Zukunftsplanungen im Wolkenkratzer

Kommentar zur Veh-Entlassung: Stillos und peinlich

Frankfurt - Am Montagnachmittag hat sich der Aufsichtsrat (AR) der Frankfurter Eintracht getroffen, hoch über Frankfurt in den Geschäftsräumen der „Helaba“ im Wolkenkratzer Main-Tower. Die „Helaba“ gehört zu den Anteilseignern der „Fußball AG“. Von Peppi Schmitt

Ursprünglich sollte es bei der AR-Sitzung in erster Linie um die Nachfolge des im Juni ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen gehen, doch die Aktualität hat die Räte überrollt. Und so musste natürlich in allererster Linie über die Besetzung des Trainerpostens gesprochen werden, nachdem Armin Veh in der Nacht zum Sonntag entlassen worden war. Sportdirektor Bruno Hübner hatte Verhandlungen mit Kandidaten geführt und sie dem Vorstand präsentiert. Der Vorstand wiederum muss sich wegen der finanziellen Dimension einer Trainerverpflichtung vom AR absegnen lassen. Mit dabei bei der Sitzung sollten deshalb neben dem neunköpfigen AR auch die Vorstände Bruchhagen, Axel Hellmann und Oliver Frankenbach sowie Sportdirektor Bruno Hübner sein. Ein Ergebnis war bis Montagnachmittag nicht bekannt. Die Mannschaft absolvierte derweil unter Konditionstrainer Christian Kolodziej am Montag einen Waldlauf. Schon morgen soll der dann neue Cheftrainer übernehmen.

Jeder weitere Tag Verzögerung wäre für die Eintracht aus sportlicher Sicht im Grunde auch kaum vermittelbar. Denn schon am Samstag findet das Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach statt. Für einen neuen Trainer ist da jede einzelne Trainingseinheit im Vorfeld wichtig. Als diese Zeilen geschrieben wurden, galten der ehemalige Trainer der kroatischen Nationalmannschaft Niko Kovac mit seinem Bruder Robert als Assistent als Favoriten auf die Veh-Nachfolge. Öffentliche Äußerungen dazu gab es freilich nicht.

Obwohl nach Informationen der Offenbach-Post schon in den Tagen vor dem Heimspiel gegen Ingolstadt über die Ablösung von Veh nachgedacht worden ist, konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Bosse des Clubs von der eigenen Entscheidung fast überrascht worden sind. Den wirklichen „Plan B“ hat es scheinbar nicht gegeben, auch die Art und Weise der Entlassung war mit einem nächtlichen Besuch des Sportdirektors bei Veh in Bad Homburg und Telefonaten von Vorstandschef Bruchhagen und Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing eher stillos. Veh soll dem Vernehmen nach sowohl von der Entscheidung an sich als auch von der Art und Weise ziemlich enttäuscht gewesen sein. Die Bekanntgabe der Entscheidung gegenüber den Medien in einer improvisierten Erklärung von Bruchhagen hinter der zugigen Tribüne passte ins Bild einer unvorbereiteten Entscheidung. Und die offizielle Presseerklärung war mit dünnen acht Zeilen und noch dünneren acht Worten des Dankes an den scheidenden Trainer eher peinlich.

Eintracht-Zeugnis gegen Ingolstadt

Innerhalb der Mannschaft herrscht neben den sportlichen Unzulänglichkeiten nun eine komplette Verunsicherung. Dies ist ein Grund mehr das Vakuum schnell zu beenden. Noch vor der Entlassung waren die Spieler vom Vorstand gefragt worden und hatten sich eindeutig für das Verbleiben ihres alten Trainers stark gemacht. Interimskapitän Marco Russ hatte dies auch im Namen der Mannschaft nach dem Ingolstadt-Spiel öffentlich gemacht. Dass die Entscheidung dann anders ausgefallen ist, hat intern für Erstaunen gesorgt. Tenor: Dann hätten sie uns auch nicht fragen brauchen. Zumal Manager Bruno Hübner ja durchaus bekannt war, dass es im Innenleben zwischen Team und Trainer bis zuletzt gestimmt hatte.

Die Profis, die ihrem Beruf zuletzt so wenig erfolgreich ausgeübt haben, müssten nun freilich ein richtig schlechtes Gewissen haben. Denn das Argument von Vorstand Bruchhagen, er hätte sich gewünscht, dass die Unterstützung des Trainers aus der Mannschaft „auch auf dem Spielfeld ihren Niederschlag gefunden hätte“, ist ja nicht von der Hand zu weisen. In jedem Fall hat die Mannschaft nun den „schwarzen Peter“.

Bilder: Die Eintracht-Trainer der letzten 25 Jahre

Die Veh-Entlassung war auch in anderen Bereichen anders als die meisten Trainerentlassungen in der Bundesliga. Sportliche Gründe hat es zwar allemal gegeben durch die wochenlange Sieglosigkeit und den Absturz auf den Relegationsplatz. Und doch haben am Ende wohl andere Gründe im Vordergrund gestanden. Man habe „das Umfeld befrieden müssen“, hatte Boss Bruchhagen ehrlich zugegeben. Normalerweise werden Trainer gefeuert, wenn das Verhältnis zur Mannschaft gestört ist, in Frankfurt diesmal wohl auch, weil das Verhältnis zu den Fans in der Kurve und den viel Geld zahlenden Zuschauern auf den anderen Tribünen gestört war.

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Rubriklistenbild: © dpa

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