Der 50-Jährige ist Trainer bei Wacker Burghausen. Die Oberbayern sind mit zwei Punkten mehr als die Kickers Tabellenvierter. Jochen Koch sprach vor dem Kickers-Gastspiel in Burghausen mit Reinhard Stumpf.
Hallo Herr Stumpf, haben Sie einen Moment Zeit für die Offenbach-Post?
Oh, die Offenbach-Post ruft an. Lange nichts mehr gehört aus Offenbach.
Gibt es keine Verbindung mehr zu den Kickers?
Die Kickers waren und sind immer eine Herzensangelegenheit für mich. Ich bin bei dem Verein groß geworden, habe dem OFC viel zu verdanken. Und ich hätte gerne etwas zurückgegeben.
Zum Beispiel als Trainer?
Ja sicher. Es war immer mein Wunsch, beim OFC mal Trainer zu werden. Aber das war leider nicht erwünscht.
Warum denn nicht?
So lange es Leute gibt, die das unbedingt verhindern wollen, wird das nichts.
Meinen Sie Geschäftsführer Thomas Kalt?
Wenn Sie den Namen schon sagen. Früher wollte er immer meine Tasche tragen und ganz nah bei der Mannschaft sein. Aber das ist jetzt vorbei. Lassen wir das.
Haben Sie noch Kontakte zu den Kickers?
Früher sehr intensiv mit Waldemar Klein. Jetzt zu Präsident Dieter Müller, mit dem ich zusammen gespielt habe, und zu einigen Spielern aus meiner damaligen Zeit. Den OFC verfolge ich besonders durch meine Verwandtschaft. Meine Schwester und mein Schwager sind Kickers-Anhänger. Und mein Neffe Sven ist glühender Kickers-Fan, steht bei Heimspielen im Fanblock und wird am Samstag seine Kickers bei uns in Burghausen anfeuern.
Als Onkel könnten Sie ihm mit einer Wacker-Niederlage sicher einen große Freude machen.
Das muss aber wirklich nicht sein (lacht).
Die Kickers wittern jetzt natürlich wieder ihre Chance. Wir haben weiter den Traum, oben zu bleiben. Das wird ein brutal schweres Spiel. Ich denke, die Tagesform wird eine entscheidende Rolle spielen.
Beide Mannschaften haben den Aufstieg nicht als Ziel ausgegeben.
Und Wacker Burghausen?
Wir haben einen der niedrigsten Etats der Liga. Als wir vor drei Wochen die 44 Punkte hatten, haben die Leute hier gefeiert. Endlich ein Jahr ohne Abstiegssorgen. Die letzten zwei Jahre war Wacker sportlich abgestiegen, durfte nur drinbleiben, weil andere Klubs keine Lizenz bekommen haben - und jetzt spielen wir oben mit. Die Leute sind happy über eine tolle Saison, die wir noch krönen wollen.
Wie viele Zuschauer erwarten Sie am Samstag?
Die 3000er Grenze könnten wir am Samstag schon mal überschreiten.
Wacker Burghausen ist in dieser Saison zu Hause ungeschlagen. Hält diese Serie?
Das wird sehr schwer. Offenbach ist gut drauf.
Haben Sie die Kickers beobachtet?
Ja, aber bevor ich Trainer in Burghausen war. Ich war im ersten Heimspiel der Saison gegen Sandhausen auf der Baustelle. Die Kickers haben gewonnen, hatten aber viel, viel Glück. In den letzten zwei Spielen hat sich jetzt wohl einiges geändert. Aber das werden wir bis Samstag analysieren.
Was sind die Stärken von Wacker Burghausen?
Eindeutig der Charakter. Die Mannschaft steckt nie auf, gibt immer alles, bis zur letzten Minute. Und wir haben auch gute Fußballer.
Und die Schwächen?
Wir können noch vieles verbessern. Besonders im taktischen Bereich.
Wie bewerten Sie die Situation im Kampf um Platz drei?
Da kann noch sehr viel passieren, weil einige Klubs gegeneinander spielen. Ich glaube, wer von den fünf Kandidaten seine letzten drei Spiele gewinnt, wird Dritter. An Spannung ist das kaum zu überbieten.
Burghausen hat 18 mal unentschieden gespielt.
Einige zu viel. Unentschieden bringen nichts. Ich bin dafür, die abzuschaffen. Man sollte wie im Basketball mit Verlängerung spielen, so dass es auf jeden Fall einen Sieger gibt. Und dann für einen Sieg mit drei Toren Unterschied einen Extrapunkt. Das würde ein schönes Spektakel geben.


















