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Brenner-Alternativen: Mit Auto-Profi Isolde Holderied nach Südtirol

Kurvenspaß am Alpenpass

Es muss nicht immer über den Brenner gehen. Alternativen in Nord-Südrichtung verrät Rallye-Weltmeisterin Isolde Holderied. Mit im Programm: unzählige Serpentinen...

© Ralf Schütz

Königin aller Passtraßen: Am Stilfser Joch überwindet der Autofahrer auf 30 Kilometern Strecke 1900 Höhenmeter.

...unvergessliche hochalpine Panoramen, ein Schuss Nervenkitzel und jede Menge Fahrspaß.

Von Landshut nach Limone, von Milbertshofen nach Meran, von Berchtesgaden nach Bibione – der Weg ins Urlaubsglück führt meist über die Brenner-Autobahn mit den immer wiederkehrenden Stationen: Österreich-Pickerl kaufen in Kufstein oder Mittenwald, Pinkelpause nach der Europabrücke, ein erster Espresso zwischen Bozen und Trento. Aber es geht auch anders, zum Beispiel mit Isolde Holderieds Alpenpass-Tipp von Oberbayern nach Südtirol – mit möglicher Zielrichtung Iseo See, Gardasee oder letztlich A22 Richtung Adria oder Riviera.

Tipps fürs Passfahren

Rallye-Weltmeisterin Isolde Holderied rät: Immer vorausschauend fahren, öfter mit dem Beifahrer abwechseln und genau auf Kehren-Hinweise achten. Man sollte stets auf Sichtweite anhalten können, bergab die Bremsen schonen und in niedrige Gänge schalten.

Der Reschenpass ist Ausgangspunkt für den fahraktiven Routentipp nach Südtirol. Dorthin gelangt man, indem man entweder die Inntalautobahn von Innsbruck westlich Richtung Bregenz fährt und bei Landeck Richtung Süden verlässt oder von München über Garmisch und den Fernpass anreist. Auf der leicht zu befahrenden Strecke von Österreich nach Italien kann man unterwegs den Reschen-Stausee und den um 1950 zur Hälfte im aufgestauten Wasser verschwundenen Kirchturm von Graun bestaunen. Schon zur Vorrömerzeit war dieser 1519 Meter hohe Pass eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über den Alpenhauptkamm.

© Ralf SchützKurven-Fan: Rallye-Weltmeisterin Isolde Holderied.

Nach dem sanften Einstieg ins Pässekarussell empfiehlt die zweifache Damen-Rallyeweltmeisterin Holderied, auf der Südseite in Spondinig rechts zum Stilfser Joch abzubiegen: Für Insider die „Königin aller Passstraßen.“ Kein Wunder: Auf rund 30 Kilometer Strecke überwindet man 1900 Höhenmeter, durchfährt insgesamt 87 Kehren mit bis zu zwölf Prozent Steigung und Gefälle. Hier testen Firmen wie Formel 1-Ausrüster Brembo die Haltbarkeit seiner Verzögerungs-Anlagen, und auch Isolde Holderied weiß hier Hochleistungsbremsen zu schätzen. Ihr Tipp: „Man sollte am besten morgens oder zumindest nur unter der Woche das Stilfser Joch befahren. Dann kann man unbehelligt vom Wochenend-Verkehr den enormen Fahrspaß auf der kurvenreichen Strecke genießen.“

Die zehn schönsten Panoramastraßen

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Mit Motorrad- und Radfahrern, die einem kurvenschneidend entgegenrasen, sollte man immer rechnen. Deshalb gilt: „Immer vorausschauend fahren, auf die Ankündigung von Kehren achten und am besten nur so schnell sein, dass man auf Sichtweite anhalten könnte. So kommt man immer mit unerwarteten Hindernissen zurecht.“ Zu denen können auch etwa stoisch im Weg stehende Rinder gehören. Auch sollte man laut Holderied nur als geübter Fahrer diesen schwierigen Pass in Angriff nehmen, und: „Am besten ist man zu zweit unterwegs, so dass man sich jederzeit ablösen kann. Das macht das Passfahren für beide insgesamt wesentlich entspannter.“

© Ralf SchützUnzählige Serpentinen, unvergessliche hochalpine Panoramen, ein Schuss Nervenkitzel und jede Menge Fahrspaß.

Nach Überwindung des 2758 Meter hohen Stilfser Jochs und dem Genießen der unzähligen atemberaubenden Ausblicke unterwegs führt die Abfahrt durch teils sehr enge und langgezogene Tunnel nach Bormio. Im italienischen Wintersportort kann man weiter südwestlich Richtung Lago Maggiore fahren, oder wie Isolde Holderied empfiehlt: südöstlich Richtung Ponte di Legno. Auf diesem Weg überquert man in bis zu 2621 Metern Höhe Holderieds absoluten Favoriten: den Gavia-Pass. „Der erinnert mich an meine aktive Rallye-Zeit – kilometerlang reiht sich Kurve an Kurve, dazu viele Engstellen.“ Das klingt wie ein Ritterschlag für den Passo di Gavia – aus dem Munde der Frau, die sechs Mal die Damen-Wertung der Rallye Monte Carlo gewinnen konnte und 1994 als Vize-Weltmeisterin der Gruppe N fast die gesamte männliche Konkurrenz schlug. Mit bis zu 16 Prozent Gefälle und sehr enger Fahrbahn ist die Südrampe des Gavia-Passes eine absolute Herausforderung. Lohn der Überwindung: Herrliche Ausblicke etwa auf den 3778 Meter hohen Monte Cevedale oder auf den eiskalten Lago Bianco sowie hinab ins Fornital.

Angekommen in Ponte di Legno kann man entweder westlich Richtung Iseosee oder östlich Richtung Gardasee fahren. In beiden Fällen führt die weitere Route dann zur Adria oder Riviera. Diesmal mit dem Glücksgefühl eines kleinen, überwundenen Abenteuers im Bauch.

Ralf Schütze

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