifikationsrunde“ bestanden, das nötige handwerkliche und theoretische Wissen erworben – auch ein Verdienst der unterstützenden Familienangehörigen und dem ehrenamtlich arbeitenden Prüfungsausschuss. „Wer aber auf der Profibühne spielen will, für den ist Weiterentwicklung die Voraussetzung“, meinte Kramwinkel.Bevor der Obermeister der Bäckerinnung Untermain, Rudi Bär, die Lehrlinge einzeln aufrief, um die Zeugnisse zu überreichen, gab eine kleine Diaschau Einblick in die Prüfungssituationen: die Kandidaten bei der Arbeit und mit ihren fertigen, appetitlich präsentierten Produkten. Die 17 Lehrmädchen im Verkaufsbereich haben alle bestanden; ihr Notendurchschnitt liegt bei 3,0. Von den zehn Bäckerlehrlingen, die zur Prüfung angetreten waren, haben es nur acht mit einem Durchschnittsergebnis von 3,6 geschafft, darunter zwei Bäckerinnen.

Schon Ehrenobermeister Wolfgang Schäfer hatte zuvor auf die Licht- und Schattenseiten der derzeitigen Vollbeschäftigung abgehoben. Davon profitiere leider nicht das Bäckerhandwerk, das für Schulabgänger weniger attraktiv sei. „Die meisten Lehrstellen können nicht besetzt werden“, bestätigte auch Rudi Bär gegenüber unserer Zeitung. Die Branche müsse heute Bewerber akzeptieren, „die wir vor Jahren noch abgelehnt hätten“. Außerdem gebe es zu viele, die nur ihren Job machten, um Geld zu verdienen; dringend gesucht seien jedoch Fachkräfte mit Personalverantwortung. Kandidatinnen dafür sind die beiden Innungsbesten, die jeweils mit einer Gesamtnote von 2,0 abschlossen. Bäckerin Christina Curnutt will „in den nächsten Jahren den Meister machen“. Die 22-Jährige hat in der Bäckerei Café Ernst GmbH & Co. KG in Neu-Isenburg ihre Ausbildung absolviert. Besonders gern arbeitet sie in der Feinbäckerei: „Plunderstückchen oder Brot mit der Hand machen.“

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Die 21-jährige Jessica Münster wird von ihrem Lehrbetrieb – der Bäckerei Pappert GmbH und Co. KG (Hanau/Poppenhausen) als Verkäuferin übernommen. Auch sie strebt die Weiterqualifizierung zur Verkaufstrainerin und den Ausbilderschein an. Sie mag vor allem den Kundenkontakt, also „Gebäcke empfehlen und fachgerecht beraten“. Beide vertreten die Innung beim Leistungswettbewerb der hessischen Jugend im Bäckerhandwerk und erhielten jeweils einen Seminargutschein für die Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim.

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