Stürmer entscheidet Spiel gegen Wolfsburg

Alex Meier „macht eigentlich nicht viel“

Fußball Bundesliga 18. Spieltag: Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg am 24.01.2016 in Frankfurt am Main (Hessen). Frankfurts Alexander Meier (r) und Wolfsburgs Christian Träsch kämpfen um den Ball. Foto: Arne Dedert/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Alex Meier erzielte alle drei Frankfurter Tore.

Frankfurt - Was für ein Auftakt für die Frankfurter Eintracht: Zur Pause hatte es ein Pfeifkonzert gegeben, wie es die Arena schon lange nicht mehr gehört hatte, zu schlecht hatte die Mannschaft gespielt. Eine gute Stunde später, das Spiel war gerade abgepfiffen, gab es frenetischen Jubel. Von Peppi Schmitt

Mit einer großen Willensleistung, eine gehörigen Portion Glück und einem sensationellen Alex Meier, der alle drei Treffer für seine Mannschaft erzielte, hatten die Frankfurter den VfL Wolfsburg mit 3:2 (0:1) besiegt und damit drei „Big Points“ im Abstiegskampf geholt. 35.000 Zuschauer, das bedeutet Minuskulisse für diese Saison, hatten ein spektakuläres Spiel mit einem völlig unerwarteten und unverdienten Sieger gesehen. „Mein Kollege weiß doch gar nicht, warum sie gewonnen haben“, war Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking fassungslos. Armin Veh strahlte dagegen übers ganze Gesicht. Er gab zu, dass der Sieg „nicht verdient“ gewesen sei, lobte aber dennoch seine Spieler. „In der zweiten Halbzeit haben wir gefightet und sind als Mannschaft aufgetreten“, sagte er, „solche Siege sind die schönsten.“ Die erste Halbzeit hatte für die Eintracht Schlimmes befürchten lassen. Nichts lief zusammen, aber auch rein gar nichts. Die Gastgeber wurden vorgeführt von den Wolfsburgern und ausgepfiffen von den eigenen Fans.

„Wir waren miserabel“, sagte der Trainer, „aber die Pfiffe helfen uns im Abstiegskampf trotzdem nicht.“ Alles, was Trainer Veh geplant hatte, führte da nicht wirklich zum Erfolg. Zu nervös waren seine Spieler, ohne jegliches Selbstvertrauen, auch nicht bissig genug. Mit Szabolcs Huszti stand nur ein Neuer auf dem Feld, Millionen-Einkauf Marco Fabian saß auf der Bank, genauso wie Kaan Ayhan. Doch es hatte wenig mit einzelnen Spielern zu tun, was sich da abspielte. Fast alle Frankfurter rannten nur ihrem Gegner und der eigenen Form hinterher, als positive Ausnahmen sind nur Torwart Lukas Hradecky und Abwehrspieler David Abraham zu nennen. Abraham freilich mit der einen Einschränkung, hatte er doch bei der Wolfsburger Führung nach einem Freistoß in der 25.Minute den Torschützen Dante aus den Augen verloren. Doch bei vielen anderen Chancen der Gäste war Abraham die letzte Rettung. Und Chancen hatten die „Wölfe“ wahrlich genug. Die beste vergab Caligiuri, als er fünf Meter vor dem Tor weit vorbeischoss. „Wir hätten 3:0, 4:0 führen müssen“, schimpfte Trainer Hecking.

Eintracht-Zeugnis gegen den VfL Wolfsburg

Da hatte die völlig verunsicherte Eintracht, die nicht einmal gefährlich nach vorne kam, einfach nur Glück. Zur Pause korrigierten die Spieler ihre Einstellung und Veh seine Aufstellung. „Positiv war doch alleine, dass wir nur 0:1 zurücklagen und da kann man immer noch etwas machen“, machte der 54 Jahre Fußball-Lehrer seinen Spielern Mut. Zudem brachte er Fabian für den Totalausfall Seferovic. Das war goldrichtig. „Es gibt’s ja auch mal, dass ich etwas richtig mache, wenn auch nur selten“, sagte er später sarkastisch. Das Spiel war nun zumindest ausgeglichen und die vorher so enttäuschten Zuschauer spürten nun den Willen bei ihrer Mannschaft etwas zu bewegen. „Die Spieler haben ihr Herz in beide Hände genommen“, kommentierte später Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Und nun, da beide mitspielten, war es auch ein gutes Spiel. Und dann kam Alex Meier. Ganz langsam, aber mit Macht. In der 66.Minute gelang dem Frankfurter Torjäger nach Vorarbeit von Fabian und Aigner der Ausgleich mit einem technisch perfekten Volleyschuss. Kurz darauf war es wieder Meier, der aus 14 Metern traf.

Bilder: Meier schießt Eintracht zum Sieg über Wolfsburg 

Bei beiden Treffern hatte die Eintracht auch das Glück der nun Tüchtigen. Beim ersten hatte Schiedsrichtere Knut Kircher im Mittelfeld ein Foul von Makoto Hasebe an Christian Träsch übersehen, beim zweiten wurde der Ball abgefälscht. Nun ging es hin und her, längst hatten die Frankfurter ihr Publikum zurückgeholt. Wolfsburg brauchte fast eine Viertelstunde, um die Schocks der Gegentore zu überwinden. Doch dann machten sie sich daran, wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Das gelang, als Andre Schürrle nach Flanke des eingewechselten und ausgepfiffenen ehemaligen Frankfurters Sebastian Jung in der 79.Minute traf. Doch für den letzten Höhepunkt sorgte dann wieder Meier. In der Nachspielzeit traf der 33 Jahre alte Stürmer zum 3:2. „Faszinierend“, sagte später Kollege Marc Stendera sei die Leistung von Meier, „der macht ja eigentlich nicht so viel.“ Aber eben drei Tore bei drei Versuchen, insgesamt schon wieder zehn in dieser Saison. „Ich sollte nur vorne bleiben“, sagte Meier, „das habe ich gemacht.“

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