Reaktion auf Attacke zum Gedichtband

Seligenstadt - „Wir hätten uns von den Kritikern erhofft, dass sie sich mit uns an einen Tisch setzen, um das Thema aufzuarbeiten. Nun ist leider wieder eine Chance der lokalen Aufarbeitung vertan. Von Oliver Signus
So reagieren Manfred Kreis und Lothar Reinhart auf die Attacke der Seligenstädter Grünen auf Text und Illustration zum Synagogenplatz im Gedichtband „Wer ist die Schönste im ganzen Land“. Wie berichtet, hatte Fraktionssprecherin Natascha Maldener-Kowolik das Kapitel „De Synagocheplatz“ als „peinlichen Fehltritt im Umgang mit unserer Geschichte“ bezeichnet.
Bewusst auf „Comic-Charakter“ verzichtet

Beide distanzieren sich vehement davon, „mit den Nazis in einen Topf geworfen zu werden.“ Maler Lothar Reinhart erläutert sein Werk: „Es ist ein seriöses Bild. Es zeigt einen Rabbi, so wie man ihn jeden Tag in Israel sehen kann. Er steht vor dem niedergebrannten jüdischen Gotteshaus, der siebenarmige Leuchter symbolisiert Hoffnung auf das Leben.“ Bewusst habe er auf den „Comic-Charakter“ verzichtet und die Sprechblase weggelassen - als Ausdruck des Respekts. Bei der Präsentation des Buches vor knapp zwei Wochen wurden auch die Originale der Illustrationen zum Verkauf angeboten. „Dieses Bild war das erste, das wegging“, betont Reinhart, der „kein schlechtes Gewissen“ hat: „Ich stehe hinter dem Buch“, bekräftigt der 63-Jährige.
Er hätte gerne über sein Bild diskutiert „aber auf einer würdevollen Ebene“. Die Chance sei verspielt, für eine Auseinandersetzung steht Reinhart nicht mehr zur Verfügung.
Alle Seligenstädter Plätze berücksichtigt
Kreis kann an dem von ihm verfassten Text nichts Verwerfliches finden. Er verwahrt sich zudem dagegen, im Zusammenhang mit dem Buch stets nur als Karnevalist („Das ist nur ein Teil von mir“) gesehen zu werden. Schließlich sei er, der Sozialdemokrat, auch seit 44 Jahren kommunalpolitisch in Seligenstadt tätig und habe in dieser Funktion auch an der Gestaltung des Synagogenplatzes mitgewirkt.
In dem Buch seien alle Seligenstädter Plätze berücksichtigt worden. Den Synagogenplatz dabei unter den Tisch fallen zu lassen, hätte ihnen ebenfalls Kritik eingebracht, mutmaßen sie. „Wir haben den Mut gehabt, den Synagogenplatz anzusprechen“, sagen beide. Ein konstruktive Auseinandersetzung wäre die richtige Weiterführung gewesen.
Als Beispiel für den bedachten Umgang mit ihrer Publikation nennt Reinhart auch die Veröffentlichung der Illustrationen Günter Henrichs auf den ersten Seiten. Der Künstler starb während der Arbeit am Buch im vergangenen Jahr überraschend. Manfred Kreis fiel „in ein tiefes Loch“, ließ den Entwurf eine Weile ruhen, bis er mit Reinhart einen Nachfolger fand. Der bestand darauf, Henrichs Beiträge zu veröffentlichen, „als Zeichen der Achtung“.
Meine news
Für das kommende Jahr plant Kreis auf Grundlage des Buches eine Stadtführung. Alle darin aufgeführten Örtlichkeiten werden dabei besucht, auch der Synagogenplatz...
- In der ersten Berichterstattung ist der Redaktion ein Fehler unterlaufen. So ist Stadtrat Manfred Kreis zwar ein hochdekorierter Karnevalist und viele Jahre Sitzungspräsident, aber er ist nie Vorsitzender der Turngesellschaft Seligenstadt (TGS) gewesen.
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