Entwicklungsgesellschaft soll Westring erschließen

Westring: Letzte große Baulandreserve

Seligenstadt - Die „aktuell extrem angespannte Immobiliensituation mit stetig ansteigenden Immobilienpreisen“ macht’s nach Ansicht der Seligenstädter Dreier-Koalition SPD, FDP und FWS erforderlich. Von Michael Hofmann

Mit der Entwicklung des Baugebiets „Südwestlich des Westrings“ soll die letzte großflächige Wohnbaulandreserve angegangen werden. Mit der Mammutaufgabe soll eine Entwicklungsgesellschaft betraut werden. Bis ins Jahr 2020 hinein verfügt die Stadt Seligenstadt über umfassende städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten. Immerhin weist der Regionale Flächennutzungsplan rund 33 Hektar Wohnbaufläche aus. Als die Stadtverordnetenversammlung im August 2015 vor der Frage stand, welchem von zwei konkurrierende Bebauungsplanentwürfen zum Themenkomplex Arrondierung/Erweiterung sie den Vorzug geben sollte, entschied sich das Plenum mehrheitlich für den Plan 84, Ehemalige Don-Bosco-/Matthias-Grünewald-Schule, gab ihm damit den Vorzug vor dem Westring-Projekt, das damals vor allem die SPD favorisierte. Dies, obwohl mit der Umsetzung des 84ers erhebliche Probleme drohten - unter anderem hatten Städte- und Gemeindebund und der Regionalverband bereits Ende Januar 2014 erklärt, dass das favorisierte beschleunigte Verfahren zumindest auf der kleineren der beiden 84er Teilflächen (2,6 Hektar/1,6 Hektar) gar nicht zulässig sei, da die Voraussetzung „Innenstadtverdichtung“ nicht gegeben sei. Daraufhin hatte der Magistrat die Vorlage zurückgestellt.

Den 2015er Antrag des Magistrats auf Aufhebung des umstrittenen Aufstellungsbeschlusses zum 84er lehnte die Stadtverordnetenversammlung im August mit den Stimmen von CDU und SPD ab. Also galt weiter diese Aufstellungsbeschluss-Entscheidung des Parlaments aus dem Jahr 2013: Entstehen sollten im einfachen Verfahren Mehrfamilien-, Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser. Der nunmehrige Sinneswandel dürfte den neuen Kräfteverhältnissen in der Stadtverordnetenversammlung geschuldet sein. Vor allem Ex-Bürgermeister Rolf Wenzel (SPD) hatte sich im August 2015 vehement für die Westring-Lösung eingesetzt. Da die Gefahr der Überalterung bestehe, müssten junge Familien angesiedelt werden, sagte er damals. „Das bedeutet Wachstum, wenn wir die richtigen Weichen stellen.“

In einem neuen Antrag, der am gestrigen Abend erstmals im Fachausschuss Bau und Stadtentwicklung erörtert wurde, wollen SPD, FDP und FWS den Magistrat mit der Suche nach einer geeigneten Entwicklungsgesellschaft beauftragen. „Aufgrund der Größe des Westring-Gebiets ist es sinnvoll, die weitere Gebietsentwicklung mit einem strategischen Partner anzugehen, wie dies viele andere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet bereits erfolgreich tun“, so Michael Gerheim (SPD), René Rock (FDP) und Jürgen Kraft (FWS) in ihrer Begründung.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Die neue Entwicklungsgesellschaft soll nun „im Auftrag und in enger Abstimmung mit der Stadt die Bodenbevorratung, die fachliche Vorbereitung der Bebauungsplanaufstellung, die Baulandumlegung, die Erschließung und die Vermarktung des Grundstücks vornehmen“. Die Konzeption soll eine schrittweise Umsetzung ermöglichen.

Im Westring-Baugebiet selbst sollen unterschiedliche Bauformen (Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Einfamilienhäuser) möglich sein. Zudem sollen „Flächen für bezahlbaren Wohnraum“ und für Infrastruktureinrichtungen sowie Grün- und Ausgleichsflächen vorgesehen werden. Zwischen dem Gewerbe- und dem neuen Wohngebiet soll ein Mischgebiet als Puffer entstehen.

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