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Kickers-Zugang Matthias Schwarz über die 3. Liga und die Zeit, als er vereinslos war

„Hier ist jedes Spiel ein Härtetest“

Offenbach - Das Talent liegt bei Matthias Schwarz offenbar in den Genen. Schon sein Vater Karl-Heinz war zu seiner aktiven Zeit ein überdurchschnittlich guter Fußballer und spielte Anfang der 80er Jahre mit dem FC Erbach in der Oberliga Hessen. Von Christian Düncher

© Matthias

Neuzugang Matthias Schwarz (links, im Spiel gegen den VfB Stuttgart II) kam für den OFC bislang zweimal in der 3. Liga zum Einsatz. Bei seinem Debüt bereitete der ehemalige Zweitligaspieler gleich ein Tor vor. Hinten beobachtet Sead Mehic die Szene.

Die Oberliga war damals noch die dritthöchste Spielklasse. Zu den Gegnern der Odenwälder zählten seinerzeit auch die Offenbacher Kickers, bei denen Sohn Matthias seit zwei Wochen unter Vertrag steht.

„Das ist alles schon lange her. Viel hat mir mein Vater über die Spiele in Offenbach nicht erzählt. Dass die Stimmung auf den Bieberer Berg gut ist, weiß aber jeder“, sagt der 23-Jährige, der sich bei den Kickers bereits „ganz gut“ eingelebt hat. „Ich suche zwar noch eine Wohnung in Offenbach, der Einstand mit dem Sieg gegen Stuttgart war aber gut. Leider haben wir danach in Osnabrück ein Spiel verloren, das man sicher nicht verlieren muss.“

Der OFC ist für Schwarz bereits die vierte Station im Profifußball. Das erste Pflichtspiel bestritt er für die zweite Mannschaft des FC Bayern München, wo er auch ausgebildet wurde. Nächste Station war der FC Ingolstadt, mit dem der Mittelfeldspieler allerdings nach nur einer Saison aus der 2. Bundesliga abstieg und daraufhin zum VfB Stuttgart II wechselte. Dort wurde sein Vertrag zuletzt nicht verlängert, weil die Schwaben bereits mit drei anderen Ü23-Spielern planten. „Damit muss man leben. Ich hatte dort dennoch zwei schöne Jahre“, sagt Schwarz.

Den Kontakt zum OFC stellte dessen Sportkoordinator Ramon Berndroth her. „Er kennt meinen Vater von früher und hatte mitbekommen, dass ich vereinslos bin. Da ich auf der Suche nach einem Klub war, musste ich nicht lange überlegen“, erzählt der gebürtige Miltenberger, für den die Nähe zu Kirchzell, wo seine Eltern wohnen, durchaus ein wichtiger Faktor war. „So etwas spielt natürlich eine Rolle. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl.“

Dennoch verließ er die Heimat bereits mit 14 Jahren, um am Fußball-Internat des FC Bayern München sein Glück zu versuchen. Dort spielte er unter anderem mit Mats Hummels, Holger Badstuber, Toni Kroos und Thomas Müller, die inzwischen alle Nationalspieler sind. Schwarz blieb der ganz große Sprung in die Bundesliga bislang hingegen versagt. Zuletzt war er sogar einige Monate arbeitslos. „Das war natürlich nicht ganz einfach. Man steht auf einmal relativ alleine da und macht sich Gedanken darüber, wie es weitergeht.“ Umso glücklicher ist der Mittelfeldspieler darüber, dass es „so schnell geklappt“ und er im OFC einen neuen Verein gefunden hat.

Dass ihm in München und Stuttgart nicht den Sprung in den Profikader gelang, wertet Schwarz nicht als Scheitern. „Bei solchen Vereinen ist es nicht leicht, da gibt es sehr viele gute Spieler.“ Kickers Offenbach ist für ihn nun „eine neue Herausforderung“, zumal die 3. Liga eine hundertprozentige Profiliga sei. „Hier muss man alles geben, um zu bestehen.“

Die Bundesliga ist weiterhin ein Ziel für Schwarz, der aber in den vergangenen Jahren gelernt hat, dass Geduld durchaus ein guter Ratgeber sein kann. „Am besten nimmt man sich immer das als Ziel, was als nächstes kommt, also das nächste Spiel. Wenn man das macht und gute Leistungen bringt, ergibt sich der Rest oft von ganz alleine.“

Vielleicht gelingt ihm der Aufstieg in die 2. Liga ja mit den Kickers. Das Potenzial dafür scheint das Team zu haben. „Offenbach hat eine gute Mannschaft mit einigen jungen Spielern, aber auch zwei, drei älteren, die eine Mannschaft führen können. Ich denke, wir können eine sehr gute Rolle spielen. Einen Platz in der vorderen Hälfte oder dem vorderen Drittel halte ich für realistisch.“ Allerdings sei die Liga so ausgeglichen, dass „jedes Spiel ein Härtetest“ sei. Das gilt auch für das Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen den VfR Aalen. „Die sind gut eingespielt. Aber wir müssen uns auf uns konzentrieren. Wenn wir unsere Vorgaben umsetzen, haben wir gute Chancen, auch dieses Heimspiel zu gewinnen.“

Schwarz wird sich aber zunächst mit einem Platz auf der Bank begnügen müssen, zumal Elton da Costa wieder fit ist und dem Zugang noch die Kraft für 90 Minuten fehlt. „Er ist noch nicht so weit und hat zuletzt zwei Spiele in vier Tagen gemacht. Das ist eine ganze Menge“, betont Kickers-Trainer Arie van Lent. „Wir werden ihn behutsam heranführen.“

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