Melbourne - Der jüngste Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel geht gelassen in die neue Saison. An seinem bisherigen Arbeitsablauf will er nichs verändern. Neuheiten gibt es aber im Reglement und bei den Reifen.

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Sebastian Vettel, erster deutscher Formel-1-Weltmeister seit Michael Schumacher, blickt der neuen Saison gelassen entgegen.
19 Rennen vor der Brust, 23 Verfolger im Nacken, darunter vier weitere Weltmeister, die ihm den Titel wieder abjagen wollen - doch Sebastian Vettel geht seine erste Titelverteidigung in der Formel 1 ganz gelassen an. „Ich mache nichts anders als zuvor“, sagte Vettel dem SID vor dem verspäteten Saisonstart am Sonntag in Melbourne (8.00 Uhr MESZ/RTL und Sky), dem nach der unbestimmten Verschiebung des Großen Preises von Bahrain ersten von momentan 19 Rennen.
Dass er im vorigen Jahr nach einer grandiosen Aufholjagd ausgerechnet nach dem letzten Saisonrennen zum ersten Mal überhaupt in seiner Karriere WM-Spitzenreiter war, gibt dem 23-jährigen Vettel zusätzliches Selbstvertrauen - der in der vorigen Woche bis 2014 verlängerte Vertrag bei Red Bull zusätzliche Sicherheit. Das ist wichtig, denn die vielen erstklassigen Auftritte bei den Testfahrten machen den Titelverteidiger gleich wieder zur Messlatte.
Doch Vettel bleibt seiner lockeren Art treu und lässt jeglichen Druck von sich abprallen. „Wenn ich weiß, dass wir das Maximum gegeben haben, bin ich zufrieden“, sagte er vor seiner ersten Saison mit der Startnummer 1, die ihn auf der Strecke „aber nicht schneller macht“. Dann schob er aber nach: „Wenn das zum Titel reicht, umso besser.“
Auch Mercedes-Pilot Michael Schumacher sieht seinen Freund Vettel „als Favorit in die Saison“ starten. Was aber nicht heißen soll, dass sich der Rekord-Weltmeister kampflos geschlagen geben will. Im Gegenteil: im neuen offenbar besser gelungenen Silberpfeil will der 42-Jährige erfolgreicher sein als im ersten Jahr seines Comebacks. „Mit dem Wagen werden wir um vordere Plätze kämpfen können“, sagte Schumacher über seinen neuen Dienst-Mercedes.
Neben Schumacher wollen noch drei weitere Ex-Weltmeister Vettel das Leben schwer machen. Allen voran Ferrari-Pilot Fernando Alonso, der dem Red-Bull-Piloten den im vorigen Jahr durch Ferrari-Fehler verschenkten Titel abjagen will und nach den Testfahrten auch als aussichtsreichster Konkurrent gilt. Ob die beiden Briten Lewis Hamilton und Jenson Button auch wieder wie im letzten Jahr lange um die WM-Krone kämpfen, ist dagegen noch unklar. Zu viele Probleme hatte ihr McLaren-Team in der Vorbereitung.
Eine Saison mit insgesamt fünf Weltmeistern erlebte die Königsklasse zuletzt 1970 (Jackie Stewart, Jack Brabham, Graham Hill, John Surtees und Denny Hulme), eine Saison mit vier siegfähigen Deutschen dagegen noch nie. Denn neben Schumachers Mercedes-Kollegen Nico Rosberg träumt auch Nick Heidfeld vom ersten großen Erfolg. „Quick Nick“ will bei Renault die unerwartete Chance durch den Ausfall von Robert Kubica nutzen. Wie schon 2010 machen Adrian Sutil bei Force India und Timo Glock bei Virgin aus der deutschen Abordnung wieder einen „Six Pack“.
Neu für alle Fahrer ist die große Ungewissheit. Kaum einer traut sich wegen der neuen, schnell abbauenden Pirelli-Reifen vor dem ersten Grand Prix eine ernsthafte Prognose zu. Selbst Rennen mit vier Boxenstopps werden derzeit nicht ausgeschlossen. Dazu bringen auch die Rückkehr des Energierückgewinnungssystems KERS sowie der auf Knopfdruck abklappbare Heckflügel weitere Unbekannte ins Spiel. Neu im Kalender ist das erste Rennen in Indien.
Eines bleibt aber unverändert: Der Fahrer mit den meisten Punkten bekommt am Ende den Wanderpokal des Weltmeisters. Und den möchte Vettel eigentlich gar nicht mehr hergeben.
sid



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