Bald soll ein U17-Nationalspieler Kickers Offenbach verstärken

Profitiert der OFC vom Fußball-Boom in China?

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Die 42-Millionen-Euro-Verpflichtung von Jackson Martinez durch Guangzhou Evergrande krönt die Transfer-Offensive der Clubs der chinesischen Super League. JS Suning hatte 28 Millionen für Ramires an Chelsea bezahlt. Zudem wechselte der ivorische Nationalspieler Gervinho vom AS Rom zu Hebei China Fortune.

Offenbach - China entwickelt sich zum Paradies für Fußballer, die Klubs werfen mit Geld förmlich um sich: Nun hat Guangzhou Evergrande für Jackson Martinez an Atletico Madrid die Rekordsumme von 42 Millionen Euro gezahlt. Von Jochen Koch

Hans-Peter Knecht und ein Vertreter des chinesischen Fußball-Verbands bei der China-Reise der OFC-U19.

Vor wenigen Tagen kehrte die U19-Mannschaft der Offenbacher Kickers von einem internationalen Turnier aus China zurück. Der ehemaliga OFC-Profi Hans-Peter „Bubu“ Knecht (55) hatte die zehntägige Reise organisiert. Knecht besitzt gute Kontakte zum chinesischen Fußball-Verband und will in den nächsten Tagen den ersten chinesischen Nachwuchsspieler beim OFC anmelden.

Hans-Peter Knecht, warum sind die chinesischen Klubs plötzlich auf Shopping-Tour in Europa?

Die Chinesen nehmen sehr viel Geld in die Hand, um Fußball populärer zu machen. China hat weltweit die meisten Milliardäre. Einige leisten sich Fußballklubs.

Wie muss man sich das vorstellen, kann ein Mann einen ganzen Klub kaufen?

Ja, das ist dann der sogenannte Big Boss. Er, oder ein Konsortium von drei, vier reichen Männern, bezahlt alles, ihm gehört alles. Geld spielt da kaum eine Rolle.

Wie man an den Ablösesummen derzeit sieht, 42 Millionen Euro für den Kolumbianer Jackson Martinez.

Die chinesische Profiliga hat in den letzten acht Wochen über 250 Millionen Dollar für neue Spieler investiert. Auch die Gehälter sind enorm. Lukas Podolski hatte ein Angebot von Shanghai mit einem Jahresgehalt von neun Millionen Euro.

Wann wechselt der erste deutsche Profi nach China?

Das kann ganz schnell gehen. Wir führen derzeit Gespräche. Die Chinesen dürfen noch bis 25. Februar einkaufen und an Geld mangelt es bekanntlich nicht.

Das Profigeschäft ist die eine Seite, wie sieht es mit dem Fußball-Nachwuchs in China aus?

Auch da wird investiert. In Guangzouh steckt der Klubbesitzer, ein Internet-Milliardär, 24 Millionen US-Dollar nur in den Nachwuchsbereich. Die besten jungen Spieler sollen besonders intensiv gefördert werden. Es bestehen auch schon Partnerschaften mit Real Madrid. Aber insgesamt gibt es in China noch relativ wenig Nachwuchsfußballer.

Schweinsteiger, Trapp, Beck und Co.: Erfahrung Ausland

Woran liegt das?

Fußball wurde in der Vergangenheit wie ein Stiefkind behandelt. Das soll und wird sich jetzt ändern. Aber dafür braucht es Zeit und neue Strukturen. Hier muss man ansetzen. In Zusammenarbeit mit dem DFB soll vor allem der Schulsport Fußball aktiviert werden. Wir haben da einige Ideen, die wir vielleicht mit dem Verband umsetzen können. Neben dem Schulsport gilt das auch für Vereine und Stützpunkte, wie wir sie hier in Deutschland haben, und die Trainer-Ausbildung. Da hat China ganz andere Strukturen. 

Werden auch chinesische Spieler nach Deutschland kommen?

Ja, das kann ganz schnell gehen. Gerade im Nachwuchsbereich will man in Deutschland lernen. Ich habe am Dienstag die U19-Nationalmannschaft bei einem Testspiel in Den Haag gesehen. Zwei Spieler davon sollen demnächst in Deutschland spielen.

Die U19 der Kickers war jetzt zehn Tage in China, wann wird der erste chinesische Spieler beim OFC spielen?

Ich hoffe in vier Wochen. In ein paar Tagen wird Yang Weihsang, ein ehemaliger U17-Nationalspieler, nach Offenbach kommen. Sein Verein wurde geschlossen, weil der Besitzer kein Interesse mehr hatte. Yang Weihsang wird aus China bezahlt, mal schauen, wie sich das entwickelt. Wir werden jetzt Spielgenehmigung und weitere Details klären. 

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