Neuer Klatschmohn-Chef Matthias Müller

Vorbereitungen für Marktspektakel im Mai

+
Einst hat er als Falkner und Jäger am Zunft- und Handwerkermarkt teilgenommen, als neuer Vorsitzender von Klatschmohn ist Matthias Müller vollauf mit der Organisation beschäftigt.

Seligenstadt - „Ich brenne für diesen Verein“, sagt Matthias Müller. Beste Voraussetzung, um „Klatschmohn Seligenstadt“ zu leiten. Unter der Regie des neuen Vorsitzenden bereiten die Mitglieder seit Monaten den 13.  Zunft- und Handwerkermarkt auf dem ehemaligen Klostergelände vor. Von Sabine Müller

Am Wochenende 21./22. Mai ist es wieder soweit: Im Seligenstädter Klosterhof wird die Zeit um 200 bis 300 Jahre zurückgedreht und zum Marktspektakel eingeladen. „Kein mittelalterlicher Verkaufsmarkt“, betont Matthias Müller. Er hat die Nachfolge von Horst Müller angetreten und organisiert nun erstmals als Vereinsvorsitzender von Klatschmohn das im zweijährigen Turnus stattfindende Festival. Dessen Ziel sei, alte Berufe und Techniken professionell vorzuführen und zu erklären. Die Darsteller müssen in authentischer Handwerks- und Zunftkleidung oder Kostümen auftreten, die Arbeitsplätze und Stände mit historischen Gerätschaften und Werkszeugen ausgestattet werden. Matthias Müller weiß, wovon er spricht, hat er doch bisher als Falkner und Jäger am Markt teilgenommen, der sich seit seiner Gründung im Juli 1980 zu einer weit über die Region hinaus bekannten Veranstaltung entwickelt hat.

Heimatliches Brauchtum und Handwerk erhalten ist für Matthias Müller eine Herzenssache – dabei ist er gar ein „Eigeplackter“. Der gebürtige Kärntner kam im Jahr 1972 nach Deutschland, seit 1978 lebt er in Mainhausen, wo er sich für die CDU im Gemeindevorstand engagiert. Vor seiner Pensionierung war der 66-Jährige im Vertrieb der EDV-Branche tätig. Auch seine Frau Ursula ist bei „Klatschmohn“ aktiv. Beim Pressetermin entfaltet sie eine kapitale blütenweiße Spitzenunterhose aus dem Fundus der Bleiche; im Mai werden Omas Dessous an der Leine flattern. Sohn Christopher wird dieses Mal den Uhu und die Greifvögel aus Familienbesitz präsentieren, denn sein Vater ist vollauf mit der Organisation beschäftigt.

Damit den verschärften Sicherheitsbestimmungen Genüge getan ist, am Freitagabend alles steht, bevor samstags ab 11 Uhr der Marktbetrieb „nach altem Fug und Recht“ eröffnet wird, und montags kein Krümel mehr auf der Wiese im Klosterhof zu finden ist, braucht der Verein unter dem Dach des Heimatbundes jede helfende Hand. „Es ist eine unheimliche Belastung für eine kleine Mannschaft“, sagt Matthias Müller.

Von den zurzeit 62 Mitgliedern – davon elf Kinder und Jugendliche – sei ein Großteil seit der Gründung aktiv. Die Gefahr, dass der Markt nicht gestemmt werden kann, wie im Jahr 2011 geschehen, sei dieses Mal zwar gebannt. Hauptziel des neuen Vorsitzenden ist jedoch, verstärkt Jugend in die historischen Aktivitäten von „Klatschmohn“ einzubinden und möglichst viele heimische Handwerker für den Auf- und Abbau zu gewinnen.

Archivbilder

Zunft- und Handwerkermarkt im Klosterhof

Die Veranstalter rechnen am Festwochenende mit einem Zustrom von über 10.000 Besuchern. Diese erleben Höhepunkte der vergangenen Jahre wie das Da-Vinci-Rad, ein Hand betriebenes Karussell, Musiker mit alten Instrumenten, Gaukler und Trapezkünstler. Daneben können die Gäste an rund 100 Ständen zum Beispiel einem Salzsieder, Rechenmacher, Papierschöpfer, Kalligrafen, Büchsenmacher, Steinmetz und einer Weißstickerin über die Schulter schauen. Aber auch selbst Hand anlegen: „Wir laden vor allem die Kinder zum Mitfilzen oder Fliesen gestalten ein.“

Dem Vorsitzenden ist es wichtig, örtliche Marktbeschicker und Vereine einzubeziehen, „wir suchen aber auch immer interessante von außerhalb“. Als begeisterter Kaufmannszugteilnehmer habe er gute Beziehungen. Nicht zu vergessen die Gaumenfreuden aus der Klosterküche, die in entschleunigter Atmosphäre genossen werden dürfen: Handkäs – statt Pommes, Spießbraten – statt Calamares, Erdbeerkuchen – statt Muffins. Dazu wird extra gebrautes Festbier mit einem Pferdegespann aufgefahren. Mit einem Teil des Erlöses unterstützt der gemeinnützige Verein die Förderung und Erhaltung der ehemaligen Benediktiner-Abtei.

Kommentare