Standortumfrage

Schub durch Wirtschaftsförderin

Seligenstadt - Das Thema Wirtschaftsförderung war bei der Kommunalwahl auf der Prioritätenliste der Parteien ganz oben angesiedelt, ist auch beim neuen Bürgermeister „Chefsache“. Jetzt tut sich was: Am 1. August tritt in der Verwaltung eine Fachkraft ihr Amt an. Von Sabine Müller

Einen Magistratsbericht über Defizite in der Unterstützung von Seligenstädter Unternehmen nahmen die Stadtverordneten ohne Kommentar zur Kenntnis. Der „Wirtschaftsförderer“ war in den politischen Diskussionen schon zigfach herumgereicht worden, da beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat im Februar, die offene Stelle im Teilergebnishaushaus Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung unverzüglich zu besetzen. Nun ist eine Fachkraft gefunden, die nach Auskunft von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) den Arbeitsvertrag unterschrieben hat, zum 1. August ihre Vollzeitstelle antritt und schon beim ersten Auswahlgespräch überzeugen konnte: Desirée Volz, 43 Jahre alt, bisher Geschäftsführerin beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen, soll bald auf allen wirtschaftlichen Ebenen bekannt gemacht werden.

Die studierte Betriebswirtin sei in Nordrhein-Westfalen schon bisher für den Bereich Marketing zuständig gewesen, so Bastian, und auch was Organisation und Vertrieb betreffe „vom Fach“. Bei ihrer als Stabsstelle angelegten Aufgabe könne sie zwar auf einzelne Ämter zugreifen, sei es aber gewohnt, auch selbstständig anzupacken. „Dadurch erhoffen wir uns einen Schub“, erklärt der Verwaltungschef, der seit Amtsantritt selbst regelmäßig bei örtlichen Unternehmen vorbeischaut, dies aber nicht dauerhaft leisten kann. Die Wirtschaftsförderin soll zentrale Ansprechpartnerin sein und sowohl bestehende als auch neu anzusiedelnde Gewerbetreibende „bestmöglich unterstützen“.

Seligenstädter Unternehmen hatten bereits vor geraumer Zeit moniert, die Unterstützung seitens der Verwaltung lasse zu wünschen übrig. In einem Magistratsbericht nahm das Amt für Stadtentwicklung jetzt Stellung zu den Defiziten, die in einer Standortumfrage 2014 zur Sprache gekommen waren. So hatte die Firma Jach gefordert, dass den Kreisel am Kapellenplatz auch größere Lkw problemlos passieren können. Der Endausbau des Kreisverkehrs ist jedoch bisher noch geschoben worden, weil sich die Stadt jetzt auf den Bau eines zentralen Busbahnhofs am Bahnhof konzentriert, die Haltestellen am Kapellenplatz dann eventuell überflüssig würden.

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Generell strebe der Magistrat durch die Wirtschaftsförderin jedoch an, „die Service- und Koordinierungsleistungen der Stadt gegenüber den Unternehmen erheblich zu verbessern“, heißt es im Bericht. Zum generellen Wunsch der Wirtschaft, den innerörtlichen Straßenverkehr und das ÖPNV-Angebot zu optimieren, erläutert das Amt für Stadtentwicklung, das Gewerbegebiet Nordring sei vor Jahrzehnten ohne Verkehrsanbindung eröffnet worden „um den Industriestandort Pälzer zu sichern“. Durch die beschlossene Vollendung der Ortsumfahrung verspricht sich der Magistrat eine deutliche Verbesserung. Ein S-Bahn-Anschluss sei auch weiterhin nicht in Sicht, derzeit würde jedoch über eine Optimierung der Buslinien verhandelt.

Fahrt aufgenommen hat mittlerweile auch die von den Firmen kritisierte Unterversorgung mit schnellem Internet in den Gewerbegebieten. Es soll mit einem kreisweiten Projekt realisiert werden (wir berichteten). Nach der Verwaltungsvereinbarung wird das formale Vergabeverfahren für den Bau und Betrieb eines flächendeckenden NGA-Breitbandnetzes vorbereitet.

Zur Forderung der Unternehmen, ihre Belastung durch kommunale Steuern und Abgaben zu begrenzen, erklärt der Magistrat, dies werde durch die Festsetzung der Hebesätze beziehungsweise Satzungen durch die Stadtverordneten geregelt, die wiederum die Haushaltssituation zu berücksichtigen hätten. „Die Entscheidung über weitere steuergesetzliche Normen obliegt anderen staatlichen Ebenen; an diese Rechtsetzung ist die Verwaltung gebunden.“

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