Experte für Aufsteigen und Aufstehen

Ex-OFCler Christian Müller: Mit der Tochter Laufen gelernt

Wahl-Leipziger mit Herz für den OFC: Christian Müller.
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Wahl-Leipziger mit Herz für den OFC: Christian Müller.

Offenbach/Leipzig - „Ich kriege das hin. “ Ein Satz, der seit 13 Monaten zum Lebensmotto für Christian Müller geworden ist. Der 31 Jahre alte Fußball-Profi, der bei den Offenbacher Kickers groß geworden ist, kämpft nach einer schweren Knieverletzung um seine Karriere. Von Jörg Moll 

Am Sonntag (13.30 Uhr) wird sich Christian Müller das Duell seiner letzten beiden Vereine ansehen. RB Leipzig erwartet den FSV Frankfurt. Müller, 2009 bis 2011 beim FSV in der 2. Liga am Ball und danach aktiv beteiligt am Durchmarsch des ostdeutschen Brauseklubs von der Regionalliga in die 2. Liga, wird ohne Krücken die Tribüne erreichen. Das ist nach seiner Horrorverletzung alles andere als selbstverständlich. Am 10. Januar 2014 kugelte sich Müller im Testspiel der Bullen gegen den FC Vaduz (Liechtenstein) bei einem Zweikampf das linke Knie aus. Eine Verletzung, die Ärzte sonst nur nach Motorradunfällen diagnostizeren. Beide Kreuzbänder rissen, dazu die Innen- und Außenbänder. Nervenstränge litten ebenfalls. „Bei 25 Prozent dieser Art von Verletzungen muss der Unterschenkel amputiert werden“, meinte Müller. 13 Monate und zwei Operationen später schuftete der Wahl-Leipziger noch immer sechs Tage in der Reha. „Die Nerven wollen noch nicht so ganz“, sagt er. Sein Arzt, der Augsburger „Knie-Guru“ Dr. Bönisch, wagt keine Prognose. Müller hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Ich bin mental stabil, will so fit wie möglich werden“, erklärt der Außenbahnspieler, dessen Vertrag in Leipzig im Juni 2014 endete.

Schockmoment: Christian Müller kugelt sich am 10. Januar 2014 im Testspiel gegen den FC Vaduz das Knie aus.

Motivationshilfe im oft tristen Reha-Alltag ist Luna Müller. Sechs Monate nach der Geburt der Tochter hatte er sich verletzt. „Wir haben also zusammen laufen gelernt“, erzählt Müller lachend: „Und wenn man die Kleine sieht, schöpft man unglaublich viel Kraft.“ Aufsteigen und Aufstehen - darin ist Müller Experte. Mit dem OFC stieg er 2005 in die 2. Liga auf, mit Leipzig von der Regionalliga bis in die 2. Liga. Zwischendurch war er als Stehaufmännchen gefordert. Der unnötige Zweitliga-Abstieg seines „Herzensvereins“ OFC 2007/2008 wurmte ihn sehr. Müller blieb zweitklassig, wechselte nach einer Saison beim FC Augsburg zum FSV. Die Zeit in Bornheim begann mit einem Schock: Kreuzbandriss. Müller kämpfte sich zurück, war Stammspieler - und stieg 2011 zwei Klassen ab. Er wurde Pionier bei einem der umstrittensten Fußball-Projekte im vereinigten Deutschland.

„Wir haben Leipzig durch das Nadelöhr Regionalliga geführt“, sagt er stolz. Im ersten Jahr scheiterte das. Das von Red Bull subventionierte Leipzig musste dem Halleschen FC den Vortritt lassen. „Daraus haben wir gelernt“, meint Müller. Unter Sportchef Ralf Rangnick und dem gerade entlassenen Coach Alexander Zorniger wurden vor allem Trainings- und Videoanalysen perfektioniert. Vier Spieltage vor Schluss war Leipzig Meister. Für die Relegation kam ein Mentaltrainer hinzu. Die Dramatik gegen die Sportfreunde Lotte konnte er nicht simulieren. Nach dem 2:0-Sieg glich Lotte im Rückspiel aus. „Ich sah vor der Verlängerung bei einigen Tränen in den Augen“, sagt Müller. Aber auch Entschlossenheit, die belohnt wurde. Leipzig glich aus und marschierte dann in die 2. Liga durch. Müller überrascht das nicht: „Wer durch dieses Nadelöhr kommt, für den kann es weiter nach oben gehen.“ Ein Wink für seinen „Herzensverein“? „Ich wünsche es den Kickers, dass sie aufsteigen“, sagt er. Spätestens in der 3. Liga will Müller nachholen, was bisher unmöglich war. „Ich war noch nie im neuen Stadion.“ Der Verweis auf das Lebensmotto wird helfen: „Das kriege ich hin.“

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