Kinderclub im evangelischen Gemeindezentrum

Spielen ganz nach Gusto

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Claus Ost und Claudia Hegemann mit dem Kinderclub-Logo.

Seligenstadt -  Vor 25 Jahren wurde der Kinderclub im evangelischen Gemeindezentrum an der Jahnstraße eröffnet. Seither besuchten schon mehrere Generationen die offenen Nachmittage, um zu spielen, zu toben, auszuruhen – ganz nach Gusto. Von Sabine Müller

Am Sonntag wird auf das Jubiläum im Zuge des Gemeindefestes angestoßen. Dann werden manche feststellen: „Hier riecht’s ja immer noch nach Keller.“ Jeden Dienstag und Donnerstag steht die Tür des Kellerraumes im Gemeindezentrum nachmittags offen für Seligenstädter Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Gastgeber sind der Gemeindepädagoge Claus Ost und die Sozialarbeiterin Claudia Hegemann, momentan unterstützt von Corina Kunze, die seit 1. September ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Sie bereiteten einen Imbiss vor, mehr sei nicht nötig für ihr „situatives Konzept“, sagt Claus Ost. Die Besucherinnen und Besucher kommen und gehen zwischen 14 bis 16.30 Uhr, wann sie möchten. Toben in der Abenteuer-Ecke, schmökern auf dem Sofa, malen, kickern oder draußen tollen: Die Lage an der Bleiche macht’s möglich. Eine Anleitung zum Spiel oder Gruppenarbeit gibt es nicht. „Der Club ist eine kostenlose und freiwillige Veranstaltung“, betonen Hegemann und Ost, ein Gegenentwurf zur „zunehmenden Institutionalisierung von Kindheit, etwa durch Ganztagsschulen“.

Das war auch vor 25 Jahren neu, erzählt Claus Ost, dessen Stelle damals geschaffen wurde. Im Niederfeld gab es wirtschaftliche und strukturelle Veränderungen, Bürgermeister Karl Schmidt wollte verhindern, dass das Quartier sozial abrutschte, und initiierte 1989 eine Stadtteil-Untersuchung. „Sie zeigte, dass Angebote für Kinder fehlten.“ Also wurde Claus Ost am 1. April1990 als Gemeindepädagoge eingestellt: Die Kirchengemeinde und die Kommune finanzieren je die Hälfte der Personalkosten, dazu addieren sich Zuschüsse für Materialien. Als Pendant zur Offenen Jugendarbeit, die Seligenstadt schon hatte, entwickelte sich der Kinderclub im Untergeschoss des Gemeindezentrums. „Stadt und Kirchengemeinde ließen die Form der Arbeit völlig offen“, berichtet Claus Ost, „ich hatte bei meiner vorherigen Stelle in Frankfurt die Offene Kinderarbeit kennengelernt.“

Ein Konzept, das noch heute Grundlage des Kinderclubs ist, wo schon immer rund 30 Kinder ein- und ausgingen. Das Angebot ist niedrigschwellig aber nicht selbstverwaltet: Die Kinder können sich im Rahmen der Möglichkeiten oder selbstorganisierten Aktivitäten frei entfalten. „Wir sorgen dafür, die allgemeinen Regeln im Bewusstsein zu halten“, sagt Claudia Hegemann, früher Honorarkraft, seit sieben Jahren in Teilzeit bei der Kirchengemeinde angestellt. „Sagt ein Kind ‚ich will das nicht‘, unterstützen wir das.“ Seit ein paar Jahren gibt es eine schriftliche Anmeldung für den Club, die Kinder und Eltern unterschreiben. Die Betreuer haben die Kontaktadressen: „Nur für Notfälle – oder als letzte Sanktionsmöglichkeit.“

Verbindlicher ist die Schulbetreuung, die der Kinderclub mittlerweile anbietet. „Die Kapazitäten der städtischen Nachmittagsbetreuung an der Konrad-Adenauer-Schule reichten nicht mehr aus“, erläutern Ost und Hegemann. Mit Angeboten an Donnerstag und Freitag ergänzen sie die Pädagogische Mittagsbetreuung an der Grundschule, die nur Montag bis Mittwoch abdeckt. Ab diesem Schuljahr allerdings eingeschränkt.

Nicht nur weil der fließende Übergang zwischen Schulbetreuung und offenen Nachmittagen schwierig sei, die Verantwortlichen möchten sich wieder verstärkt der Stadtteilarbeit widmen. Etwa das Spielmobil – „die mobile Außenabteilung des Kinderclubs“ – zwischen den Hochhäusern im Niederfeld parken. „Flexibel zu reagieren gehört zu unseren Stärken.“ Das zeigt sich auch an Projekten, die stets den Kinderclub flankierten. Früher etwa die integrative Kindergruppe „i-tüpfelchen“, das Atelier für Kinderkunst, der Kinderzirkus „Tortellini“ oder Nähkurse. Heute die Theatertage „Kaleidoskop“, Töpferkurse, der Naturerlebnistag, die Spieletage „S(pi)eligenstadt“, das Kinderclubdorf und Ferienfreizeiten.

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