Frankfurt - Es gibt keine Liebe ohne Leiden. Wer wüsste das besser, als die Fans von Eintracht Frankfurt. Die sahen sich am 14. Mai mit dem schlimmsten Fall der Fälle, dem Abstieg in die 2. Fußballbundesliga konfrontiert. Von Detlef Kinsler

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Die Traditionsmannschaft der Eintracht übt sich als Chor.
Ralf Holl erlebte sein persönliches Eintracht-Trauma schon viel früher. Sein geliebter Großvater, Bornheimer und somit von ganzem Herzen FSV-Fan, redete nicht mehr mit ihm, als der Bub, den er immer mit ins Stadion an den Bornheimer Hang nahm, plötzlich die Farben von Blau-Schwarz zu Rot-Schwarz wechselte und zur Eintracht konvertierte.
Aber man muss zu seinen Überzeugungen stehen und Holl ist den Adlern bis heute treu geblieben. Auch als Chef eines kleinen Musiklabels geht er seiner Leidenschaft nach und produziert Eintracht-CDs. Die erste erschien 1999 zum großen Jubiläum, hieß „100 Jahre Eintracht“ und wurde nicht zuletzt dank der Hymne „Schwarz-Weiß wie Schnee“ von der Thrash-Metal-Band Tankard ein Riesenerfolg.
Zur dritten Folge dieses Jahr wäre es beinahe nicht gekommen. Weder das Produktionsteam noch der Verein als Partner des Projekts hatten im Abstiegskampf den Kopf dafür, sich an die Arbeit an einem weiteren Album zu machen. Doch dann kam die Trotzreaktion: „Jetzt erst recht, dachte ich“, erzählt Ralf Holl und rief in Windeseile seinen Wettbewerb aus, neue Eintracht-Songs zu schreiben und einzureichen. 80 Einsendungen kamen diesmal, 15 Titel wurden ausgewählt, darunter auch einer von Ex-„U-Bahnkontrollör“ Matthias Keller, „Wie die abgehn“, der die Stimmung in den Reihen der Eintracht-Fans für Holl absolut auf den Punkt brachte. „Matthias hat mit Fussball gar nicht so viel am Hut, aber er fand es total faszinierend, egal ob die Eintracht verliert oder gar absteigt, die Fans rennen immer wieder raus ins Stadion, sind total begeistert und halten trotzdem zum Team.“
Um diese Verbundenheit mit dem Verein auch nachhaltig zu dokumentieren, gingen Holl und die Musiker zum Aufnehmen der Stücke nicht in irgendwelche anonymen Tonstudios, sondern bauten in klanglich geeigneten Räumen der Commerzbank Arena (die für Fußballfans natürlich immer noch Waldstadion heißt) ihr Equipment auf. „Es war uns wichtig, keine 50 Meter entfernt vom Platz wo sonst um die Punkte gekämpft wird diese CD aufzunehmen“, betont Ex-DJ Holl.
„Wir haben hier eine andere Fankultur als in Dortmund oder auf Schalke“, behauptet er. „Die Frankfurter wollen coole Musik.“ Und so täuscht der erste, oberflächliche Eindruck, Hard Rock, Hip-Hop und Punk passen am besten zu Fußball. „Alles, was gut ist, passt zu Fussball“, kontert Holl. Und das für ihn ganz sicher keine Mitgröllieder.



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