Zurück in die Heimat und unsichere Zukunft

Schicksal der Roma-Familie Dako macht Helfer betroffen

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Kristina (rechts) zeigt zusammen mit ihrer Freundin Emilie stolz ihr Zeugnis.  

Seligenstadt - Familie Dako ist eine Roma-Familie, die nach zweimaliger Vertreibung aus Albanien in Deutschland ein neues Zuhause gesucht hat. Da ihre Heimat als sicheres Herkunftsland gilt, droht die Abschiebung, der Asylantrag wurde abgelehnt. Helfer des Arbeitskreises (AK) Willkommen unterstützen die Familie. Es gibt jedoch wenig Hoffnung, dass sie bleiben kann.

Während sie in der Heimat in allen Bereichen des Lebens diskriminiert wurde, erfuhr die Familie Dako in Seligenstadt von Anfang an Zuwendung durch den AK Willkommen und von vielen Bürgern. Im Gegenzug waren Manuela und Elvis Dako als Helfer bei den Begegnungscafés aktiv, der Familienvater reparierte gespendete Fahrräder und sortierte Sachspenden im „Fundus“.

Den Willen, sich schnell zu integrieren, zeigte auch Kristina, die älteste der drei Töchter. Sie besuchte das gesamte Schuljahr über den Unterricht der zweiten Klasse an der Alfred-Delp-Schule und ist nun sehr stolz auf ihr erstes Zeugnis. Die Lehrerin berichtet: „Kristina war zu Beginn des Schuljahres sehr verängstigt und misstrauisch mir und den Mitschülern gegenüber, was an ihren schlechten Erfahrungen im Heimatland liegt.“ Dort habe sie im Jahr 2011 tagelang Misshandlungen der Eltern durch die Polizei mit ansehen müssen, außerdem sei sie selbst in der Schule geschlagen worden. In Deutschland blühte sie auf, lernte täglich neue Wörter, erledigte zuverlässig ihre Hausaufgaben. Mittlerweile spricht Kristina sehr gut Deutsch. Sie fand Freundinnen, ging zum Sport und sang im Chor. „Wenn man bedenkt, dass sie ohne Deutschkenntnisse und nahezu ohne Schulbildung in die zweite Klasse kam, ist ihr Lernfortschritt sehr beachtlich“, lobt die Lehrerin.

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Die Schulleiterin Gabriele Adam zeigt sich daher auch entsetzt, dass dieses erfolgreiche schulische Lernen womöglich schon während der Sommerferien ein jähes Ende finden soll. Die Schulgemeinde habe erst im Frühjahr mit ansehen müssen, wie ein Kind, das sehr schnell und erfolgreich lernte, abgeschoben wurde. „Es tut uns so leid, ihn jetzt wieder in Tirana im Müll wühlen zu sehen, damit die Familie mit Altmetall etwas Geld zum Essen verdienen kann. – Warum kann das Kind, das so viel Willen gezeigt und Anstrengung an den Tag gelegt hat, nicht weiter mit uns lernen? Warum setzt man seine Zukunft aufs Spiel, wo wir doch wissen, wie viel schlechter Roma gegenüber Albanern gestellt sind? Warum greift hier nicht die Kinderrechtskonvention mit dem Recht auf Bildung?“

Nicht nur Kristina, auch die Eltern haben große Angst vor der drohenden Ausreise. Ihr Traum von einer Arbeit und einem finanziell selbstständigen Leben steht auf dem Spiel. „Dabei tun sie alles, um hier Fuß zu fassen“, beobachten die Helfer des AK. Elvis Dako, der wegen der Ablehnung seines Asylantrags nicht arbeiten darf, ist ehrenamtlich in der Gemeinde St. Margareta tätig. Menschen, die ihn dabei begleiten, sagen, er hätte das Zeug zum Hausmeister. Zuverlässig halte er das Gelände der Kindertagesstätte und des Gemeindehauses in Ordnung.

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Er nutzt diese Tätigkeit auch, um den Kopf frei zu bekommen von den Ängsten und Sorgen, die ihm wahre Kopfschmerzen bereiten, sobald er wieder im Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft sitzt. Denn in Albanien wird er mit seiner Familie – dazu gehören neben seiner Frau und Kristina zwei weitere Mädchen im Alter von vier Jahren und vier Monaten – auf der Straße leben. Elvis Dako ist mit seinen 29 Jahren Waise, Sozialhilfe gibt es in Albanien nicht und Arbeit nur, wenn man ein entsprechendes Netzwerk hat. Sein Bruder, der vor vier Monaten aus Seligenstadt abgeschoben wurde, lebt aktuell dank Spenden befreundeter Seligenstädter mit seiner Familie in einem Zimmer im Armenviertel Tiranas. Doch danach droht auch ihm wieder das Leben auf der Straße.

Elvis’ Familie hat in dem einen Jahr, das sie nun in Seligenstadt lebt, viele Freunde gefunden, und alle glauben, dass die Dakos den Weg in ein selbstständiges Leben ohne Sozialhilfe meistern könnten. Die Frage, warum man der Familie nicht eine Chance gibt und damit ihre Integrationsleistung belohnt, wird oft gestellt. Wer helfen möchte, findet Infos auf der Homepage des AK Willkommen. (kd)

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