Kutz übernimmt interimsweise Geschäftsführung

Fischer unterschreibt Auflösungsvertrag, Gespräche mit Schmitt

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David Fischer und Rico Schmitt unterhalten sich im Februar 2015 bei einem Testspiel gegen Viktoria Berlin im Rahmen des Trainingslagers im türkischen Belek. Im Februar 2016 reisen die Kickers wieder nach Belek - dieses Mal ohne Fischer.

Offenbach - Sieben Wochen hat die Bestandsaufnahme gedauert, jetzt hat das neue Präsidium der Offenbacher Kickers seine erste große (Personal)-Entscheidung getroffen: Der Verein wird heute die Trennung von GmbH-Geschäftsführer David Fischer verkünden. Von Jörg Moll

Still war es geworden in den letzten Tagen, verdächtig still sogar. Anfragen unserer Zeitung bezüglich der Sicherheitslage beim geplanten OFC-Trainingslager im türkischen Belek ließ David Fischer unbeantwortet. Seit gestern ist klar, weshalb. Der 32-Jährige, seit 1. November 2012 Geschäftsführer der Profi GmbH, wird heute einen Auflösungsvertrag unterzeichnen. Das bestätigte Präsident Helmut Spahn am späten Donnerstagabend unserer Zeitung exklusiv. Der Aufsichtsrat stimmte bereits der Trennung zu. „Es ist die beste Lösung für beide Seiten“, betonte Spahn. Der Präsident bezeichnete die in den vergangenen Tagen geführten Gespräche mit Fischer als sachlich und angenehm, betonte aber auch den Wunsch nach einem „Neuanfang“. Die Geschäfte des Regionalliga-Teams wird interimsweise Remo Kutz führen. Der Vizepräsident der Kickers hat als Privatier Zeit und kraft seiner Vita Erfahrungen als Geschäftsführer. Anfang Februar 2015 hatte Kutz nach 15 Jahren sein Amt als Geschäftsführer eines IT-Unternehmens bei Stuttgart niedergelegt und seine Anteile verkauft.

Für Fischer endet damit eine Amtszeit mit vielen Turbulenzen in und um den Verein. Kaum war er vom damaligen Präsidenten Dr. Frank Ruhl im November 2012 ins Amt berufen worden, sah er sich mit einem Schuldenberg in Höhe von 9,8 Millionen Euro konfrontiert. Im Mai verweigerte der Deutsche Fußball-Bund die Lizenz für die 3. Liga, Anfang Juni meldete Fischer die Insolvenz der GmbH an. Unter Insolvenzverwalter Dr. Andreas Kleinschmidt blieb Fischer auch nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga Südwest Geschäftsführer. Nach Platz acht im ersten Jahr gelang den Kickers im vergangenen Jahr die Meisterschaft. Der Aufstieg in die 3. Liga blieb nach zwei Niederlagen gegen den 1. FC Magdeburg verwehrt. In der Zeit danach flammten die zuvor schon regelmäßigen und heftigen Auseinandersetzungen mit dem alten OFC-Präsidium um Claus-Arwed Lauprecht neu auf. Ihr zentraler Vorwurf an Fischer: mangelnde Kommunikation. Im Juli vergangenen Jahres scheiterte der alte Vorstand mit dem Versuch, Fischer zu entlassen, am Widerstand von Sponsorenvertretern. Im Aufsichtsrat, der den Geschäftsführer formal ins Amt bestellt, fand sich keine Mehrheit für seine Entlassung. Ein halbes Jahr später stellt sich das anders dar.

Die schönsten Momente mit Rico Schmitt: Bilder

Ein offenes Geheimnis ist, dass die jüngsten Personalentscheidung des gebürtigen Chemnitzers, der in Absprache mit Trainer Rico Schmitt dem Verkauf von Mittelfeldspieler Klaus Gjasula an die Stuttgarter Kickers zugestimmt hatte, auf wenig Gegenliebe stieß. Mit der Personalie Fischer machten Helmut Spahn und seine Präsidiumskollegen erstmals deutlich, dass die Zeit der Bestandsaufnahme, die nach der Wahl am 24. November 2015 angekündigt wurde, weit fortgeschritten, aber, so Spahn, „längst nicht abgeschlossen ist“. Weitere Entscheidungen könnten schon bald folgen. Nach Fischers Demission steht nun auch die Trainerfrage im Raum. Spahn kündigte für heute ein Gespräch mit Schmitt an. Der Vertrag mit dem 47-Jährigen, der seit 21. Februar 2012 OFC-Trainer ist, verlängert sich am Saisonende nur bei Aufstieg. Weitere Gespräche dürften folgen. „Wir werden uns so professionell wie möglich aufstellen“, betonte Spahn und kündigte an: „Wir gehen jetzt die nächsten Schritte an.“

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