Interview mit dem „heute-show“-Reporter

Lutz van der Horst: Statt Alkohol ein Grünkohl-Smoothie

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Startet (vielleicht) eine Opernkarriere: Lutz van der Horst spielt mit dem Gedanken, seinen Job als Reporter in Oliver Welkes „heute-show“ zu schmeißen.

Wiesbaden -  Vom AfD-Parteitag zur Operetten-Premiere: Lutz van der Horst, bekannt als Reporter der „heute-show“, gibt am Wiesbadener Staatstheater in „Die Fledermaus“ sein Debüt als Zellenschließer Frosch. Von Lisa Berins

Mit uns sprach der 41-Jährige über ein womöglich neues Talent, das Risiko, sich zu blamieren und Alkoholintoleranz.

Da haben Sie aber Glück, dass Sie eine Sprechrolle bekommen haben, oder?

Ja, den Frosch zeichnet aus, dass er einen relativ langen Monolog hält, von über zehn Minuten. Außerdem muss er nicht singen. Darüber bin ich sehr froh.

Wie sieht es denn mit Ihrer Gesangsstimme aus?

Es ist schon gut so, dass sie nicht in Anspruch genommen wird. Ich kann zwar ein bisschen singen, ich hab’s auch schon im Fernsehen versucht, zum Beispiel als Amy Winehouse und Howard Carpendale. Ich weiß nicht, ob Sie es gesehen haben ...

Ehrlich gesagt, nein.

Muss man auch nicht. Aber man muss es auch nicht übertreiben mit der Opernkarriere. Erst mal langsam anfangen und sich dann steigern.

Dass Sie so einen Respekt haben ... Sonst hat man eher nicht den Eindruck, dass Sie Angst vor Blamage hätten.

Ja, das denkt man von außen. Ich bin immer selbst überrascht, wie locker ich im Fernsehen rüberkomme. In Wirklichkeit habe ich schon auch Lampenfieber. Und ich bereite mich sehr gut vor. Der Vorteil ist, dass ich mich gut rausreden kann, falls ich mich bei der „Fledermaus“ blamieren sollte: Das war nur ein Experiment. Auf Wiedersehen!

Als Außenreporter der heute-show nehmen Sie kein Blatt vor den Mund. Hat da nicht jemand schon mal den Spieß rumgedreht? Oder wird das rausgeschnitten?

Das ist selbstverständlich noch nie passiert. Aber sollte es passieren, würde ich es natürlich nicht reinschneiden. Das ist der Vorteil bei Einspielfilmen. Bei der Operette wird das nicht funktionieren. Wenn ich’s versaue, dann versau’ ich’s. Und dann werden es viele Menschen sehen.

Sie treten Politikern und Parteimitgliedern professionell auf den Schlips. Würden Sie sagen, das ist pure Unterhaltung – oder steckt eine kritische Haltung dahinter?

Also ich habe kein Problem, mich als Komiker zu bezeichnen. Es gibt ja in Deutschland diese Unterscheidung zwischen Comedy und Kabarett. Da würde ich mich eher zur Comedy zählen: Erst einmal sollen die Beiträge für die heute-Show lustig sein. Aber ich versuche auch, mit einer gewissen Haltung daranzugehen. Und im Idealfall auch eine Botschaft zu vermitteln.

Welche denn?

Letztens war ich auf einem AfD-Parteitag. Da habe ich mich bei den Politikern überschwänglich dafür bedankt, dass es sie gibt und ihnen das „Merci“-Lied gesungen. Aber das war natürlich nur eine ironische Haltung, mit der ich in Wahrheit ihre Arbeit kritisiert habe.

Wo hört für Sie der Spaß auf?

Die Grenze ist ganz klar, Leute persönlich zu beleidigen. Das ist der Punkt, wo ich aufhöre.

Ich finde, Ihre Gesprächspartner wirken schon hin und wieder etwas beleidigt.

Ehrlich? Aber das Entscheidende ist ja, trotzdem den Respekt zu wahren, auch wenn man unverschämt ist. Ich will ja auf den Parteitag wiederkommen. Die Schwierigkeit besteht darin, genau auszuloten, bis wo es noch in Ordnung ist und wann es zu weit geht. Im Idealfall bewegt man sich genau auf dieser Linie.

