Und an einen Saisonstart mit zwei beziehungsweise drei Niederlagen können sich selbst ältere Fans nicht erinnern. Die Kickers, die van Lent vor dem Rundenstart selbst als Aufstiegskandidat bezeichnet hatte, sind nur Vorletzter und agierten zuletzt wie ein Absteiger. Das wirft vor dem Heimspiel am Mittwoch (19 Uhr) gegen Arminia Bielefeld natürlich Fragen auf.
Was ist der Grund für den schlechten Saisonstart?
„Auf dem Platz und im Kopf der Spieler laufen derzeit einige Dinge falsch“, sagt Ramon Berndroth, der Sportkoordinator der Kickers. Die Mannschaft kann ihr Potenzial offenbar nicht abrufen. „Wir haben die PS nicht auf die Erde bekommen“, beschreibt Geschäftsführer Jörg Hambückers die Situation. Über das Warum rätseln Verantwortliche und Spieler selbst. Von zu großem Druck war die Rede, zumal mit dem neuen Stadion auch die Erwartungen gestiegen sind. Die Rückkehr in die 2. Liga soll endlich gelingen. Aber nicht jeder Spieler hält diese Vorgabe für angebracht.
Sind die Spieler nicht bereit, alles zu geben?
Kapitän Sead Mehic hatte diese Frage in der ersten Verärgerung nach dem 0:2 in Osnabrück in den Raum gestellt. „Die Bereitschaft ist absolut da“, sagt Berndroth und verweist darauf, dass einige Akteure nach dem Training teilweise sogar freiwillige Extraschichten einlegen. „Sie bringen sich ein, wollen Dinge verbessern“, so Berndroth. „Aber der richtige Weg wurde noch nicht gefunden.“
Belasten der Rücktritt von Geschäftsführer Thomas Kalt und die ungeklärte Präsidentenfrage das Team?
Werden die Kickers - wie vergangene Saison - in personeller Hinsicht nochmal nachlegen?
„Aktuell läuft da nichts“, sagt Berndroth, betont aber: „Wir beobachten immer den Markt. Wenn ein Spieler dabei ist, werden wir bei unseren Finanzleuten anfragen.“ Bis zum 31. August sind noch Vereinswechsel möglich. Danach können noch vertragslose Spieler verpflichtet werden. Derzeit trainieren einige davon beim Camp der Spielergewerkschaft in Duisburg. Dort will sich auch Berndroth demnächst mal einen Überblick verschaffen.
Ist der Kader zu schwach für die 3. Liga?
Nein. Ob die Qualität ausreicht, um oben mitzuspielen, erscheint aber fraglich. Osnabrücks Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht von „richtig guten Spielern“, die der OFC habe, kennt jedoch auch die Gefahren bei Klubs wie den Kickers: „Ein Traditionsverein mit einem neuen Stadion - da denken viele, es geht ganz einfach. Aber so ist es nicht.“
Besteht die Gefahr, dass die Situation unterschätzt wird?
Van Lent kämpfte als Trainer mit Ahlen um den Klassenerhalt, kennt die Situation also und sollte daher wissen, worauf es ankommt. Berndroth ist ebenfalls im Abstiegskampf erprobt, geht aber nicht davon aus, dass es soweit kommen wird. „Ich habe schon andere Truppen erlebt. Es gibt zwar derzeit nichts schönzureden, aber unsere Jungs sehen die Lage absolut realistisch und suchen keine Ausreden.“
Wackelt der Stuhl des Trainers bereits?
Berndroth hat weiter Vertrauen in van Lent. „Ich glaube an den Trainer - und an die Spieler“, betont der Sportkoordinator. OFC-Geschäftsführer Jörg Hambückers war mit in Osnabrück und nach der Partie auch in der Kabine. Er sieht aber offenbar die Mannschaft in der Pflicht. Die Spieler müssen die Zweikämpfe annehmen, fordert er.
Was muss sich kurzfristig bei den Kickers ändern?
Aus dem Spiel am Mittwoch gegen Bielefeld und der Partie am Samstag in Aachen müssen die Kickers mindestens drei, besser sogar vier Punkte holen. „Ich erwarte am Mittwoch eine Antwort. Nur Siege geben Selbstvertrauen“, sagt Hambückers.

















