Tiergestützte Pädagogik an Don-Bosco-Schule

Unterricht mit Wau-Effekt

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Unterrichtsstunde mit Hündin Joy im Schatten der Bäume.

Klein-Welzheim - Am Freitag verkündet ein Schild am Schulleitungstrakt der Seligenstädter Don-Bosco-Schule: „Joy ist da“. Ihr Frauchen, Manuela Klein, setzt die Mischlingshündin regelmäßig für tiergestützte Pädagogik ein – eine „echte Unterstützung“. Die Offenbach-Post durfte an einer Kursstunde der Hunde-AG schnuppern. Von Sabine Müller 

Der Kurs „Rund um den Hund“ im Zuge des Wahlpflichtunterrichts ist eigentlich sehr begehrt, doch heute ist die Motivation der Teilnehmer nur mäßig: Es ist heiß, es ist Mittagszeit, Schülerinnen, Schüler, Lehrerin und Hund sind reif fürs Wochenende. „Mal schaun, inwieweit Joy kooperiert“, kündigt die stellvertretende Leiterin der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen an. Ihre Hündin wurde zwar schon von der Unterwolle befreit, hat aber noch genug Haar, um kräftig zu hecheln. Der Schulhund gibt das Programm vor, ein liebe- und respektvoller Umgang sowie eine gute Teambindung sind Voraussetzungen für seinen Einsatz an der Schule.

Seit Oktober 2013 bereichert Manuela Klein mit ihrem fünfjährigen Vierbeiner einige Stunden ihres Unterrichts an der Don-Bosco-Schule – die Einverständniserklärung aller Schulgremien war Voraussetzung. Er war eineinhalb, als sie den rumänischen Straßenhund vom Tierschutz bekam, „ein Kind der Liebe“, sagt sie schmunzelnd, die Rasse ein bunter Mix wie sein blond-braun-schwarzes Fell. Die Lehrerin war schon länger auf der Suche nach einem Hund für ihre pädagogische Arbeit. Joy verstand sich nicht nur mit ihrem Ersthund, sie war auch Menschen und besonders Kindern sehr zugetan, ausgeglichen, ruhig und zog sich bei Stress zurück. Ihr Frauchen absolvierte mit ihr den Hundeführschein, Einzeltraining und eine Schulhund-Ausbildung. Jetzt trägt Joy stolz ihr rotes Schulhund-Tuch in der Hunde-AG oder bei der Einzelförderung: Zur Freude und Stärkung von Konzentration, Selbstbewusstsein und Empathiefähigkeit der Kinder und Jugendlichen.

Die elfköpfige Gruppe hat sich mit Kissen und Wasserflaschen hinter das Schulgebäude in den Schatten der Bäume verzogen. Für die letzte Kursstunde in diesem Schuljahr hat sie sich das Brettspiel „Wau-Schlau“ und eine Kuschelrunde mit Joy gewünscht. Die soll sich eigentlich mit dem großen Schaumstoffwürfel am Spiel beteiligen, stupst aber nur träge mit der Schnauze eine Drei und lässt sich dann auf der Decke nieder. Eine gute Gelegenheit, um Hunderegeln abzufragen, die die Zehn- und Elfjährigen von Kärtchen ablesen, zum Beispiel: Joy darf nicht bedrängt werden, wenn sie aber Lust auf Streicheleinheiten hat, heißt es hinterher: Hände waschen. Außerdem lernen die Kinder Hunderassen kennen, nennen die Fachbegriffe für Schwanz und Hundebaby, besprechen, wie Hunde kommunizieren und wie man sich verhält, damit das Tier keine Angst hat.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil eins)

„Joy ist im pädagogischen Einsatz eine echte Unterstützung“, berichtet Manuela Klein, auch Ansprechpartnerin des Arbeitskreises Schulhund Rhein-Main, in dem ein fachlicher Austausch von Pädagogen mit Hund stattfindet. Die Anwesenheit des Tieres kann die Lernatmosphäre positiv beeinflussen und die ganzheitliche Entwicklung der Schüler fördern. Eher spielerisch in der Hunde-AG, wo viel Wissen über Hunde vermittelt und der richtige Umgang mit ihnen geübt wird. „Meine wertvollsten Momente erlebe ich aber in der Einzelförderung von Schülern mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernblockaden“, berichtet Manuela Klein. Vor allem sehr ängstliche und zurückhaltende Kinder suchten die Nähe des Therapiehundes, der Ruhe und Entspannung vermitteln könne, wie etwa bei jener Fünftklässlerin, der es sehr schwer fiel, sich zu äußern. „Über den Einsatz von Joy traute sie sich, öfter mal laut zu sprechen.“

Im vergangenen Jahr wurde die ehemalige Klasse 8a der Don-Bosco-Schule im Rahmen des hessischen Schulpreises für Tierschutz ausgezeichnet. Angeregt von Joys Schicksal, hatten sich die Schüler im Ethikunterricht mit dem Thema Tierschutz im In- und Ausland beschäftigt und ihr Wissen über Spiele und Aufgaben an die jüngeren Schüler weitergegeben. Dieses Engagement honorierte die Jury mit einem Sonderpreis für herausragende Projektarbeit.

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