Offenbach - Es ist ein Geschiebe und Gedrängel am Haupteingang. Nur kurz herrscht ehrfürchtige Disziplin, selbst durch Tätowierung und Ganzkurzfrisur als Angehörige der Extremfraktion erkennbare OFC-Fans machen Platz, verneigen sich respektvoll wie wilde Buben, die ganz plötzlich zur artigen Ehrengarde werden. Von Thomas Kirstein

© Georg
Getrennt marschieren, gemeinsam sitzen: Auf den Sitztribünen vertrugen sich Eintracht- und Kickers-Fans weitgehend...
Der gebrechlich wirkende Kickers-Ehrenpräsident Waldemar Klein wird ins Stadion geleitet, vorbei an ihn begeistert grüßenden Kuttenträgern.
Die dürfen gleich darauf die Fäuste gen Bieberer Straße schütteln: Aus einer rosa Stretch-Limousine kreischen wie Halbweltler wirkende Herren provozierend „Eintracht Frankfurt!“.
Während Dauerkarteninhaber fünfzig Meter vom Engpass entfernt problemlos und nicht übermäßig intensiv leibesvisitiert den für sie vorgesehenen Zugang passieren, ist fürs gemeine Volk mindestens eine halbe Stunde Geduld angesagt. „Die Ordner haben uns von unten bis oben abgegriffen“, schildert ein Stehplatzkarteninhaber die Sorgfalt der Security-Leute und wundert sich später: „Da fragt man sich, wie die Frankfurter die Bengalos rein schmuggeln konnten.“
Nach den späten Eintracht-Toren glüht und raucht es auf der Stahlrohrtribüne. Immerhin werden aus dem Block der Eintracht-Ultras heraus nicht, wie 2007, Feuerwerkskörper in Richtung Kickers-Tribüne abgeschossen.
„Was gezündet wurde, war Rauchpulver, das ist sehr schwer zu entdecken“, verrät Polizeisprecher Josef Michael Rösch. Bei anderer Gelegenheit habe ein weiblicher Fan versucht, das Zeug in den Pferdeschwanz eingeflochten ins Stadion zu bringen.
Als weitaus problematischer hat sich gestern das Feuerwerk außerhalb des Stadions erwiesen. In einem großen Pulk nach Offenbach einfallende Eintracht-Fans lieferten der Polizei regelrechte Böllergefechte. Polizeisprecher Rösch, das Ganze im Blick, spricht von Scharmützeln. Unter dem Strich sei das Polizeikonzept, die beiden Fangruppen gar nicht erst aufeinander treffen zu lassen, vollends aufgegangen. Von Schlägereien ist nichts bekannt.
Dafür haben Eintracht-Fans beträchtlichen Sachschaden zurückgelassen. Auf dem Weg durch die Innenstadt wurden Autos zerkratzt, Antennen abgeknickt und Außenspiegel abgetreten. Für eine Bilanz ist es am Sonntagabend noch zu früh.
Schon früh sind die Polizisten an allen Ecken der Stadt zugange, um Fangruppen zu kontrollieren. Das geht offenbar recht zivil zu. Kickers-Fanbeauftragte Antje Hagel lobt vor dem Spiel ein moderat-zurückhaltendes Auftreten der Ordnungsmacht.
Den gefährlichsten Job des Tages haben jene Polizisten, die Frankfurts Hardliner begleiten. Das sind etwa 1500 von offiziell 4000 Eintracht-Fans (es hatten aber weitaus mehr Karten, als es das Kontingent hergab), die sich an der Gerbermühle verabredet haben, um gen Offenbach zu rücken. Viele von ihnen heizen sich mit Alkohol an. Polizeisprecher Rösch berichtet am Nachmittag von einer angespannten Stimmung.
Wie die mit Zug und S-Bahn ankommenden Eintracht-Gruppen wird auch die militante Kerntruppe durch den Leonhard-Eißnert-Park geführt. Durchs Spalier der Behelmten geht es via Hintereingang auf die westliche Tribüne. Insgesamt verwirken etwa 150 Fans, vorwiegend Eintrachtler, ihre bezahlte Eintrittsberechtigung. Es gibt einige Festnahmen. Darunter sind auch zwei gesuchte Straftäter, die der Polizei in die Fänge geraten. Wie viele potenzielle Zuschauer, ob Frankfurter oder Offenbacher, sich selbst durch zu kräftiges Vorglühen mit berauschenden Substanzen vorzeitig außer Gefecht gesetzt haben, ist nicht festgehalten. Im Wäldchen gegenüber dem Stadion sind vor dem Spiel einige Rotweiße zu beobachten, denen man 90 Minuten Aufmerksamkeit nicht mehr zutraut.
Während des Spiels bleibt es den Umständen entsprechend friedlich. Das heißt, die Auseinandersetzung beschränkt sich auf übliche Verbalinjurien wie die gegenseitige Beschimpfung als Hurensöhne und die Verunglimpfung als Scheiß-Verein.
Das Triumphgeheule der Frankfurter nach dem Sieg mündet in keine der gefürchteten dritten Halbzeiten, bei denen Hardcore-Fans die sportliche Begegnung mit gewalttätigen Mitteln fortsetzen. Es gibt, wie Polizeisprecher Rösch berichtet, zwar ein paar Verfolgungen, aber nichts, was der Rede wert wäre. Am Ostbahnhof werden die auswärtigen Fans in die S-Bahn verfrachtet. Um spätestens 21 Uhr ist das Stadion Bieberer Berg laut Josef Michael Rösch „schön leer“.
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