„Nicht alle arabischen Länder sind gleich“

Eintracht weist Vorwürfe wegen Abu-Dhabi-Reise zurück

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Derzeit bereiten sich die Eintracht-Profis um kapitän Alex Meier (rechts) in Abu Dhabi auf die Rückrunde vor.

Frankfurt - Eintracht Frankfurts Marketing-Vorstand Axel Hellmann hat die Vorwürfe des Präsidenten des Hessischen Landesport-Bundes (LSB), Rolf Müller, wegen der Wahl des Trainingslagers in Abu Dhabi scharf zurückgewiesen. Von Peppi Schmitt

„Ich erwarte, dass ein Spitzenfunktionär zwischen verschiedenen Ländern unterscheiden kann“, sagte Hellmann, „nicht alle arabischen Länder sind gleich.“ Es gebe durchaus große Unterschiede beispielsweise zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Dies sollte eigentlich auch Herrn Müller bekannt sein“, sagte Hellmann. Auch Vorstandschef Bruchhagen verteidigte die Entscheidung. „Bisher haben sportliche Begegnungen sowie Kommunikation und Dialog in der Vergangenheit immer mehr dazu beigetragen, eine Veränderung in einer Unrechtsgesellschaft zu erreichen", sagte er gegenüber dem hr.

LSB-Präsident Müller hatte die Wahl der Trainingslager von Bayern München, Borussia Dortmund und der Eintracht, die nach Katar, Dubai und Abu Dhabi gereist sind, als „völlig falsches Signal bezeichnet.“ In seiner Pressemitteilung spricht der LSB-Hessen von „Ländern, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennen und immer wieder mit Verstößen gegen die Menschenrechte von sich reden machen." Zudem stellte Müller die Frage, „ob der Sportwelt die Moral abhanden gekommen ist?" Schließlich liege „hinter uns ein Jahr, in dem diverse Skandale das Vertrauen in den organisierten Sport erschüttert haben“. Gerade der Fußball sei davon betroffen. Wenn Bundesligaclubs in diese Region reisen, würde er „zumindest eine kritische Einordnung von Seiten des Vereins erwarten.“

Das Eintracht-Trainingslager im Ticker verfolgen

Hellmann zeigte Unverständnis über die Attacke des hessischen LSB-Präsidenten. Die Eintracht habe sich sehr wohl viele Gedanken gemacht bei der Wahl ihres Trainingslagers. Vor vier Jahren habe man sich innerhalb der Gremien des Vereins einstimmig entschieden, die Wintertrainingslager in Abu Dhabi zu absolvieren. Dort herrschten sportliche beste Bedingungen, dies sei für einen Fußballverein das Wichtigste, gerade in so schwierigen Zeiten, wie sie die Eintracht durchmache. Dass zudem auch wirtschaftliche Kontakte geknüpft worden sind und werden sollen, ist aber auch unbestritten. „Wir sehen jetzt keinen Grund und keinen Anlass, die uns an dieser Entscheidung zweifeln lassen“, sagte Hellmann am Mittwoch gegenüber dieser Zeitung. Gemeinsam mit Präsident Peter Fischer war er der Mannschaft nach Abu Dhabi nachgereist. Auch Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing und Aufsichtsratsmitglied Philipp Holzer, die auf eigenen Kosten anreisen, werden am Donnerstag im Teamhotel erwartet.

Bilder: Eintracht schwitzt im Trainingslager in Abu Dhabi

Pikant ist freilich, dass die Eintracht das bislang einzig feststehende Testspiel im Rahmen des Trainingslagers am arabischen Golf an diesem Sonntag auf ihrem Trainingsplatz vor dem „Emirates“-Hotel ausgerechnet gegen die saudi-arabische Spitzenmannschaft Al Ahli Dschidda austrägt. Diese wird vom Schweizer Christan Groß trainiert. Das zweite Spiel planen die Frankfurter am Tag ihrer Rückreise, am nächsten Mittwoch, in Dubai gegen Borussia Dortmund. Auch der FC Bayern München hatte sich trotz öffentlicher Kritik, unter anderem wegen eines Freundschaftsspiels im vergangenen Jahr in Saudi-Arabien, erneut für ein Trainingslager im Abu Dhabi benachbarten Katar, dem Austragungsland der Weltmeisterschaft 2022, entschieden. „Wir wissen, dass wir in ein Land fahren, in denen die Menschen teilweise eine andere Kultur als in Deutschland pflegen, wir sind da gut informiert“, hatte des Vorstandschef des Meisters, Karl-Heinz Rummennige die Reise verteidigt, „aber ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zusammen gehören."

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