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„OFC wird von außen regiert“

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Von: Jochen Koch

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Holten zum Rundumschlag aus (von links): Thomas Zahn (Schatzmeister), Claus-Arwed Lauprecht (Präsident), Thomas Delhougne (Vizepräsident) und Jürgen Leschke, der als Aufsichtsratsmitglied und Vorsitzender des Verwaltungsrats zurücktrat.
Holten zum Rundumschlag aus (von links): Thomas Zahn (Schatzmeister), Claus-Arwed Lauprecht (Präsident), Thomas Delhougne (Vizepräsident) und Jürgen Leschke (beide nicht auf dem Bild) Jürgen Leschke trat als Aufsichtsratsmitglied und Vorsitzender des Verwaltungsrats zurück. © Hübner

Offenbach - Eigentlich sollte gestern um 19 Uhr die Entlassung von Kickers-Geschäftsführer David Fischer bekannt gegeben werden. Von Jochen Koch

Weil es dafür aber im Aufsichtsrat der Profi GmbH wieder keine Mehrheit gab, nutzte das Präsidium der Offenbacher Kickers die Pressekonferenz zur Generalabrechnung. Vizepräsident Thomas Delhougne erhob massive Vorwürfe gegen Ex-Präsident Frank Ruhl, der vom OFC 1,4 Millionen fordert. „Ruhl agiert wie eine Heuschrecke. Er hat Forderungen aufgekauft, die er zuvor als Präsident angezweifelt hat“, sagte Delhougne und nannte Ruhls Forderungen „unannehmbar.“ Eine aktuelle Insolvenzgefahr sieht Delhougne trotz der gestern abgelaufenen Frist nicht. Weitere Verhandlungen werde es nicht geben, weil der Verein sicher ist, Ruhls Forderungen seien verjährt. Deshalb werde man das vor Gericht prüfen lassen. Wer das bezahlen soll, ist für Delhougne klar. Die Mitglieder sollten „schon einmal über die Prozesskosten nachdenken.“ Ruhls Erwiderung: „Ohne Gespräche zwingt man mich, vor Gericht zu gehen und meine Forderungen geltend zu machen.“

Anschließend setzten Delhougne und seine Kollegen zu einem Rundumschlag gegen den Oberbürgermeister und Sponsoren an. „Der OFC wird von außen regiert“, behaupteten Lauprecht und Delhougne. Ihr Vorwurf: Der Oberbürgermeister Horst Schneider hätte Sponsoren, unter anderem städtische Gesellschaften, dazu aufgefordert, ihre finanzielle Unterstützung zurückzunehmen, wenn es zur Absetzung von Geschäftsführer Fischer gekommen wäre. „Es ist höchst bemerkenswert, dass man sich von höchster Stelle einmischt“, sagte Lauprecht. Dieser „massive Druck“, so Delhougne, habe dazu geführt, dass der Aufsichtsrat die fest eingeplante Entlassung Fischers und die Berufung von Maximilian Bruns als Nachfolger zurückgenommen habe.

Bei Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider sorgten diese Vorwürfe nur für Kopfschütteln. Natürlich sei das Interesse der Sponsoren und Stadion-Betriebs-Gesellschaft groß, dass „die OFC-GmbH einen geordneten Spielbetrieb hinbekommt und die Miete für das Stadion zahlen kann, und nicht wieder städtisches Geld verbrannt wird.“ Aber alles andere sei nur üble Nachrede. Wie groß das Chaos derzeit ist, dokumentiert der Rücktritt von zwei Aufsichtsräten. Christoph Nufer (Vertreter der SBB) hatte schon vor der Aufsichtsratssitzung sein Mandat niedergelegt. Auch Jürgen Leschke, Mitglied im Aufsichtsrat und Vorsitzender des Verwaltungsrats, trat zurück. Sein Fazit nach zwei Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit: „Es gibt Leute, denen es nicht passt, was hier geleistet wird.“

Obwohl die Entlassung von Fischer von der Tagesordnung gestrichen war, trug das Präsidium gestern einige Kündigungsgründe in die Öffentlichkeit. Unter anderem habe Fischer fast die Mannschaftsmeldung für die Regionalliga-Saison verpasst. Als Hauptgrund für den Rückzug der Kündigung nannte Delhougne: „Jeder neue Geschäftsführer wäre hier ohne Chance.“ Wie brüchig das Vertrauensverhältnis zwischen Präsidium und Geschäftsführer weiterhin ist, dokumentiert die Pressemitteilung. Da heißt es, „dass in absehbarer Zeit die Position des Geschäftsführers nicht mehr zur Debatte stehen wird.“ Absehbare Zeit?

Während bei der Profi GmbH alles beim Alten bleibt, hat Petr Ruman, Trainer der U21, Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten. Auch der als neuer Geschäftsführer vorgesehene Maximilian Bruns hat den OFC verlassen. Einen eigenen Rücktritt schlossen die Präsidiumsmitglieder gestern aus. Bis zu einer Mitgliederversammlung im September oder Oktober werde man, so Delhougne, „besprechen, wie es weiter geht. Ich wünsche dem Verein auf jeden Fall viel Glück.“ Präsident Claus-Arwed Lauprecht wurde deutlicher: „Ich bin sicher, dass Frank Ruhl der nächste Präsident bei Kickers Offenbach wird.“

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