Juristische und andere Hürden

Weckrufe für den Festplatz

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Der unansehnliche Festplatz am Seligenstädter Mainufer: Die Fläche gehört fast zur Hälfte der Bundesrepublik Deutschland.

Seligenstadt - Aus seinem Dornröschenschlaf erwecken wollten schon viele den Seligenstädter Festplatz am Mainufer. Von Michael Hofmann 

Allein, das zu früheren Zeiten häufig genutzte, heute aber recht spröde Asphaltareal hat kaum eine Chance gegen andere Veranstaltungsorte, etwa den Marktplatz, und fristet weiterhin sein trauriges Dasein. Der neueste Versuch zur Wiederbelebung ist der ernsthafteste, doch auch da gilt es einige Hürden zu nehmen.  Bonjour Tristesse: Der Festplatz am Seligenstädter Mainufer ist zwar ein Versammlungsplatz, von Fest, Feststimmung und Atmosphäre fehlt jedoch jede Spur. Versuche, das Areal wiederzubeleben, gab es in der Vergangenheit reichlich, allein die Umsetzung lässt bis heute auf sich warten. Vor allem die FDP hatte sich immer wieder für die „Ertüchtigung“ des Platzes eingesetzt.

Unter anderem informierten sich die Liberalen im Herbst 2010 bei einem Termin mit Heimatbundchef Richard Biegel über die Vorstellungen der Vereinsdachorganisation. Übereinstimmend stellten damals alle fest, dass das „Mauerblümchen-Dasein“ des Festplatzes, in optimaler Lage liegend, beendet werden müsse. Statt der unansehnlichen Asphaltwüste könne mit geringen Mitteln eine attraktive und von den Vereinen stärker genutzte Fläche geschaffen werden. Dazu gehören, so Heimatbund und FDP-Politiker, eine schönere Ufergestaltung, der Aufbau notwendiger Wasser- und Stromlogistik für den Platz sowie ein vernünftiger Zuweg von der Altstadt zum Gelände.

2012 legte die SPD nach, schwärmte von einer „eingezäunten Liegewiese für die Erwachsenen am Mainufer in der Nähe des Pulverturms, daneben der Spielplatz.“ Im gleichen Jahr erging ein vielgliedriger Stadtverordnetenbeschluss zur Aufwertung des Gebiets Bleiche/Jahnsportplatz/Stadtwerkegelände, der sich auch mit der Gestaltung des Mainufers rund um den Festplatz beschäftigte. Demnach sollte geprüft werden, „ob an der Mainseite eine erweiterte Nutzung für Feste und Veranstaltungen konzipiert werden kann, bei der insbesondere ein barrierefreier Zugang zum Main gewährleistet wird. Dabei kann eine Terrassierung mit einer angrenzenden Freifläche zum Main hin vorgesehen werden und die Möglichkeit, auf dem Gelände Funktionsgebäude in Form von Sanitäranlagen und einem Gebäude zur logistischen Abwicklung von Veranstaltungen auf der Freifläche zu errichten.“

Allerdings wurde eine Genehmigungsfähigkeit mit Blick auf das Landschaftsschutzgebiet Hessische Mainauen, den Hochwasserschutz, den Regionalparkweg „und mögliche Belange des Eigentümers des Mainufers, der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg“, relativiert.

In einem neuen Anlauf geht es aktuell um das „weitere planerische Vorgehen für die Gebiete ehemaliges Stadtwerkeareal/Jahnsportplatz/Gebiet östlich der Konrad-Adenauer-Schule. Mit Blick auf neue Parlamentarier, die die zahlreichen Beschlusslagen zurück bis ins Jahre 2003 nicht kennen können, wurde die Thematik in der jüngsten Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss vertagt. Gleichwohl brachte die Koalition aus SPD, FDP und FWS einen Antrag ein, der nicht nur die Streichung zahlreicher Beschlüsse zur Gesamtthematik zwischen 2003 und 2011 vorsieht, sondern auch die Forderung, ein städtebauliches Konzept für die Gebiete ehemaliges Stadtwerkeareal/Jahnsportplatz/Gebiet östlich der Konrad-Adenauer-Schule zu erstellen. Nach wie vor Bestand haben dabei die gestalterische Aufwertung des Festplatzes und des Mainuferwegs sowie die Öffnung des Stadtwerkegeländes mit öffentlichem und barrierefreiem Zugang zum Main hin.

Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) verwies dieser Tage auf die diversen rechtlichen Vorgaben. „Die Verhandlungen, um die aktuellen Pläne umzusetzen, werden da sicherlich nicht leicht. Außerdem gehört uns ja nicht das gesamte Gebiet.“

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In der Tag gehört die Festplatzfläche fast zur Hälfte der Bundesrepublik Deutschland. Auch gibt’s für das Gebiet einen Nutzungsvertrag mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, vertreten durch die Niederlassung in Aschaffenburg (WSV). Darüber hinaus liegt die Mainwiese im Landschaftsschutzgebiet Hessische Mainauen. „Nur mit entsprechender landschaftsschutzrechtlicher und naturschutzrechtlicher Genehmigung ist eine Nutzung möglich“, bilanzierte vor einigen Jahren der Magistrat. Ein Blick in den Nutzungsvertrag mit dem WSV aus dem Jahr 1987 verrät, dass beispielsweise die Errichtung eines Zauns (SPD-Vorschlag) auf der Mainwiese sowohl von der Unteren Naturschutzbehörde als auch vom Wasser- und Schifffahrtsamt genehmigt werden muss. Er müsste zudem über den Winter (1. November bis 31. März) und bei Hochwassergefahr abgebaut werden, „da sich in ihm Schwemmgut verfangen und den Wasserabfluss behindern kann.“

Obwohl rund um die Festwiese juristische und sonstige „Hürden“ aufgestellt sind, hat das Seligenstädter Mainufergelände tatsächlich inzwischen einige Interessenten angelockt. So liegen der Stadt nach Angaben des Bürgermeisters nicht nur Anfragen zu Wassersportaktivitäten vor, sondern auch die eines Schweizer Schifffahrtsunternehmens, das, weil der Wasserbau nicht geeignet ist, mainabwärts eine schwimmende Landestelle errichten möchte.

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