Schwimmkurs für Flüchtlinge

Hauptsache über Wasser halten

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So geht’s – Matthias Eiles macht Trockenübungen, um einem Flüchtling den Bewegungsablauf beim Schwimmen zu verdeutlichen. Links im Bild Klaus Pannek.

Seligenstadt - Seit Ende Juni gibt es im Seligenstädter Freibad einen regelmäßigen Schwimmkurs für Flüchtlinge. Sport-Coach Matthias Eiles hat ihn initiiert, nachdem es in den Sommermonaten wieder verstärkt Todesfälle durch Ertrinken gibt. Von Sabine Müller

Asylsuchende aus Seligenstadt und Mainhausen sollen lernen, sich über Wasser zu halten. Bereits rund läuft die Integration durch gemeinsames Ballspiel. Als kürzlich die Nachricht vom Ertrinkungstod dreier Kinder in einem Löschteich in Nordhessen publik wurde, war Matthias Eiles‘ erster Gedanke: „Das sind bestimmt Flüchtlinge.“ Dies war zwar nicht der Fall, doch der Seligenstädter Sport-Coach war alarmiert. Spontan kontaktierte er die Stadtverwaltung sowie Mitglieder des Arbeitskreises „Willkommen in Seligenstadt“ und organisierte einen Schwimmkurs im Seligenstädter Freibad. Noch bis 15. September können sich nun die Flüchtlinge dienstags und donnerstags jene Kulturtechnik aneignen, die auch längst nicht alle Einheimischen beherrschen. Wie lebenswichtig sie ist, wurde gerade wieder offenbar: Vergangenen Sonntag ist ein Iraker im Edersee ertrunken.

„Gäbe es keine motivierten Hauspaten und Sporttrainer, würde es nicht funktionieren“, sagt Matthias Eiles. Die Stadt Seligenstadt hat ihn beauftragt, die Kontakte zwischen den Flüchtlingsinitiativen, den Sportvereinen und der kommunalen Flüchtlings- und Asylbetreuung zu knüpfen und auszubauen. Dafür hat das Land ein Förderprogramm aufgelegt. Er bekomme lediglich eine Aufwandsentschädigung, stellt Matthias Eiles im Gespräch mit unserer Zeitung klar, nachdem einige gemutmaßt hätten, er habe seine Arbeit als DFB-Manager gekündigt und sei jetzt bei der Stadt beschäftigt.

Mit Unterstützung von TGS-Handballtrainer Michael Mehrpahl, Matthias Kopolt, Volleyballtrainer bei den Sportfreunden, und Daniel Bücking von der Spielvereinigung kann der sportbegeisterte Seligenstädter ein regelmäßiges Wochenprogramm anbieten. Den Schwimmkurs begleiten die Hauspatinnen Caterina Ellerbrock und Elke Nachtigall.

Flüchtlinge in der Region

Die resolute Seligenstädterin unterstützt die Asylsuchenden in der Unterkunft an der Zellhäuser Straße. „Ich sammele sie ein und versuche, sie zu motivieren“, beschreibt Elke Nachtigall ihre Aufgabe beim Schwimmtraining. Denn mal ist der Ramadan ein Verhinderungsgrund, mal das wenig sommerliche Wetter. Rund 40 Teilnehmer aus Syrien, Eritrea und Afghanistan stehen auf der Liste. Mehr als fünf oder sechs sollten es pro Einheit nicht sein, damit der Kurs effektiv ist.

Kurz vor acht hat sich eine Handvoll Eritreer am Seiteneingang des Schwimmbades versammelt. Der Leiter der Seligenstädter Schwimmschule „water’n fun“ erwartet die Jungs schon: Nur 40 Minuten stehen zur Verfügung, um die Grundformen zu üben. „Abhängig vom Kenntnisstand ist es eine Mischung aus Brustschwimmen und Kraulen“, erläutert Schwimmlehrer Jörg Bussian. „Das Wichtigste ist, sich über Wasser halten zu können.“

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Lustig war der Einführungskurs. Eiles berichtet: „Wir haben zunächst spielerisch die Infrastruktur des Bades erkundet, dann gab’s für die einen die erste Wassergewöhnung, bei den anderen wurden die Schwimmkenntnisse getestet.“ Die Rutsche war einigen nicht geheuer, und das Drei-Meter-Brett verließ ein ganz Nass-Forscher wieder über die Leiter. Mittlerweile strampeln und platschen die Männer vergnügt im nassen Element, ohne Schwimmnudel oder -brett traut sich aber kaum einer.

Während Matthias Eiles und Elke Nachtigall am Beckenrand Froschbewegungen vormachen, zeigt sich Klaus Pannek weniger wasserscheu. Der Sport-Coach aus Mainhausen hat heute vergeblich auf seine sechs Zöglinge gewartet. „Ich mache auch Leichtathletik mit ihnen“, sagt er, „doch die Koordination von Armen und Beinen fällt schwer. Die wenigsten machten zuhause Sport, viele haben keine Beziehung zu Wasser.“ Für Flüchtlingskinder wird in den Sommerferien ein Schwimmkurs angeboten. Und Frauen kommen bisher noch nicht zum Zuge. Doch Matthias Eiles ist zuversichtlich: „Daran arbeiten wir.“

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