Niedrige „Eingreifschwelle“

Nie dagewesene Sicherheitsvorkehrungen für den Rosenmontag

Polizei und Sicherheitspersonal wollen am Rosenmontag - hier ein Archivbild von 2014 - „offensiv und entschlossen“ gegen Störer vorgehen.
+
Polizei und Sicherheitspersonal wollen am Rosenmontag - hier ein Archivbild von 2014 - „offensiv und entschlossen“ gegen Störer vorgehen.

Seligenstadt - Mit einem nie dagewesenen Aufwand wollen Polizei und Heimatbund die Sicherheit beim Rosenmontagszug gewährleisten.

Die Übergriffe in Köln und anderen Städten an Silvester spielen laut Josef Michael Rösch, Leiter der Polizeistation, durchaus eine Rolle bei der Einsatzplanung. Freilich sei das „Schlumberland“ schon lange keine Insel der Seligen mehr: Gewalt, Alkohol und Randale machen seit Jahren Sorgen. „Historisch gesehen wird es einen Polizeieinsatz geben, wie ihn die Stadt noch nicht erlebt hat“, kündigte Rösch im Gespräch mit unserer Zeitung an. Zwar seien noch nicht alle seine Anforderungen vom Polizeipräsidium bestätigt, fest stehe aber, dass die Beamten auf ein „robustes und direktes Vorgehen gegen Störer und Gewalttäter“ eingestellt und auch dafür ausgerüstet werden. Die „Eingreifschwelle“ werde bewusst niedrig gelegt. „Nach Köln wollen wir auch ein Zeichen setzen“, betont Rösch: „Fastnacht feiern ist das Eine, sexuelle Übergriffe sind etwas ganz Anderes“. Die Polizei fahre eine harte Linie und werde „klar zeigen, wo Schluss mit lustig ist“.

Das Problem sei in Seligenstadt weder neu, noch auf Migranten beschränkt, stellte der Polizeichef klar. Nach seiner Wahrnehmung waren es zumeist Betrunkene, die bei früheren Rosenmontagszügen zudringlich wurden und - insbesondere gegenüber kostümierten Zugteilnehmerinnen - die Grenzen närrischer Ausgelassenheit überschritten. Thomas Hain, Sicherheitsbeauftragter des Heimatbunds, schildert konkrete Beobachtungen und verortet sie auch: Gruppen junger Männer konzentrierten sich seit einigen Jahren in der Bahnhofskurve, insbesondere aber am Parkdeck gegenüber der TGS. An der Grabenstraße zwischen Pfortengasse und Jahnstraße gebe es dann „unter 3000 bis 4000 Zuschauern zwei oder drei Gruppen von Leuten, die ihre Finger nicht bei sich behalten können“.

Seligenstadts Polizeichef Josef Michael Rösch: „Klar zeigen, wo Schluss mit lustig ist“.

„Aufgrund der Personalienfeststellungen“ skizziert Hain den Täterkreis mit scharfen Konturen: „Männlich mit Migrationshintergrund, um die 20 Jahre alt, nicht alkoholisiert. Oft mit Flüchtlingsstatus“. Ein großer Teil reise offenbar aus dem Raum Hanau an. Röschs Beamte haben noch ein anderes Klientel im Auge: „Sturzbetrunken, gewaltbereit und aggressiv“. Wer Migranten nenne, sage nur die halbe Wahrheit, betont der Polizeichef: „Da hat in den letzten Jahren auch mancher urdeutsche Seligenstädter mitgemischt“. Sowohl er als auch der Heimatbund-Mann bestätigen, dass es zwischen Parkdeck und Mainufer schon zu größeren Schlägereien kam - „unter ethnisch unterschiedlichen Gruppen“. Sowohl die Polizei als auch der Heimatbund, der am Rosenmontag „eine hohe zweistellige Zahl an Sicherheitspersonal“ aufbiete, haben laut Hain reagiert: „Statt zwei Leuten, die das Parkdeck bewachen, haben wir im nächsten Jahr 20 Polizisten und Security-Leute hingeschickt“. Das habe die Lage beruhigt. „Fast im Griff, aber nicht ganz“, sagt Josef Michael Rösch.

Narren feiern Mittwochsrummel in Seligenstadt: Bilder

Wenn Belästigungen bei Polizei und Heimatbund bekannt wurden, dann zumeist aus den Reihen der Zugteilnehmerinnen. „Meist erst nach dem Zug oder nach Aschermittwoch“, so Hain. „Das nützt leider wenig“. Rösch pflichtet bei: „Die Polizei braucht die Information sofort. Dann sind wir in der Lage, sehr schnell zu reagieren“. Dazu brauche es keine schärferen Gesetze: „In fast 100 Prozent dieser Fälle kann der Beamte annehmen, dass eine Straftat vorliegt - Beleidigung auf sexueller Basis, Körperverletzung oder Nötigung“. Dann könne und müsse er einschreiten - „mal dahingestellt, was später daraus wird“. Identifizierte Täter würden „rausgezogen und vorläufig festgenommen. Dann haben wir nicht nur die Tat geklärt, sondern auch weitere Übergriffe verhindert“. Auch die Sicherheitskräfte, die der Heimatbund einsetzt, können laut Thomas Hain „aktiv dazwischengehen“. Ihr Auftrag umfasse „Beobachtung und gezielte Ansprache, wenn sich etwas zusammenballt“.

Potenziell gewalttätige oder kriminelle Gruppen will die Polizei schon im Vorfeld sprengen. „Wir überwachen die Anmarschwege, haben auch die Busse im Auge“, sagt Rösch. Am Bahnhof beobachte die Bundespolizei, am Fähranleger seien die bayerischen Kollegen auf der Hut. „Größere homogene Gruppen werden auf größere Polizeieinheiten treffen“. Platzverweise gegen aggressive oder stark alkoholisierte Zeitgenossen würden konsequent durchgesetzt. In Sachen Flüchtlinge gehe man präventiv vor: Über die ehrenamtlichen Helferkreise gebe es Kontakte in die örtlichen Unterkünfte hinein. „Da wird erklärt, dass und wie bei uns Fastnacht gefeiert wird“. Zentrale Botschaft: „Ihr seid nicht außen vor, aber es gibt Regeln und Grenzen“.

rdk

Kommentare