„Solidarität in schwerer Zeit“/Bürgermeister wieder auf freiem Fuß

Seligenstädter Delegation besucht Partnerstadt Piedimonte Matese

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Solidaritätsbesuch in Piedimonte: gemeinsames Hochamt mit Bischof Valentino di Cerbo und Pfarrer Don Andrea in der Kirche des Dominikanerklosters.

Seligenstadt - Unter dem Motto „Solidarität in schwerer Zeit“ besuchte die Seligenstädter Delegation um Bürgermeister Dr. Daniell Bastian ihre italienische Partnerstadt Piedimonte Matese. Weil Bürgermeister Dr. Vincenzo Cappello inhaftiert war, war die Vorfreude gedämpft.

Obwohl die geplante offizielle Feier zum fünfjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft aus verständlichen Gründen abgesagt wurde, reiste dieser Tage eine 16-köpfige Seligenstädter Delegation in die Provinz Caserta. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian sagte gestern, er habe in seiner Ansprache vor Ort betont, dass die Seligenstädter „nicht nur in schönen Momenten, sondern auch in schwierigen Zeiten zu ihren Freunden stehen.“ Darüber hinaus herrschten nach wie vor große Betroffenheit und Ratlosigkeit in Piedimonte vor. Allein die herzliche Atmosphäre und der unerschütterliche Glaube der Bevölkerung an die Unschuld ihrer Politiker seien überaus beeindruckend gewesen. Letztlich, so fasste Bastian zusammen, hätten die Seligenstädter, darunter auch seine Gattin und Stadtrat Ulrich Haase als Vertreter des Magistrats, „eine tolle Fahrt in schwieriger Zeit unter schwierigen Rahmenbedingungen“ absolviert. Die Gastgeber hätten den deutschen Gästen die Geste hoch angerechnet.

Die Organisation der Reise lang in den bewährten Händen von Marcus Bayer vom Europäischen Freundeskreis (EFS). Der in Seligenstadt bestens bekannte Präsident der Bergregion des Matese, Dr. Fabrizio Pepe, hieß die Besucher willkommen. Das kurzfristig geänderte Vier-Tage-Programm, verantwortet von Addolorato Raucci, dem Vorsitzenden des Festkomitees des Hl. Marcellinus, führte die Gäste zunächst ins Gymnasium Galileo Galilei zu einem Treffen mit Schulleitung und Lehrern und danach zu einem ausgedehnten Mittagessen. Nachmittag und Abend gehörten dem Besuch eines renommierten Weinguts „La Guardiense“ in Guardia San Framondi mit Verkostung von Weiß- und Rotweinen, die aus regionalen Rebsorten gekeltert werden.

Den verregneten Sonntag leitete eine Führung durch die riesige Brunnenanlage in Piedimonte ein, deren Quellwasser mit 2 500 Litern pro Sekunde die gesamte Region mit Trinkwasser versorgt und bis nach Neapel und Capri geleitet wird. Es folgte ein feierliches Hochamt in der nach dem Erdbeben von 2013 frisch renovierten Kirche des Dominikanerkonvents, zelebriert von Bischof Valentino di Cervo. Dieser ging in seiner Predigt auch auf die Freundschaft zwischen den Bewohnern beider Städte ein.

Piedimonte Matese („Am Fuß des Matesegebirges“) liegt 170 Meter hoch und hat den Vorzug, Eingangstor zu einer auf 1000 Meter liegenden Hochebene zu sein, die von bis zu 2050 Meter hohen Bergen umgeben ist. Das Matese mit dem gleichnamigen See ist ein schönes Wandergebiet. Eine große Fläche nimmt auch der „Agriturismo La Falode“ ein, der ebenfalls besucht wurde. Dort werden Kuh-, Schaf- und Ziegenkäse, Wurst und weitere regionale Produkte erzeugt. Vor Ort gab es ein typisches, opulentes Mittagessen, gefolgt von einer Besichtigung der Ställe und Anlagen.

Verschwisterung mit Piedimonte Matese

Als weiterer Höhepunkt folgte am Montag eine Busreise an die Amalfiküste mit dem Besuch von Positano, Amalfi und Maiori. Besonders sportliche Teilnehmer wanderten auf dem „Sentiero degli Dei“ (Götterweg), von dem aus sie einen atemberaubenden Blick auf die tief unten liegende Küstenregion und anschließend ein frisches Bad im Meer genossen.

Wie berichtet war ein angeblicher Müllskandal in der Provinz Caserta, in der auch die Seligenstädter Partnerstadt Piedimonte Matese liegt, der Auslöser eines politischen Erdbebens in der Region. Schockierend, nicht nur für die Einwohner von Piedimonte, war die Nachricht, dass eine der 20 festgenommenen Personen Bürgermeister Dr. Vincenzo Cappello war, der auch in Seligenstadt viele Freunde hat. Daraufhin trat die gesamte Gemeindevertretung aus Protest geschlossen zurück; es wurde von Amts wegen ein Kommissar für die Leitung der Verwaltung eingesetzt.

Seit Montag sind Dr. Cappello und die anderen Politiker wieder auf freiem Fuß. Bürgermeister Bastian wollte sich zur Situation in Italien nicht äußern: „Das können wir doch gar nicht bewerten.“ Deutlich sei geworden, dass es bei der Anklage weder um persönliche Bereicherung, noch um Korruption gehe, sondern um - angeblich - nicht korrekte Ausschreibungsunterlagen. (mho)

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