Sprechen statt poltern

Neuer Parlamentschef Dr. Richard Georgi: Auf das Wie kommt es an

Seligenstadt - Den Horizont im Blick, das Steuer fest in der Hand. Stünde vor dem Podium des Stadtverordnetenvorstehers ein Spiegel, Seligenstadts neuer Erster Bürger sähe dort am liebsten einen sturmerprobten Kapitän. Heftige Turbulenzen und wechselhaften Wind hat Dr. Richard Georgi in 13 Jahren Kommunalpolitik kennen und handhaben gelernt.

Dr. Georgi sieht sich in der Rolle des Moderators.

Für sein neues Amt als Stadtverordnetenvorsteher wappnen den 49-jährigen Christdemokraten nach eigenen Worten vier Kardinaltugenden: Geistige Beweglichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit. Tapferkeit? „Nicht gleich umfallen, wenn der Wind mal etwas rauer weht“, definiert Georgi. „Zur eigenen Überzeugung stehen und nicht gegen besseres Wissen sagen, was die Leute hören wollen“. Dem langjährigen Beobachter fällt da sofort das Stichwort Grundschulen ein. Gerade erst war Georgi, zuvor 13 Jahre lang Stadtbrandinspektor und damit Chef der Feuerwehr, 2006 zum ersten Mal ins Stadtparlament eingezogen, stand er an vorderster Front im Grundschulstreit. Die drohende Schließung der Hans-Memling-Schule schlug hohe Wellen und spaltete die Politik, der CDU-Neuling legte sich für den Neubau der Emmaschule ins Zeug und wurde dafür heftig angefeindet. „Es war richtig“, ist er noch heute überzeugt. Der Erhalt aller drei Schulstandorte wäre „nie und nimmer durchsetzbar“ gewesen, und „schau an - jetzt haben wir eine nagelneue Schule“.

Kämpfer-Qualitäten hat Georgi, 2003 in seine Partei eingetreten und schon 2007 Vorsitzender des Ortsverbandes Seligenstadt, seither immer wieder aufblitzen lassen. Zwischendurch zum Stadtverbandschef aufgerückt und seit 2015 an der Spitze beider Organisationen, will er auch künftig seinen und den Standpunkt der Union vertreten, die unter seiner Führung bei der Kommunalwahl im März nur auf 34,8 Prozent der Stimmen kam und sich mit der Oppositionsrolle anfreunden muss. Mit dem Amt des Stadtverordnetenvorstehers müsse das nicht kollidieren, ist er überzeugt: Auch sein Vorgänger Peter Sulzmann (SPD) sei zuletzt Parteivorsitzender gewesen, habe den Wahlkampf seines Ortsverbandes organisiert. „Auf das Wie kommt es an“, meint Georgi: „Nicht poltern, sondern mit Menschen sprechen“. Er werde „als Parteivorsitzender versuchen, stärker unsere Ideen zu kommunizieren, als die Ideen anderer Parteien zu kommentieren“.

Kommunikation ist für den promovierten Elektrotechnik-Ingenieur und Diplom-Informatiker auch außerhalb der Politik gleichsam tägliches Brot. Unter anderem hat Georgi digitale Steuerung und Fördertechnik für das Terminal zwei am Frankfurter Flughafen oder Software und Display-Lösungen für Fujitsu entwickelt. Nach Jahren als Europa-Verkaufsdirektor bei einem schottischen Automobilzulieferer begleitete er ab 2008 als freiberuflicher Berater die Einführung des Digitalfunks in Hessen, ab Juni 2010 als Referatsleiter Information und Kommunikation für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst im Wiesbadener Innenministerium. Aktuell beschäftigt ihn die Modernisierung der 26 zentralen Leitstellen, die in Hessen die Einsätze der Feuerwehren und Rettungsdienste steuern.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

In seiner Heimatstadt halten Georgi, verheiratet und Vater von drei Kindern, indessen starke Wurzeln. Der Feuerwehr, der er 1982 beitrat, gehört er noch immer als Aktiver an. Lokalpolitisch hat er schon einmal von 2008 bis 2011 als stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher überparteilich Verantwortung übernommen, 2009 scheiterte er als CDU-Bürgermeisterkandidat klar an Amtsinhaberin Dagmar B. Nonn-Adams.

Öffentliche Präsenz und Repräsentation sind für Georgi keineswegs lästige Pflichten: „Mir liegt viel daran, die Funktion der Stadtverordnetenversammlung und der handelnden Personen in der Bevölkerung stärker zu kommunizieren. Seligenstadt braucht ein starkes und allgemein geschätztes Parlament“. Auch, fügt er hinzu, um nach konfliktgeladenen Jahren Vertrauen zurück zu gewinnen. „Nicht alle haben sich immer klug verhalten - auf allen Seiten“, kommentiert er die oft verbissenen, „manchmal überflüssigen“ Auseinandersetzungen zwischen Parlamentsmehrheit und Bürgermeisterin.

Mit Rathauschef Dr. Daniell Bastian erwartet er „eine deutliche Entspannung“. Seine eigene Rolle definiert er als die des Moderators: Der Stadtverordnetenvorsteher genieße in Seligenstadt traditionell großen Respekt, das habe immer auch an den Personen in diesem Amt gelegen. „Ich sehe mich in dieser Tradition“. Dabei ein eigenes Profil zu entwickeln und „einen guten Job zu machen“, sei zwar sein Ehrgeiz, nicht aber in Konkurrenz zu seinem Vorgänger: „Peter Sulzmann hat das in der Vergangenheit sehr gut gemacht. Ich hoffe, es wird kaum Unterschiede geben“. 

rdk

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