Zusammenarbeit mit Karlstein ermöglicht Bootslehrgänge

Ostkreis-Feuerwehr gewinnt an Schlagkraft

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Für die Feuerwehren am östlichen Untermain existiert keine Landesgrenze. Vereint absolvieren Brandschützer aus Hessen und Bayern in Karlstein die Bootsführer-Ausbildung.

Ostkreis - Beträchtlich an Schlagkraft gewonnen haben die Feuerwehren im Ostkreis Offenbach für Einsätze auf dem Main.

Drei Seligenstädter Freiwillige und sieben Kameraden aus Mainhausen absolvierten ihre Prüfungen für den Bootsführerschein und dürfen damit die bis zu 200 PS starken Einsatzboote steuern - dank einer Initiative der bayerischen Nachbarn in Karlstein ohne zeitraubenden Daueraufenthalt in der Landesfeuerwehrschule in Kassel. Dort nämlich müssen hessische Feuerwehr-Bootsführer in der Regel über 60 Theorie- und Praxisstunden absolvieren und eine anspruchsvolle Prüfung bestehen, bevor sie die Berechtigung zum Führen eines Feuerwehrboots in Händen halten. Lehrgangsplätze seien rar, die Wege weit, weiß Seligenstadts Stadtbrandinspektor Alexander Zöller: „Heutzutage kann nicht mehr jeder, der das Zeug dazu hätte, einfach mal für ein paar Tage auf Lehrgang fahren.“ Gleichzeitig steige der Bedarf an ausgebildeten Bootsführern, denn auch in Seligenstadt werde die Personaldecke bei Einsätzen an Werktagen zwischen 6 und 18 Uhr dünner: Immer mehr gut ausgebildete Aktive arbeiteten auswärts und seien tagsüber schlicht nicht greifbar.

Seemannsknoten müssen sitzen: Der Prüfer (links) ist zufrieden mit Christian Resch.

Da trifft es sich für die Brandschützer am östlichen Untermain gut, dass drüben in Karlstein ein ebenso engagiertes wie kompetentes Ausbilder-Team die Initiative ergriff. Auch die Bayern nämlich müssten auf die knappen Plätze an ihrer Landesfeuerwehrschule in Würzburg warten, erläutert Initiator Thomas Merget, stellvertretender Kommandant der Anfang 2014 aus beiden Ortsteilen fusionierten Karlsteiner Feuerwehr. Merget, früher Chef der Wehr in Großwelzheim, hat in Sachen Bootsausbildung die Fäden in der Hand. Sie reichen bis weit in den Landkreis Aschaffenburg, der in Karlstein sein Kompetenzzentrum für Main-Einsätze, insbesondere Ölschäden, aufgebaut hat.

Den Versuchsballon startete Mergets Truppe 2003 mit einem ersten eigenen Untermain-Lehrgang, von Anfang an mit hessischer Beteiligung. Seither fragt er regelmäßig den Ausbildungsbedarf auf der bayerischen Seite bis hinunter nach Sulzbach, in Hessen in Seligenstadt, Hainburg, Mainhausen und Großkrotzenburg ab. Ein Lehrgang startet, wenn mindestens 15 Teilnehmer zusammen kommen. Ab dieser Zahl schicke der deutsche Motoryachtverband eine Prüfungskommission, erläutert Merget.

Seemännisch entspricht die Feuerwehr-Lizenz dem Sportbootführerschein für Binnengewässer. Hinzu kommen feuerwehrspezifische Aufgaben: „Für die Praxis ist fast alles drin“, so Thomas Schrod, mit Johannes Albert und Christian Resch einer von drei Seligenstädter Prüflingen. Das Trio war mit dem Seligenstädter Mehrzweckboot angereist. Auch das Mainflinger Boot und mehrere weitere aus dem Bayerischen standen für die Prüfung zur Verfügung.

Fotos: Großübung der Feuerwehr an der Dreieichbahn

Mit je einem Prüfer an Bord schipperten die Schüler-Trupps an der Natostraße neben dem Großwelzheimer Segelhafen los, fuhren Manöver bei langsamer Fahrt und mit voller Kraft voraus, legten am Seligenstädter Wasserbau an und mussten zwischendurch zeigen, dass sie die wichtigsten Seemannsknoten beherrschen. Auch das Längsseitsgehen auf dem Fluss, Übersteigen auf ein Binnenschiff, Ölsperren ziehen, Menschen aus dem Wasser retten und die Brandbekämpfung vom Boot aus waren in sechs Trainingseinheiten binnen knapp drei Monaten geübt worden.

Auch die Theorie mit Rechtskunde, Schifffahrtszeichen und Fahrphysik hat es laut Thomas Merget in sich. Schon die Vorfahrtsregeln können verwirren: So muss die Fähre etwa ein Binnenschiff passieren lassen, hat aber Vorrang vor einem Motorboot, das seinerseits Segel- und Ruderbooten weichen muss. Ist aber das blaue „Funkellicht“ - das auf der Straße Blaulicht heißen würde - auf dem Feuerwehrboot eingeschaltet, ist wieder alles anders. Lernen müssten die angehenden Bootskapitäne mindestens so viel wie beim Autoführerschein, betont Merget - „und da hat man schon als Radfahrer viel mitbekommen“.

rdk

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