Und übertritt sie haarscharf.

Genau. Aber so, dass die Leute noch mit mir reden und mir nicht eine reinhauen.

Das ist noch nicht passiert?

Nein. Aber eigentlich ... hätte ich doch gar nichts dagegen. Zumindest, wenn es vor der Kamera passiert. Das wäre ein spektakuläres Bild! Aber das jetzt bitte nicht als Aufruf verstehen.

Zurück zum ungefährlicheren Teil Ihrer Arbeit. In der Operette hält Zellenschließer Frosch einen Monolog, in dem er Zeitgeschehen kommentiert. Was können wir von Ihrem Auftritt erwarten?

Ich habe mit meinem Autor einen ganz neuen Text geschrieben. Wir haben die Rolle, wie man sie traditionell kennt, verändert: Frosch ist zum Beispiel nicht betrunken.

Wieso denn das? Das gibt ihm doch gerade die Narrenfreiheit, mal richtig auf den Putz zu hauen, oder?

Es birgt schon ein gewisses Risiko. Alleine, weil viel Komik dadurch entsteht, dass er lallt und über die Bühne torkelt. Die Regisseurin hat mich zwar zu einem Frosch-Ballett in Schwimmflossen überredet. Aber der Frosch ist eben nüchtern – auch in seiner Haltung. Er ist eher ein Beobachter. Das einzige, was er trinkt, ist ein Grünkohl-Smoothie.

Oh, ja das ist mal was anderes. Und er schlägt vermutlich nicht über die Stränge.

Naja, das kann man ja auch, wenn man nüchtern ist. Also ich bin in meinen Fernseh-Beiträgen zum Beispiel auch immer nüchtern.

Ach so?

Ja. Obwohl ich beim Fernsehen arbeite, trinke ich keinen Alkohol bei meinen Drehs. Ich habe seit einigen Jahren ohnehin eine Art Alkoholallergie. Kein Scherz. Besonders habe ich in Bezug auf Kölsch ein Problem: Wenn ich ein Stängchen trinke, werde ich knallrot und krieg’ Hitzewallungen. Das ist als Kölner natürlich total scheiße.

Wie kommen Sie als Kölner dazu, in Wiesbaden bei einer Operette mitzuspielen?

Der Intendant Uwe Eric Laufenberg ist wohl Fan der „heute-show“. Er hatte den Einfall, dass ich die Rolle des Frosch übernehmen könnte. Ich habe direkt zugesagt und mir dann gedacht: Bist du eigentlich bescheuert? Als Comedian hatte ich schon Angst, dass ich nicht ernst genommen werde. Ich meine, das sind ja richtige Künstler. Das ist man beim Fernsehen nicht gewöhnt.

Gibt es sonst noch etwas zu Ihrer Rolle zu sagen – vielleicht etwas Inhaltliches?

Ja. wir haben auch versucht, ernstere Themen anzusprechen. Es geht um die analoge Vereinsamung in der digitalen Welt, um die Diktatur des Amüsements, um die Entzauberung der romantischen Liebe.

Ist es eigentlich stressig, immer Gags auf Lager haben zu müssen?

Ja, es ist stressig, lustig zu sein, aber man entwickelt mit der Zeit Mechanismen, die man abrufen kann. Stress kann auch hilfreich sein. Ich glaube, dass man am lustigsten ist, wenn es einem nicht gut geht. Comedy entsteht ja oft durch die Überwindung von Schmerz. Die Lustigsten sind eigentlich melancholisch oder depressiv.

Aber Ihnen geht es gut?

Depressiv bin ich nicht, keine Sorge. Aber ich würde schon sagen, dass ich eine starke melancholische Seite habe.

Abschließend bitte ein positiver Ausblick auf Ihre Opernkarriere!

Also, erst einmal möchte ich da tiefstapeln. Wenn es dann bombastisch gut läuft, werde ich natürlich Künstler und werde sagen: Tschüss Welke, ich mache jetzt nur noch Kunst. Mach’ deinen Fernsehquatsch alleine.

Bilder: Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreis 2016

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