Spielen fürs Stipendium

Rhein-Main-Kicker fliegen zum Vorspielen in die USA

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Marc List von der TGM SV Jügesheim (links, hier im Duell mit Pascal Thomas von den Sportfreunden Seligenstadt II, der Sohn des ehemaligen Zweitliga-Profis Ernst List, fliegt mit der Auswahl von Harald Vorndran zum Vorspielen in die USA.

Offenbach - Wenn diesen Freitag mehrere in Frankfurt gestartete Maschinen in Florida landen, wird es am Flughafen von Miami ein großes Hallo geben: Dann nehmen Harald Vorndran (Klassenleiter der Verbandsliga Süd und der Gruppenligen Frankfurt Ost und West) und drei Betreuer insgesamt 19 talentierte Kicker aus dem Rhein-Main-Gebiet in Empfang.

Der Sonnenstaat ist die erste Station der diesjährigen, zum wiederholten Male von Reiseleiter und Chef-Trainer Vorndran organisierten USA-Reise, die junge Amateurspieler der Region vom lukrativen Stipendium auf der anderen Seite des Atlantiks träumen lässt. Nach zwei Wochen Training und Sightseeing in Florida führt die dritte und letzte Woche an die Universität von North Carolina in Greensboro, wo die deutsche Auswahl an einem Turnier teilnimmt und intensiv gescoutet wird. Auch sieben Spielern und (angehenden) Studenten aus Jügesheim, Dietesheim und Mainhausen könnte bei entsprechender Leistung Monate später das Angebot ihres Lebens ins Haus flattern. Seit fünf Jahren fliegt Vorndran mit einer Delegation aus talentierten studierenden oder bald studierenden Kickern der Region Frankfurt/Offenbach/Hanau für drei Wochen über den Großen Teich. Dort hält er zur Universität von North Carolina persönliche Kontakte. Auch diesmal dürfen wieder 19 Akteure aus dem Rhein-Main-Gebiet vorspielen.

Vorangegangen sind Gespräche mit deutlich mehr Bewerbern. „Die nun ausgewählten Spieler haben nicht nur durch ihre sportlichen Leistung auf sich aufmerksam gemacht, sondern in der Bewerbung auch durch ihr persönliches Auftreten und in Sachen Einstellung überzeugt“, sagt Vorndran. Schließlich will er seinen amerikanischen Bekannten eine Reihe an Fußballern präsentieren, die er der Universität später auch guten Gewissens als Studenten überlassen kann. Ein Jahr an der Universität von North Carolina kosten einen Studenten 30.000 Euro. Billiger wird es dann, wenn die Universität mit einem Stipendium einen Teil der Kosten übernimmt. Im Gegenzug muss ein Student nicht nur im Hörsaal, sondern beispielsweise in einem der Sportteams Leistung für die Uni bringen. Studenten, die sportlich weiterhelfen können, werden auch vom Cheftrainer des Fußballteams gezielt gesucht. Im vergangenen Jahr schafften es drei Spieler aus der Umgebung in die letzte Auswahlstufe, erhielten final aber doch kein Angebot. Neben Julian Mistetzky (SG Bruchköbel) hatten die beiden TGM-SV-Jügesheim-Spieler Sebastian Jung und Moritz Herrchen das Interesse der Amerikaner geweckt. Für Mistetzky und Jung ist das Kapitel wohl beendet, Herrchen könnte demnächst womöglich ein Gastsemester in North Carolina antreten.

Verabschiedung der START-Abiturienten

In diesem Jahr versuchen es sieben Spieler aus der Region, sich in der zweiten März-Hälfte im Trainingslager unter Vorndrans Leitung den Feinschliff zu holen und Anfang April die Scouts zu überzeugen. Nominiert wurden Dominik Fischer und Marc List (beide TGM SV Jügesheim), Rafael Mitsopoulos und Torben Gebhardt (beide Spvgg. Dietesheim), Fabian Bergmann (A-Junioren TGS Jügesheim), der in Mainhausen lebende Pasqual Verkamp (A-Junioren SV Darmstadt 98) sowie der ebenfalls in Mainhausen lebende Rouven Gast (A-Junioren FC Bayern Alzenau). Dem ein oder anderen könnte im Herbst das Angebot angetragen werden, mit finanzieller Unterstützung der Uni ein Studium in North Carolina zu starten. Vorndran ist optimistisch, dass es diesmal tatsächlich dazu kommt: Für 2017 habe der Trainer des Fußballteams noch viel Geld übrig. Zunächst aber gehen die Spieler aus dem Rhein-Main-Gebiet finanziell in Vorleistung: Die Reisekosten in Höhe von 2500 Euro sind ihr Privatvergnügen.

jd

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