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Kickers weiter unschlüssig, ob sie 15-Jährigen zur Kasse bitten sollen

„Fußball ein El Dorado für Gewalttäter“

Offenbach (cd/dpa) - Was tun mit Minderjährigen, die sich im Fußballstadion daneben benehmen? Seit gestern wird diese Frage auch im Umfeld der Offenbacher Kickers lebhaft diskutiert.

Soll sich der OFC die 8000 Euro Geldstrafe, zu der er vom DFB verurteilt wurde, von dem 15 Jahre alten Mainhausener zurückholen, der bei der Partie gegen Chemnitz ein Feuerzeug auf den Platz geworfen und damit eine Spielunterbrechung verursacht hatte? Oder ist der Jugendliche mit dem Stadionverbot, das der Verein gegen ihn ausgesprochen hat, genug gestraft?

Erst kürzlich hatte sich die Polizeigewerkschaft in einem Positionspapier für härtere Strafen ausgesprochen und „notfalls lebenslanges Stadionverbot“ gefordert. Fangruppen halten davon jedoch wenig, wie die Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ unterstrich: „Die Forderung nach lebenslangen Stadionverboten, der Abschaffung von Stehplätzen, Alkoholverboten und vielen anderen Strafen werden unserer Meinung nach diese Problemlage nicht lösen können.“

Bruchhagen kritisiert Staatsanwaltschaft

Sollte sich der OFC die 8000 Euro Geldstrafe von dem 15-jährigen Feuerzeugwerfer zurückholen?

Das Voting ist beendet. Es wurde wie folgt abgestimmt:

(47.2)%Ja, auf jeden Fall. Er müsste ja auch zahlen, wenn er andernorts einen Schaden verursacht.

(34.2)%Er war nicht der einzige Werfer und sollte insofern lediglich einen Teil der Summe zahlen.

(18.6)%Nein, mit dem Stadionverbot ist er schon gestraft genug.

Im Kampf gegen Fangewalt will nun sogar der Bundestag vermitteln. „Wir wollen den Dialog zwischen Fans, Verbänden und der Polizei stärken“, sagte die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), vor einer Debatte an diesem Mittwoch. Die Probleme im Fußball sind vielschichtig: Ausschreitungen, verletzte Fans und Ordnungskräfte, dazu der Zwist um Feuerwerkskörpern - die Schwierigkeiten haben alle erkannt; nur bei den Lösungen gehen die Meinungen weit auseinander. So übte Heribert Bruchhagen im Interview mit dem Internetportal spox.com Kritik an der Staatsanwaltschaft, weil diese jedes Verfahren einstelle. „Für die Gewalttäter ist das ein El Dorado“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zweitligisten Eintracht Frankfurt. Die Ultras seien „eine Jugendkultur, die sich in beispielloser Art und Weise selbst verehrt, sich konspirativ trifft, schwarz gekleidet, ihre eigene Philosophie ohne Hierarchien entwickelt und den Kommerz ablehnt. Stadionverbotler werden berühmt, da genießen 15-jährige Pennäler höchstes Ansehen.“

Ob die Kickers gegen den 15-Jährigen Mainhausener zivilrechtliche Schritte einleiten, werden sie „mit Augenmaß prüfen“, teilte der Verein mit. Klar ist: Bei einem erneuten Vorfall droht dem OFC eine Platzsperre oder ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Das ist ein Horrorszenario“, sagte Kickers-Geschäftsführer Thomas Kalt. „Wir haben letztmals Gelb gesehen, beim nächsten Vorfall droht uns die Rote Karte.“

Rubriklistenbild: © dpa

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