Kauf oder langfristige Pacht

Wassersportverein Seligenstadt bangt um Zukunft in Marina Karlstein

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Seit 40 Jahren hat der Wassersportverein Seligenstadt sein Domizil in der Marina Karlstein. Über die Zukunft entscheidet Anfang September ein Gespräch mit der Gemeinde.  

Karlstein/Seligenstadt - Bei der feierlichen Bootstaufe dieser Tage ließ sich keiner etwas anmerken, doch längst laufen hinter den Kulissen die Drähte heiß: Der Wassersportverein Seligenstadt (WSS) fürchtet um seine Zukunft in der Marina Karlstein, seinem Domizil auf der anderen, der bayerischen Mainseite. Ein alles entscheidendes Gespräch findet am 9. September statt. Von Michael Hofmann

An den Pachtvertrag, den der WSS und die Gemeinde Großwelzheim zur Nutzung des dortigen Schleusengebäudes sowie eines Großteils des Hafens im März 1972 abschlossen, und an die Einweihung der Clubanlage am 14. Oktober 1973 erinnert die WSS-Chronik. Doch das ist Geschichte - nach nach 40 Jahren scheint die Existenz gefährdet. Die Gemeinde Karlstein diskutiert seit mehr als einem Jahr Entwicklungs- und Ausbaupläne als Erholungs- und Freizeitort. Dieses Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das der Gemeinderat inzwischen Anfang Mai 2016 gebilligt hat, beschäftigt sich auch mit dem sogenannten Schleusengehöft, dem WSS-Domizil. Da der WSS-Seglerhafen samt Vereinsheim-Bewirtung und Lagerhallen jedoch in der ISEK-Planung, die unter anderem auch Gastronomie- und Freizeitangebote in Ufernähe vorsieht, nur an einer Stelle anonymisiert als „interessante Station in Mainnähe“ erwähnt wird und alle Anfragen und Auskunftsersuchen keine Lösung brachten, sind die Sportler hellhörig geworden.

Karlsteins Bürgermeister Winfried Bruder (CSU) sagte lange nichts; auf Presseanfragen Anfang Juni, es sei noch keine Entscheidung getroffen; zuletzt, ein noch zu gründender Arbeitskreis werde sich mit der Thematik befassen. WSS-Vorstandsmitglied Martin Dillmann, der derzeit in Frankreich urlaubt, glaubt, durch die Presseberichterstattung sei Bruder unter Druck geraten, Gemeinderäte stellten Fragen. Fakt sei, dass der WSS für den 9. September einen Gesprächstermin vereinbart habe. Dabei soll es um den vom Verein seit längerer Zeit beabsichtigten Kauf des Areals gehen oder eine langfristige Pacht. Hintergrund: Im für rund 2500 Euro jährlich von der Gemeinde gepachteten Anwesen stehen Investitionen an, die der Verein zwar schultern würde, doch hält ihn die Unsicherheit des jährlich zum 30. September kündbaren Pachtvertrags davon ab.

Da das Anwesen ideal für Segler sei, bleibt der WSS aber hartnäckig. Am Karlsteiner Mainufer hat der Verein die frühere Schleusenkammer mit Platz für 44 Boote sowie Teile des Geländes gepachtet. Die Vereinsgaststätte ist in den Sommermonaten auch für Gäste geöffnet und dient als Schulungsraum, in den Hallen lagert der Verein Boote und Ausrüstung. Ob im Karlsteiner Rathaus auch eine Rolle spielt, dass der WSS kein Karlsteiner Verein ist, steht dahin. Da die Sportförderung in Hessen deutlich höher ausfällt als in Bayern, möchten die Seligenstädter daran nichts ändern. Die Einhardstadt soll Vereinssitz bleiben, auch wenn ein Drittel der rund 150 Mitglieder, darunter 30 in einer Jugendgruppe, inzwischen aus dem Kreis Aschaffenburg kommt. Keine Einwände hätte die WSS-Spitze jedoch gegen die Namensergänzung „Wassersportverein Seligenstadt-Karlstein“.

Offenbacher Ruder-Regatta beim WSV Bürgel

Der WSS suchte inzwischen auch das Gespräch mit Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian, selbst der Kreis Offenbach soll einbezogen werden. Vorsitzender Johann Humer sagte, er hoffe auf Unterstützung aus dem Rathaus. Dabei geht es wohl in erster Linie um moralische Unterstützung, denn um Finanzzusagen suchten die Segler, die städtische Vereinsfördergelder bekommen, nicht nach. Die Karlsteiner ISEK-Thematik ist in Seligenstadt schon längere Zeit bekannt, da die Stadt eine Stellungnahme zur Planung der bayerischen Nachbarn erstellte (ausführliche Berichterstattung folgt) und Bastian auch eine Unterredung mit Bruder hatte. Er habe den Eindruck, „dass alles bisher ziemlich unglücklich für den WSS gelaufen ist“, nicht aber, dass die Gemeinde Karlstein den Verein herausdrängen wolle, sagte Bastian dieser Tage. Allerdings habe er auch gehört, die Gemeinde wolle kein Gelände verkaufen. Ziel Bruders sei wohl nun ein Arrangement unter Einbeziehung des WSS. Allerdings seien ihm keine Details bekannt.

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