Neuzugänge könnten gegen Stuttgart auflaufen

Regäsel und Ben Hatira: Von der Bank in die Anfangself?

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Yanni Regäsel (links) und Änis Ben-Hatira bei ihrer Vorstellung

Frankfurt - Am Montag verpflichtet, am Dienstag vorgestellt, am Mittwoch in der ersten Elf: Es geht ziemlich schnell mit der Integration der beiden neuen Spieler Yanni Regäsel und Änis Ben Hatira bei der Frankfurter Eintracht. Von Peppi Schmitt

Trainer Armin Veh überraschte beim Trainingsspielchen mit Regäsel als rechter Verteidiger und Ben Hatira als Linksaußen. Und er schloss nicht aus, dass die beiden ehemaligen Berliner schon am Samstag beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart tatsächlich erste Wahl sein könnten. Zu behaupten, ein Einsatz komme nach einer Woche zu früh, „wäre doch dumm.“ Wie wahrscheinlich die zwei Blitzdebüts freilich sind, wollte er noch nicht sagen. Veh probiert einige Möglichkeiten aus, um die Ausfälle der beiden gesperrten Stammkräfte Makoto Hasebe und David Abraham zu kompensieren. „Wollte ich auf die beiden Neuen setzen, ist es doch ganz gut, wenn sie ihre Mitspieler kennenlernen“, argumentierte er. Und so spielte Regäsel neben Carlos Zambrano auf der rechten Seite der Viererkette und Ben Hatira links neben Alex Meier in der Offensive.

Die Veh'schen Variationen vom Mittwoch erlauben aber noch keine wirklichen Rückschlüsse auf den Ernstfall. Zum einen hat wegen einer leichten Knöchelblessur Marc Stendera gefehlt und der ist gesetzt, zum anderen hat der Trainer während des Übungsspielchens auch gewechselt. So durfte Haris Seferovic in der zweiten Hälfte anstelle von Ben Hatira über die linke Seite stürmen. Einen großen Schritt nach vorne hat Slobodan Medojevic gemacht. Der Serbe zeigte im defensiven Mittefeld eine wirklich gute Leistung, eroberte nicht nur einige Bälle, sondern vermied auch fehlerhafte Abspiele.

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Veh bezieht auch die Spieler in die Suche nach den besten Lösungen mit ein. Unter anderen mit Torwart Lukas Hradecky, Marco Russ und Medojevic hat er kurze Vieraugen-Gespräche geführt. Der Frankfurter Trainer hat im Abstiegskampf eine Wandlung durchgemacht. „Wenn ich etwas sehe, reagiere ich darauf, wenn etwas schief läuft, muss ich es ändern“, gehört zu seinen festen Vorsätzen. Mit den Veränderungen hat er bei sich selbst begonnen. Er ist klarer geworden in seinen Ansagen an die Mannschaft und in seinen Aussagen über die Spieler. Er nimmt keine Rücksichten auf vermeintlich große Namen, weder bei Aufstellungen, noch bei Nachfragen.

Der Schweizer Nationalspieler Seferovic, der eine gute Saison hinter sich hat, aber eine schlechte Saison spielt, hat dies zuletzt zu spüren bekommen. Veh ist näher an die Mannschaft gerückt, greift beim Training aktiver ein, unterbricht die Trainingsspiele, wenn etwas nicht läuft, wie es laufen soll, korrigiert mit der Taktiktafel direkt auf dem Platz. Das ist durchaus neu für ihn. Veh, einst selbst ein Techniker auf dem Rasen, gibt den Kämpfer. Und das überzeugend. „Ich habe das Gefühl, die Mannschaft braucht das“, sagt er. Seit Wochen vermittelt er einen klaren Weg, der aus der Gefahrenzone führen soll. Und macht deutlich, dass er vorangehen wird.

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Im Laufe seiner langen Karriere hat er ein feines Gespür dafür entwickelt, wann er was machen muss, auf was er wie reagieren sollte. Verbiegen lassen aber will er sich nicht, dafür ist er zu lange im Geschäft, auch zu sehr von den eigenen Stärken überzeugt. Veh bleibt ein Genussmensch. Er trinkt gerne ein Glas Rotwein, raucht ein Zigarettchen. Aber alles zu seiner Zeit. Die vor allem in den von ihm als „unsoziale Netzwerke“ bezeichneten Foren geäußerten Vorwürfe, seine Mannschaft würde zu lasch und zu wenig trainieren, sind längst widerlegt. In der jüngsten Saisonvorbereitung haben die Frankfurter mehr gearbeitet als die allermeisten anderen Clubs, nur drei hatten öfter auf dem Platz gestanden. Konditionell sind die Frankfurter gut dabei, was die beiden Spiele gegen Wolfsburg und Augsburg gezeigt haben, als sie nach der Pause die überlegene Mannschaft waren.

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Veh hat auf die gute körperliche Vorbereitung Wert gelegt, wohl wissend dass ohne die richtige Fitness der Abstiegskampf nicht erfolgreich zu bestehen sein wird. Von seinen Traum vom guten Fußball will er aber nicht lassen. Deshalb haben die Frankfurter mit Szabolcs Huszti und Marco Fabian zwei gute Fußballer geholt, zwei Techniker, zwei erfahrene Spieler mit viel Auge. „Wir müssen wieder besser spielen, mehr Chancen herausarbeiten“, war die Vorgabe, vom „Defensivmist“ der Vorrunde wollte der Trainer am liebsten nichts mehr hören. Einiges deutet daraufhin, dass der Plan aufgehen könnte. Freilich: Es ist ein fragiles Gebilde. Und Veh weiß das ganz genau.

Die nächsten vier Spiele bieten die ganz große Chance, doch früher als befürchtet für Entwarnung zu sorgen, spielen die Frankfurter doch dreimal zu Hause (gegen Stuttgart, Hamburg und Schalke). Doch so weit will Veh noch gar nicht vorausschauen. „Stuttgart wird ganz schwer“, sagt er. Zum einen sind die punktgleichen Schwaben ebenfalls seit Wochen im Aufwind, zum anderen muss er für Hasebe und Abraham die richtigen Ersatzleute finden. Daran arbeitet er.

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