Mit 2,5-Millionen-Etat in der Regionalliga

OFC prüft weiter und plant voraus

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Wo werden die Kickers-Fans nächste Saison ihre Mannschaft anfeuern? In Osnabrück und Heidenheim (wie auf dem Foto) in der 3. Liga, oder bei Waldhof Mannheim und in Neckarelz in der Regionalliga? Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Offenbach - Ungewissheit, Verunsicherung, Zweifel, Zuspruch, Kritik, aber auch noch Hoffnung. Die Offenbacher Kickers stehen vor einer ungewissen Zukunft. Zwei Tage nach dem Schock der Lizenzverweigerung für die 3. Liga tagten gestern Abend Aufsichts- und Verwaltungsrat über vier Stunden. Von Jochen Koch

Nach der Lizenzverweigerung nimmt die Kritik an den OFC-Verantwortlichen zu. In der Stadt Offenbach mit ihren Tochtergesellschaften SBB und SOH zeigt man sich ebenso verärgert über die Vorgehensweise des OFC wie im hessischen Finanzministerium. Die großen finanziellen Anstrengungen mit Mietstundungen, Schuldenverzicht und Landesbürgschaft über zwei Millionen Euro waren offenbar umsonst.

Der DFB hatte bei der Lizenzierung für die neue Drittliga-Saison 2013/14 von den Kickers zunächst den Nachweis über 6,399 Millionen Euro zur Finanzierung des Spielbetriebs verlangt. Das ist dem OFC mit Einnahmen durch Spielbetrieb, Werbeverträge (2,7 Millionen), reduzierte Stadionmiete, Transfererlöse, Stundung und Erlass von Darlehen gelungen.

Im Kampf um eine nachträgliche Lizenzerteilung setzen die Kickers jetzt auf die Unterstützung von Christoph Schickhardt. Der renommierte Anwalt beriet am Dienstagabend mit OFC-Geschäftsführer David Fischer über einen möglichen Einspruch vor dem DFB-Schiedsgericht. Der 58-Jährige hatte in einem ähnlichen Fall 2002 Eintracht Frankfurt vor dem Zwangsabstieg bewahrt. Erst gestern Abend erhielten die Kickers das schriftliche Urteil des DFB-Beschwerdeausschusses. „Nach Prüfung und Rücksprache mit Herrn Schickhardt werden wir in den nächsten zwei Tagen entscheiden, ob wir vor das Schiedsgericht gehen“, erklärte OFC-Präsident Ruhl gestern Abend gegen 22 Uhr, nach Ende der Sitzungen von Aufsichts- und Verwaltungsrat.

„Hätten die Arbeit nicht besser machen können“

Vor den Kontrollgremien erläuterten Ruhl und Geschäftsführer David Fischer, wie es zur Lizenzverweigerung kommen konnte. Dabei wurde es kurzzeitig turbulent, als Verwaltungsrat Dr. Hans-Peter Adler eine der wenigen kritischen Fragen stellte und dann scheinbar verärgert die Sitzung vorzeitig verließ. Nach der Sitzung erklärte Jörg Siebert, Vorsitzender beider Gremien: „Wir haben Geschäftsführer David Fischer das uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochen. Wir hätten die Arbeit nicht besser machen können.“ Mögliche Fehler bei der Lizenzierung wollte Siebert nicht beurteilen. „Das kann man nur, wenn das Urteil vorliegt. Und man muss immer berücksichtigen, welche Möglichkeiten vorliegen.“

Neben der Einspruchsmöglichkeit beim DFB werden Ruhl und Fischer jetzt schnellstens auch die Frage der drohenden Insolvenz klären müssen. „Wenn unsere Schiedsgerichts-Alternative nicht greift, ist die Insolvenz sicher ein Thema“, bestätigte Ruhl, sieht aber keinen außergewöhnlichen Zeitdruck. „Den hat man bei Kickers Offenbach doch immer.“

Lizenz für die Regionalliga beantragt

Die mit 9,1 Millionen Euro verschuldete Profi-GmbH hat bereits die Lizenz für die Regionalliga beantragt. Das Spielrecht könnte auch auf den eingetragenen Verein e.V. übertragen werden, was jedoch schwieriger ist. In den nächsten Tagen werden auch die Planungen für die Regionalliga vorangetrieben. Auch für einen Viertligisten sind umfangreiche Vorbereitungen finanziell und personell nötig, zumal der erste Spieltag für den 27./28. Juli angesetzt ist und nächste Woche das Training aufgenommen werden soll.

Einen Notplan gibt es bereits. Optimistische Schätzungen gehen von 3500 Zuschauern pro Heimspiel in der Regionalliga aus. Die Einnahmen aus Marketing und Werbung dürften sich von bisher 2,6 Millionen auf 1,3 Millionen halbieren. Zwar fallen die TV-Einnahmen von 750 000 Euro weg, aber auch die Personalkosten und die Stadionmiete werden extrem reduziert. Insgesamt soll ein Etat von 2,5 Millionen Euro möglich gemacht werden. Damit lägen die Kickers im Spitzenfeld der 18 Klubs in der Regionalliga Südwest.

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