Kooperation von Stadt und AK Willkommen

Projekt FLIDUM: Lernen und begegnen

+
„Sprache ist ein Kernelement der Integration“ (von rechts): Hanne Auer, Burkard Müller und Pfarrer Holger Allmenröder.

Seligenstadt - Wenn die Verwaltungsstruktur nicht zum Problem passt, dann ist ehrenamtliches Engagement Gold wert: Nach anfänglichen atmosphärischen Störungen fanden bei der Umsetzung des Projekts „FLIDUM“ (Flüchtlinge Lernen Integrativ Deutsch Und Mehr) Stadtverwaltung und Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ zu bemerkenswerter Kooperation zusammen. Von Michael Hofmann

In Kürze wird Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) erwartet, der „die Stätte des Lernens und Begegnens, die vornehmlich auf die Belange der Geflüchteten ausgerichtet ist“, besuchen möchte. Erklärtes Ziel des Flüchtlings-Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt“ mit seinen inzwischen 273 ehrenamtlichen Helfern ist es seit Ende 2015, einen zentralen Ort für den Spracherwerb, die Ausbildung und Arbeitsfindung sowie den Austausch mit Behörden, Bürgern und Vereinen zu schaffen. Beim Pressetermin im Rathaus sagt AK-Koordinator Burkard Müller, zusammen mit Hanne Auer Hauptinitiator des FLIDUM-Projekts, dieses sei nun „nahe an der Realisierung“.

Richtig, am 1. Juni soll’s losgehen. Der AK Willkommen hat eine 200 Quadratmeter große Räumlichkeiten in der Kolpingstraße gefunden und die Arbeit im neuen „Integrationszentrum“ bereits aufgenommen. Es stehen vier Klassenräume, einer mit zwölf und einer mit 16 Arbeitsplätzen, zur Verfügung. Weiter existieren dort ein Multifunktionsraum mit Beamer und Tablets, um Ausbildungssituationen entsprechender Berufe digital darzustellen, sowie ein Foyer für Begegnung und Veranstaltungen und ein Büro/Lehrerzimmer.

Die Stadt unterstützt das Vorhaben mit 28 000 Euro - Zuschussgelder, mit denen Miete und Kaution abgedeckt werden sowie Gelder für die Büroausstattung. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian findet, dass die Partner Stadt und AK „einen guten Weg der Zusammenarbeit und gegenseitigen Ergänzung“ gefunden haben. „Ich bin überzeugt davon, dass so für zahlreiche Flüchtlinge entscheidende Weichen in ein selbstständiges Leben gestellt werden.“ Er spricht auch von „Vorbildfunktion“ und davon, dass die Stadt weiterhin helfen wolle.

„Unsere gut 60 ehrenamtlichen Lehrkräfte können ab sofort zeitlich flexibel unterrichtend und unterstützend tätig sein. Wir sind durch die eigenen Räume nicht mehr an vorgeschriebene Zeiten gebunden. Dadurch hoffen wir auf zusätzliche, dringend benötigte Lehrkräfte und wollen mehr Kurse in kleineren Gruppen anbieten“, zeigt sich Burkard Müller zuversichtlich, der das Ausstattungsvolumen dank Spender und Sponsoren mit rund 30.000 Euro angibt. Da der AK keine Gesellschaft mit Rechtsform ist, tritt die katholische Pfarrgemeinde St. Marien als Mieterin der Büroräume auf. „Wir unterstützen das Projekt in logistischer Weise“, sagt Pfarrer Holger Allmenröder.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Bei allem Engagement betont Mitinitiatorin Hanne Auer: „Wir sind ergänzendes Element“ und lobt die Verwaltung. Ohne deren Unterstützung wäre das nicht gelungen. Erste Stadträtin Claudia Bicherl spricht dagegen von einem „Rieseneinsatz der ehrenamtlichen Helfer, den unsere Verwaltung gar nicht leisten könnte.“ Im Mittelpunkt, so erläutert Auer, stehe der Sprachunterricht: „Lesen, Sprechen, Schreiben, Kommunizieren, um so die Integrationsprozesse zu unterstützen.“ Und das unter recht guten Bedingungen: zwölf Sprachkurse (Trimester), 64 Sprachhelfer, so dass individuelle Förderung möglich sei. Entsprechend stark nachgefragt seien die Kurse.

Trotz aller Vorschusslorbeeren finden Müller und Auer auch mahnende Worte. Es fallen Sätze wie „Aus dem derzeitigen Hype darf keine Totgeburt werden, wir müssen auf Nachhaltigkeit hinarbeiten, um eine feste, erfolgreiche Einrichtung in der Stadt zu schaffen.“ Die Zivilgesellschaft, so ein weiterer Gedanke, „ist wichtiger Bestandteil der Integration, beide, die geflüchteten Menschen und die Bürger, müssen dazu bereit sein. Dabei ist die Sprache ein Kernelement der Integration.“

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

Kommentare