Reichlich Zündstoff

Muslimisches Gräberfeld: „Das Kreuz verhüllen“

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Fühlen sich hingehalten von Politik und Verwaltung: Ausländerbeirats-Chef Ergün Kumcu (l.) und Bashir Khan von der Ahmadiyya-Gemeinde. Sie stehen auf dem Teil des Friedhofs, auf dem das muslimische Gräberfeld entstehen soll.

Seligenstadt - Das neu zu schaffende muslimische Gräberfeld auf dem Seligenstädter Friedhofsareal ist beschlossene Sache. Allein die Frage, ob christliche Symbole während einer Trauerfeier verhüllt werden sollen, sorgt für Zündstoff. Von Thomas Hanel

Im Jahr 2012 startete die erste Initiative, getragen vom Ausländerbeirat und auch von der Ahmadiyya-Gemeinde, muslimischen Seligenstädtern ein den Riten des Islam entsprechendes Grab und eine ebenso würdige Zeremonie für die Verstorbenen zu ermöglichen. Heißt: Ein Grabfeld auf dem neuen Teil des Friedhofs ist gefunden, Beerdigung auch ohne Sarg möglich, der Leichnam wird stattdessen in feste Tücher gewickelt. Blickrichtung des Verstorbenen in Richtung Osten, also gen Mekka; Nutzung der Trauerhalle für eine kurze Zeremonie. Eigentlich ist alles klar - bis auf einen Streitpunkt zwischen Muslimen in Seligenstadt und den christlichen deutschen Politikern.

Ergün Kumcu, Vorsitzender des Ausländerbeirats, und Bashir Khan von der Seligenstädter Ahmadiyya-Gemeinde kennen den Grund: Die Verhüllung oder das Abhängen des Christenkreuzes in der Trauerhalle während der kurzen islamischen Zeremonie zu Ehren des Toten. „Wir sind uns in allen Punkten einig mit Politik und Verwaltung, aber der Streitpunkt ist das Verhüllen des christlichen Kreuzes während unserer Trauerfeier“, sagen Kumcu und Khan. Während einer muslimischen Trauerfeier sollten keine christlichen Symbole zu sehen sein. „Wir passen uns doch an, bestatten nach den Regeln der Friedhofsordnung“, so Kumcu, der kein Verständnis für das ständige Verschieben der Entscheidung durch die Politik hat.

Hinter vorgehaltener Hand

Zudem dauere die Zeremonie in der Trauerhalle nur wenige Minuten. „Drei Suren werden normalerweise gebetet. Gebetsteppich oder auf dem Boden liegen gibt es nicht“, sagt Bashir Khan, der wie Kumcu kein Verständnis für den langwierigen Entscheidungsprozess hat, der wegen der muslimischen Forderung nach Verhüllung christlicher Symbolik während der Zeremonie noch andauert.

Gegenüber unserer Zeitung wollte sich kein katholischer oder evangelischer Politiker in der Stadt zu der Problematik äußern. Hinter vorgehaltener Hand wird das Problem mit dem Kreuz allerdings bestätigt. „Das sind geweihte christliche Symbole, die nicht einfach verhängt oder gar entfernt werden können - auch wenn es nur wenige Minuten sind“, sagt ein Seligenstädter Stadtverordneter, der aber nicht genannt werden will. Und: „Wenn ich in eine Moschee gehe, ziehe ich mir doch auch die Schuhe aus, wie es sich in islamischen Gotteshäusern gehört.“

Christliche Kultur müsse ebenso von Muslimen beachtet werden in einem Land, das sich auf diese Traditionen beruft. Dem Vernehmen nach ist bei der kommenden Stadtverordnetenversammlung am Montag, 26. Mai, die Abstimmung zu diesem Thema freigegeben. Heißt, jeder Stadtverordnete unterliegt nicht dem Fraktionszwang, sondern entscheidet persönlich nach eigenem Gewissen. „Die Muslime können ihre Trauerfeier doch an einem anderen Ort abhalten, dort wo kein Kreuz hängt“, heißt es aus dem Rathaus.

Für Kumcu und Khan ist die ganze Diskussion nicht nachvollziehbar. Mittlerweile seien mehrere Seligenstädter Muslime gestorben, die seit Jahrzehnten hier gelebt hätten und auch hier beerdigt werden wollten. Deren sterblichen Überreste wurden in die Türkei überführt, wo sie nach islamischem Ritus bestattet werden konnten.

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