Eher gesellig und gemütlich

„Sommer in der Stadt“ hat sich als Markenzeichen etabliert

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Am Samstag war beim „Sommer in der Stadt“ die Welt in Seligenstadt weitgehend in Ordnung, gestern sorgte starker Regen bis Mittag für Besucherflaute.

Seligenstadt - Nett essen gehen, Freunde treffen, ein bisschen Musik - was in der warmen Jahreszeit fast immer Laune macht, haben die Seligenstädter Gastwirte unter dem Dach des Gewerbevereins zur Kunstform erhoben.

Unter dem Zeltdach wohlgemerkt, denn mit dem dritten „Sommer in der Stadt“ hat sich das Dorf aus Pagodenzelten im historischen Stadtkern als Markenzeichen etabliert. Den Eindruck bestätigt Stefan Kluge, Marktleiter im Auftrag des Gewerbevereins: „Die Veranstaltung hat jetzt einen Namen in der Region“, stellte er im Gespräch mit unserer Zeitung fest, das Konzept der „Genussmeile“ über Markt- und Freihofplatz gewinne Breitenwirkung. Rund 20 Gastronome, einige mehr als im vergangenen Jahr, hatten sich diesmal eingerichtet. So gab es das, was Leib und Seele zusammenhält, in größerer Auswahl und - wie beim bis 2009 gepflegten Konzept „Kulinarisch-Musikalisch“ - auch wieder mit Begleitmusik. Beim Neuen Schwan etwa passten spanische Klänge zum feurigen Menü. in der Alten Schmiede wurde Dixieland-Jazz gespielt, andere Lokale boten Discjockey oder Solo-Unterhalter auf.

Rockige Töne schlugen die Lokalmatadoren von „Wasabi Green“ am Samstag auf der Bühne auf dem Freihofplatz an.

Zwischen dem Frühlingsmarkt mit seiner Aufbruchsstimmung unter dem Stichwort Mobilität und dem farbenfrohen „Genusswochenende“ beim Weinmarkt im Frühherbst - der Adventsmarkt hat ohnehin sein dauerhaftes Etikett - hat sich der Stadtsommer im Rhythmus des Gewerbejahres als Ausgeh-Wochenende etabliert. Eher gesellig und gemütlich gehe es zu, skizziert Kluge: „Die Leute wollen zusammensitzen und sich unterhalten. Ihren Spaß machen sie sich selbst.“ Der Gewerbeverein habe nach dem Neustart 2009 mit Events wie einem Straßenkünstlerfest oder Live-Musik an allen Ecken experimentiert, sei davon aber wieder abgekommen. Geblieben sind zwei Epi-Zentren: Leichte Unterhaltung ganztägig auf dem Marktplatz, abends etwas mehr „Action“ und Lautstärke mit Bands auf dem Freihofplatz.

Die urbane Geografie bestimmt dabei die vorhandene Infrastruktur, vorneweg die Lage der Gaststätten in der Altstadt. Die sorgt auch dafür, dass der „Sommer in der Stadt“ seinem Namen nicht unbedingt gerecht werden muss. Unter angesagten Adressen lässt es sich ganzjährig, auch in diesem regenreichen Frühsommer, genussreich im Trocknen sitzen. Das Angebot nahmen besonders am Samstagabend zahlreiche Besucher an, die unbeeindruckt von stetigem Geniesel von Wirtschaft zu Wirtschaft, von Zelt zu Zelt flanierten und die Vielfalt genossen: Da gab es in reicher Auswahl Herzhaftes aus deutscher, speziell hessischer Küche, deftige Steaks, verschiedenste Salate, Fisch in zahlreichen Variationen und mediterrane Spezialitäten aus Spanien, Italien und Griechenland.

Seligenstädter „Sommer in der Stadt“: Bilder 

An der Peripherie haben die Veranstalter an einigen Stellschrauben gedreht: Konsequente Sperrung der Zufahrtsstraßen wie an anderen Markt-Wochenenden fördert die Illusion einer autofreien Innenstadt, zentrale Fahrradparkplätze an der Basilika und am Synagogenplatz helfen zu Stoßzeiten das Gewühl im Kern entzerren. Die Fähre wirkte erstmals nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Steuerelement: Ab 17 Uhr wurden an allen drei Tagen keine Autos mehr von Bayern herüber geschippert, dafür kamen Fußgänger und Radler am Freitag und am Samstag bis 22.30 Uhr über den Fluss. Wer sich zeitig am Nachmittag einfand, konnte nicht nur essen sondern auch einkaufen gehen.

Vorwiegend entlang der Bahnhofstraße hatten elf Händler Marktstände aufgeschlagen. Fast 40 Innenstadt-Geschäfte öffneten am verkaufsoffenen Sonntagnachmittag. König Fußball indessen blieb außen vor: Die Option, die Europameisterschaft per Großleinwand ins Städtchen zu holen, habe man zwar diskutiert, so Stefan Kluge, sich aber dagegen entschieden: Ein Public Viewing zu organisieren, wäre schon wegen der Sicherheits-Anforderungen sehr aufwändig gewesen. „Wer die Spiele sehen will, kann ja vorher oder nachher essen gehen“. Schwitzende Kicker mit der zugehörigen Geräuschkulisse hätten nicht zum Charakter der Veranstaltung gepasst.

rdk

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