Fachfirma insolvent

Pumpwerk-Baustelle: Hiobsbotschaft aus Erfurt

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Blick in den Bauch der Stadtwerke-Großbaustelle an der Steinheimer Straße: Der so genannte Pumpenkeller mit bereits fünf von insgesamt vorgesehenen 14 zu montierenden Pumpen.

Seligenstadt - „Shit happens“ sagt man auf der Baustelle, „dumm gelaufen“ bei Stadtwerken und Stadt Seligenstadt: Von Michael Hofmann

Beim Großprojekt Abwasserpumpwerk an der Steinheimer Straße, mit einem Volumen von 5,35 Millionen Euro eine der größten und kostenintensivsten Maßnahmen der letzten 20 Jahre, hat ausgerechnet eine der wichtigsten beteiligten Firmen Insolvenz angemeldet. Auf der Suche nach einer Ersatzfirma ist die Stadtwerke-Betriebskommission am Dienstag fündig geworden, doch ist nun mit einer Bauverzögerung von sechs Wochen zu rechnen. .

Bereits vor etwa vier Wochen erhielten die Stadtwerke die Information, dass sich die für das Los 2 der maschinentechnischen Ausrüstung beauftragte Firma aus Thüringen in Schwierigkeiten befinde. Zu diesem Zeitpunkt waren knapp 25 Prozent des Auftrages abgearbeitet. Wenige Tage später hatten die Seligenstädter Gewissheit. Ein vom Amtsgericht Erfurt bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter bestätigte die Hiobsbotschaft „Insolvenz“, teilte zudem mit, „dass die Voraussetzungen für eine Unternehmensfortführung in bisheriger Form nicht vorlägen“, fasst Bürgermeister Dr. Daniell Bastian zusammen.

Die Stadtwerke mussten reagieren, nahmen zunächst Kontakt mit einer Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei auf, die den Eigenbetrieb bereits in der Vergangenheit in schwierigen Fällen unterstützt hatte. Zudem kündigten die Stadtwerke den Vertrag mit dem Thüringer Wasser- und Abwasser-Anlagebau-Spezialisten. Damit freilich waren alle vorab festgezurrten Termine im Hinblick auf die Errichtung weiterer Provisorien, deren Rückbau und die Inbetriebnahme des neuen Pumpwerks gegenstandslos. Die Stadtwerke sprechen nun von einer Verzögerung um etwa sechs Wochen.

Zwischenzeitlich setzte sich der Eigenbetrieb mit drei Firmen in Verbindung, die am damaligen öffentlichen Wettbewerb der maschinentechnischen Ausrüstung teilgenommen hatten. Eine Fachfirma hatte keinerlei Kapazitäten, die beiden anderen Firmen zeigten starkes Interesse, nahmen an einem kurzfristigen Ortstermin teil und signalisierten ihre Bereitschaft einzuspringen. Beide erhielten Leistungsverzeichnisse mit den noch auszuführenden Arbeiten. Das günstigste Angebot lag am Dienstag der Betriebskommission zur Auftragsvergabe vor. Nach Angaben von Bürgermeister Bastian spielt der Zeitfaktor eine besondere Rolle, da möglichen Einsparungen drohende Stillstandskosten der Baufirma gegenüberstehen. Die Betriebskommission besichtigte die Baustelle, erteilte dann den Auftrag für die Restarbeiten mit einem Volumen von rund 490.000 Euro. Erfreut zeigte sich Bürgermeister darüber, dass nur Mehrkosten von etwa 3600 Euro zu erwarten sind.

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Fertiggestellt sind bislang die Arbeiten am Rechteckkanal und der Rücklaufschlammleitung vom Regenüberlaufbecken zum neuen Pumpwerk, der Anschluss an die alte Abwasserdruckleitung zur Kläranlage. Die letzten Regenwetterpumpen werden in zwei Wochen geliefert. Die neue Firma wird sie montieren und anschließen. Derzeit erfolgt die Verlegung des neuen Zulaufkanals DN 1600 zum bestehenden Regenüberlauf in die Steinheimer Straße. Geplant sind weiterhin erste Arbeiten der Oberflächenwiederherstellung auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände.

Das in die Jahre gekommene alte Abwasserpumpwerk beschäftigte die Politik jahrelang. Nach dem zeitweisen Ausfall eines Hebewerks Mitte 2014 war schließlich der komplette Zusammenbruch der 50 Jahre alten Technik zu befürchten. Der Stadtwerke-Betriebsleitung gelang es zwar, für eine defekte Hebeschnecke ein Ersatzteil aus den Niederlanden zu beschafft, aber danach fehlte jede Reserve. Ein Neubau war erforderlich. Doch das Großprojekt stand anfangs nicht unter dem allerglücklichsten Stern. Lange vor Baubeginn hatten Stadt und Stadtwerke im Mai 2014 erste Probleme: Die Betriebskommission hob die März-Ausschreibung auf. Nachberechnungen ergaben 1,1 Millionen Mehrbedarf auf dann 5,35 Millionen Euro Kosten. Gründe sah Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams damals in Verzögerungen bei der parlamentarischen Beratung, sprunghaft gestiegenen Preisen für Spezialbauten und saisonbedingter Auslastung der Baufirmen.

Der Zeitplan musste modifiziert werden: Neuausschreibung im Herbst 2014, Auftragsvergabe bis Jahresende, Baubeginn Frühjahr 2015. Am 30. März war es so weit.

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