Ursprünge der Seligenstädter Wallfahrt

Kampf mit Dämon Wiggo

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Seligenstädter Wallfahrt zu Ehren der beiden Heiligen Marcellinus und Petrus.   - Foto: paw

Seligenstadt - In der Tradition des christlichen „Wege-Gehens“ stehen in unserer Region die Steinheimer Wallfahrten zum Heiligen Kreuz, die Wallfahrten zur Liebfrauenheide in Klein-Krotzenburg sowie vor allem die Wallfahrtswoche des Seligenstädter Basilika-Gemeinde rund um die beiden Heiligen Marcellinus und Petrus. Zahlreiche Wunder werden ihnen zugeschrieben. Von Michael Hofmann

Die Bekanntheit Seligenstadts bereits im frühen Mittelalter und weit über die Region hinaus ist wesentlich begründet in der regen Wallfahrtstätigkeit und in zahlreichen Wundern. Im Buch „Einhard - Translation und Wunder der Heiligen Marcellinus und Petrus“ (2015) liefert ein 14-köpfiges Wissenschaftlerteam um den Tübinger Geschichtsprofessor Dr. Steffen Patzold auf 176 Seiten eindrucksvolle Belege. Den dritten Buchabschnitt einleitend kommt Einhard (*um 770 + 840), der Biograf Karls des Großen, neben der Translation, also der Übertragung der beiden Heiligen von Steinbach nach Seligenstadt, auch bei diesem Thema ausführlich zu Wort. „Ich möchte von den Taten und Wundern berichten, die Marcellinus und Petrus, die hochheiligen Märtyrer Christi, nach der Translation (...) an verschiedenen Orten gewirkt haben (...) Ich halte es jedoch für notwendig, einführend zu erwähnen, dass ich von den Ereignissen, die ich schildern möchte, größtenteils durch Berichte anderer erfahren habe. Doch ausgehend von dem, was ich selbst gesehen und erlebt habe, bin ich fest davon überzeugt, dass ich diesen Leuten dennoch Glauben schenken kann.“

Das erste Wunder in Mulinheim, dem heutigen Seligenstadt, beschreibt Einhard im Januar 828. Es geht um die Heilung eines jungen Mannes namens David, der aus der Gegend von Reims stammte und sich den Heiligengebeinen in der Kirche näherte. Der etwa 15 Jahre alte Bettler, der „so verkrümmt war, dass er den Himmel nur auf dem Rücken liegend betrachten konnte“, brach plötzlich zusammen, und nachdem er lange Zeit wie ein Schlafender dagelegen hatte, wurden alle seine Glieder geheilt. „Zugleich erhielt er seine Muskelkraft zurück und stand gesund vor unseren Augen.“ Eine wundersame Wandlung von Bier in Wein ereignete sich im November, als Einhard auf dem Weg zum Hof nach Aachen war, um dort wie gewöhnlich den Winter zu verbringen.

Im dritten Buchabschnitt der Tübingen Wissenschaftler findet sich neben dem Kampf mit dem Dämon Wiggo eine ganze Reihe von Wundern. Auffällig ist, dass die Kranken teilweise weite Anreisen in Kauf genommen haben müssen. So ist die Rede von einem Blinden namens Alberich aus Aquitanien (Südwesten Frankreichs), der von einem derart heftigen Zittern all seiner Glieder geplagt gewesen sein soll, „dass er nicht in der Lage war, Essen zum Mund zu führen“. Er sagte später, er sei im Schlaf aufgefordert worden, aufzustehen und zur Kirche zu eilen. Dort schrie er bei der Verlesung des Evangeliums plötzlich laut auf, Kinn und Brust waren von Blut überströmt, das aus seiner Nase floss.

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Er gab an, er habe das Gefühl gehabt, als hätte ihn eine Faust im Nacken getroffen, und er habe aus Panik Marcellinus angefleht. Auf jeden Fall, so schreibt Einhard, „hatte ihn der Schlag so gründlich geheilt, dass an seinem Körper fortan keine Spur der schrecklichen Zuckungen mehr zu erkennen war.“ Im weiteren Verlauf bis ins Jahr 830 schildert das Buch u.a. Heilungen/Wunder an einem taubstummen Angelsachsen, der seinen Namen nicht kannte, weil er ihn ja noch nie zuvor gehört hatte. Es ist die Rede von einem Mann aus Lüttich, der an Muskelstarre erkrankt war. Auch er fiel in einen tiefen Schlaf und war geheilt, als er erwachte. Auf wundersame Weise wurde außerdem eine gelähmte Frau in der Nacht auf den 28. August 830 geheilt.

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