Verhältnis zu Eltern immer schlechter

Lehrer beteiligen sich an Aktion ihrer Gewerkschaft

Ostkreis - Inklusion, Stress mit den Eltern, immer mehr zusätzliche Aufgaben - viele Lehrer sehen für sich die Grenze der Belastbarkeit als überschritten an und haben beim Kultusministerium Überlastungsanzeigen gestellt. Von Oliver Signus

Die Sommerferien gehen in den Endspurt, und während sich die Kinder und Jugendlichen noch auf ein paar heiße freie Tage freuen können, bereiten sich viele Lehrer seit gestern auf das neue Schuljahr vor. Vier Wochen Urlaub liegen hinter ihnen. Sie haben diese Auszeit auch gebraucht: „Bei vielen lagen die Nerven blank“, berichtet Simone Dörsam, Leiterin der Walinusschule im Seligenstädter Stadtteil Klein-Welzheim. Auch das Kollegium der Grundschule hat sich an einer Aktion der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beteiligt und eine Überlastungsanzeige unterzeichnet (wir berichteten). Sie, wie auch die Leiter der weiteren befragten Schulen, klagten über immer mehr zusätzliche Aufgaben. Neben diversen Konzepten und Entwicklungsprogrammen, die das staatliche Schulamt fordere, sei die Inklusion (Integration behinderter Kinder) für die Lehrer insgesamt ein großes Problem. „Wir bekommen dafür - im Gegensatz zu den Kollegen von den Förderschulen - keine zusätzlichen Stunden“, sagt Simone Dörsam. „Das passt hinten und vorne nicht“, beklagt auch ihre Kollegin Susanne Heintz, Leiterin der Johannes-Gutenberg-Schule in Hainstadt, den Umgang mit dem Thema Inklusion. Auch an ihrer Schule habe sich das Kollegium geschlossen an der GEW-Aktion beteiligt.

„Kein Thema“ ist die allseits beklagte Arbeitsbelastung hingegen an der Käthe-Paulus-Schule im Mainhausener Ortsteil Zellhausen. Das zwölfköpfige Kollegium hat sich daher nicht an der Aktion beteiligt. Schulleiter Stefan Wesselmann spricht zwar wie seine Kolleginnen von einer Vielzahl zusätzlicher Aufgaben, „doch haben wir das so strukturiert, dass die Kollegen gut ausgelastet, aber nicht überlastet sind“. Ein Problem sei die steigende Zahl der so genannten Seiteneinsteiger. Damit sind in diesem Fall aber nicht neue Kollegen ohne pädagogische Ausbildung gemeint, sondern Kinder ohne Deutschkenntnisse. „Das sind nicht nur Flüchtlingskinder“, beschreibt Wesselmann die Situation. Dazu gehören auch Mädchen und Jungen aus Ländern, die nicht der Europäischen Union (EU) angehören - vor allem aus Rumänien. Für ihre Betreuung stehen der Schule nur zwei Förderstunden pro Woche zur Verfügung - für derzeit fünf Kinder aus verschiedenen Altersstufen.

Insgesamt, so resümiert Wesselmann, sei kein Problem an seiner Schule so groß, dass das Staatliche Schulamt dort Handlungsbedarf sieht. „Wir fallen nicht unter den Index“, sagt er. Das sei wiederum das Problem von Schulen im ländlichen Bereich: Schwierigkeiten gibt es, aber in Maßen, so dass diese Einrichtungen aus dem Fokus der Behörde fallen.

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Alle drei Schulleiter beklagen hingegen das immer schlechter werdende Verhältnis zu Eltern. Ihnen werde keine Wertschätzung mehr entgegengebracht, sagen sie unisono. „Das ist extrem belastend“, so Wesselmann. Eine Zusammenarbeit mit Eltern - „wenn man überhaupt jemanden erreicht“ - gebe es kaum noch. Als „extrem“ beschreibt auch Simone Dörsam das veränderte Verhältnis zu Müttern und Vätern. „Ich habe noch nie so viele Elterngespräche geführt wie im vergangenen halben Jahr“, sagt sie. Auch werde sie von ihren Kollegen zu solchen Terminen hinzugebeten, „weil sie das nicht mehr alleine machen wollen“. Dabei gebe es oft Diskussionen um Noten („Warum nur eine zwei und keine eins“) Viele Eltern hätten Zukunftsängste, was sich dann in übersteigerten Forderungen an die Lehrer äußere. Susanne Heintz bestätigt diese Veränderungen und sieht auch sich und ihre Kollegen mit viel mehr Erziehungsaufgaben konfrontiert als früher. „Man muss ganz klar sagen, dass sich das Berufsbild des Lehrers sehr verändert hat.“

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