Koalition beschließt „Städtebauliches Konzept“

Rund um Jahnsportplatz: „Planerische Zwischenstufe“

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Das Gelände der Turngesellschaft (Foto) steht im Zentrum der Planung des Freizeit-Areals. Der Magistrat soll nun „Städtebauliche Konzepte“ erarbeiten.

Seligenstadt - Beim komplizierten Unterfangen die Abschnitte ehemaliges Stadtwerkegelände/Jahnsportplatz und die Fläche östlich der Konrad-Adenauer-Schule (KAS) planerisch weiterzuentwickeln, beendete die Koalition aus SPD, FDP und FWS jetzt ein Beschluss-Sammelsurium, das sich über 13 Jahre hinweg angesammelt hatte, hob acht Parlamentsentscheidungen auf und will das Ziel künftig über „Städtebauliche Konzepte“ erreichen. Von Michael Hofmann

Letztlich, so fassten SPD-, FDP- und CDU-Politiker eine lange, engagierte und teilweise auch kontroverse Diskussion zusammen, „wollen wir doch alles das Gleiche“. Was sich bislang wie die Quadratur des Kreises anhörte, bekam plötzlich Konturen, vor allem die Koalition aus SPD, FDP und FWS sowie die CDU, die einen Ergänzungsantrag vorlegte, entdeckten Gemeinsamkeiten: So sollen die TGS-Ausbauwünsche einbezogen und mit ihnen die allgemeine Sportentwicklung vorangebracht werden, auch soll der Grünzug erhalten bleiben und ein freier Zugang zum Main Berücksichtigung finden.

Lediglich die Grünen schossen quer. Die Koalitionsinitiative stelle alle vorhergehenden Arbeiten auf null, enttäusche viele Bürger, die an den entsprechenden Workshops teilgenommen hätten maßlos, außerdem existiere das nunmehr angepeilte städtebauliche Konzept längst, fasste Detlev Debertshäuser die Kritik der Öko-Fraktion zusammen. Nicht verhandelbar sei die Frischluftschneise, zu der er nur noch „wachsweiche Formulierungen“ vorgefunden habe.

Nach dem Willen der Koalition soll nunmehr folgender Fahrplan gelten: Der Magistrat erhält den Auftrag, für das gesamte Areal (inklusive Mainuferradweg und Festplatz) städtebauliche Konzepte zu erarbeiten, dabei das Gesamtgebiet zu überplanen und jeweils zwei Konzeptvarianten auszuarbeiten. Dabei sind diese Rahmenbedingungen zu erfüllen: Öffnung des Gebiets mit öffentlichem und barrierefreiem Zugang zum Main hin; überwiegend öffentliche Nutzung des Geländes sowie gestalterische Aufwertung von Festplatz und Mainuferweg. Beim Jahnsportplatz soll der Grünzug grundsätzlich erhalten und die Schaffung einer Radwegeverbindung Jahnstraße/Steinweg sowie die anteilige Bebauung des Gebiets geprüft werden. Im Gebiet östlich der Adenauer-Schule sollen die Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten beibehalten werden.

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In die städtebaulichen Konzepte, so die Mehrheitsparteien weiter, „sollen inhaltlich alle Ergebnisse und Kenntnisse der Vergangenheit, z.B. Planungswerkstatt, Stadtentwicklungsplan, studentische Arbeiten, Vorstellung der Vereine und der Schule einfließen.“ Letztlich soll das so entstandene Planwerk den Bürgern vorgestellt werden. Mit dieser Beschlusslage solle erreicht werden, dass zwischen dem Stadtentwicklungsplan (Grobraster) und einem künftigen Bebauungsplan (Feinraster) „eine planerische Zwischenstufe“ in Form der städtebaulichen Konzepte installiert wird. Auf diesem Wege, der auch den Belangen der TGS Rechnung tragen solle, so FDP-Fraktionschefvorsitzende Susanne Schäfer und ihr Kollege René Rock, „wollen wir alle mitnehmen. Ziel ist ein breiter Konsens.“

Zuvor hatte CDU-Politiker Johannes Zahn den akuter Handlungsbedarf bei der „Sportraumversorgung“ angesprochen. „Die Stadt hat keine einzige Sporthalle, weder im Betrieb noch im Eigentum. Alle vorhandenen Sporthallen gehören dem Kreis oder werden von Vereinen betrieben.“ Zahn verwies auf das TGS-Konzept, das den von der Union geforderten Erhalt der sportlichen Nutzung des Jahnsportplatzes berücksichtige und forderte eine Prüfung, wie die TGS-Ideen für die Beplanung des Jahnsportplatzes umgesetzt werden können.

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CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann sagte, die Union habe gegen den Koalitionsantrag gestimmt, weil die bisherigen Beschlüsse ausgereicht und einen „gangbaren Weg“ dargestellt hätten. Er gab der Verwaltung die Schuld, die die Vorgaben nicht abgearbeitet habe. Auch die Kostenfrage warf der CDU-Politiker auf.

Die CDU-Ansicht ist, wie ein Blick auf ihren Ergänzungsantrag zeigt, bei einigen Aspekten durchaus mehrheitsfähig: Demnach soll der Magistrat ausloten, „wie dem Handlungsbedarf hinsichtlich einer Verbesserung der Sporthallenversorgung entsprochen werden kann“. Auch soll er feststellen, wie das TGS-Konzept zur Jahnplatz-Beplanung unter Berücksichtigung des Stadtentwicklungsplans umgesetzt werden kann. Diese Anregungen fanden auch die Zustimmung der Koalition. Nicht aber die Planungsmittelbereitstellung in den Etat 2017. Das sei nicht erforderlich, da im Doppel-Etat 2015/16 noch Gelder (Stadtentwicklung) zur Verfügung stünden, erläuterte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian. Der Rathauschef verteidigte zudem die „Tabula rasa“-Aktion der Koalition mit Streichung der acht Anträge. Trotz zehnjähriger Beschäftigung mit dem Thema sowie zahlreicher Beschlüsse und Ideen liege bislang kein einziges umsetzbares Konzept vor. „Jedenfalls nichts Greifbares für einen sicherlich teilweise erforderlichen Bebauungsplan.“ Er sprach sich dafür aus, sich schrittweise einer Umsetzung zu nähern und einen gemeinsamen Nenner zu finden. Bürgermeister Bastian machte aber auch klar: „Alles unter einen Hut zu bringen, das wird schwer.“

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