Weinmarkt in Seligenstadt

Stimmung wie Rosenmontag

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Ein wenig Oktoberfest-Atmosphäre lieferte die Band Band „Key Out“ mit, die am Freitagabend mit Oldies für Stimmung sorgte.

Seligenstadt - Umschalten auf Herbstmodus. Seit der Premiere 1999 markiert der Weinmarkt in Seligenstadt die Schwelle zwischen der warmen und der bunten Jahreszeit, selten quietschte das Scharnier indessen so vernehmlich wie in diesem Jahr.

Einmal mehr erwies sich das Konzept des Gewerbevereins indes als weitgehend wasserdicht: Solange berechenbar, kann das Wetter dem „spätsommerlichen Genusswochenende“ - so der Produktname des Gewerbevereins - nicht viel anhaben. Zwar blieb die medial angedrohte Sturzflut zumindest aus, dennoch gab die erwartete Regenfront dem Auftakt am Freitagabend nach Wahrnehmung vieler Gastgeber zusätzlich Schub. Vom frühen Abend an ging es auf dem historischen Marktplatz und rund um den Löffeltrinker zeitweise zu wie sonst am Rosenmontag oder beim Geleitsspektakel. Zwar blieb vor der Bühne am Rathaus noch Platz zum Tanzen, rundum aber drängten sich die Menschen in Partylaune. Zum Massengefühl passte der Sound der Band „Key Out“, die mit einem Mix aus Rock-Evergreens, Oldies und Stimmungskrachern den richtigen Ton traf.

Der starke Freitagabend ist beim Weinmarkt Tradition, seit der Gewerbeverein als Veranstalter vor rund vier Jahren das Konzept erweiterte. Professionelle Floristik mit hunderten Chrysanthemen überall in der Altstadt gehört ebenso dazu wie das Licht- und Farbenspiel auf historischen, wechselweise in herbstgängigen Farben angestrahlt.

Darüber hinaus setzt das eingespielte Märkte-Team des Gewerbevereins auf ein bewährtes Raster. Stefan Kluge, seit zehn Jahren als Marktleiter für den Verein mit aktuell rund 140 Mitgliedsbetrieben unterwegs, kennt die meisten der 25 Aussteller beim Weinmarkt schon lange: Überwiegend seien sie Stammgäste und wüssten, was das Publikum in Seligenstadt schätzt. Die Händler bestimmen auch selbst, welche Weine aus welchen Anbaugebieten sie ins Programm nehmen. Diesmal lag lagt ein Schwerpunkt auf Rheinhessen, ein weiterer auf Franken. Dazu gab es vor allem gute Tropfen von der Mosel, aus Italien, Portugal und Frankreich, aus Südafrika und Österreich.

Weinmarkt in Seligenstadt: Fotos

Zu Seligenstadt und Wein fällt dem Ortskundigen zuerst die Schnittmenge Hörstein ein. Dort am Abtsberg ließ Einhards Kloster schon vor mehr als 1000 Jahren Reben anbauen. Als 1999 der Weinmarkt als neues Format im Jahreszyklus des Gewerbevereins an den Start ging, gab es viele Skeptiker in der bis dahin sprichwörtlichen Bierstadt, denn nach Auflösung der Abtei 1803 schien es mit einer Weintradition in der und um die Stadt lange nichts mehr werden zu wollen. Wer tiefer gräbt, findet allerdings zähe Wurzeln bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. So gab es Weingärten im Bereich des heutigen Niederfelds, sogar einen städtischen Wingert in der Nähe des Fähranlegers.

Stetig breiter wird auch die Auswahl unter all dem, was Leib und Seele zusammen hält und zum Wein besonders gut passt. Längst Kultstatus hat etwa die Flammkuchen-Bäckerei vor dem Rathaus. Neben den Klassikern Zwiebelkuchen, Brezeln, Waffeln, Crêpes, Pizza, Käse und geräucherten Forellen punktet zunehmend der Apfel und alles, was sich daraus machen lässt. Für den Sonntag hatten die Veranstalter dieses Jahr erstmals Dieter Wissel aus Mömbris-Königshofen im Kahlgrund mit seiner mobilen Kelterei für den Sonntag engagiert. J rdk

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