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Nach Lizenzentzug könnte es einen Neuanfang mit den „Young Lions“ in der Oberliga geben

Lions nach Aus „total geschockt“

Frankfurt ‐ Die Frankfurt Lions sind fast 20 Jahre alt geworden. Kurz vor dem Jubiläum kam am späten Dienstagabend das Aus. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) verweigerte den Lions die Lizenz für die neue Saison. Von Jochen Winkel

© Hübner

Absturz für die Lions. Torwart Ian Gordon und seine Mitspieler stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Zum zweiten Mal das Aus für einen Frankfurter Eishockey-Klub. Nummer eins war die damalige Eishockey-Eintracht am 1. März 1991. „Wir sind geschockt. Total geschockt“, meinte Lions-Pressesprecher Matthias Scholze. 3,4 Millionen Euro hatten beim ersten Lizenzantrag gefehlt. 1,5 Millionen Euro Unterdeckung war einen Tag vor Fristablauf noch vorhanden, doch soll die Lücke geschlossen worden sein. Das „Wie“ wollte der Eishockey-Meister von 2004 nach der sicher geglaubten Rettung mitteilen.

Doch die für gestern angekündigte Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt. „Erst einmal warten wir die offizielle Begründung der DEL am Freitag ab. Es könnte sich möglicherweise bald um ein schwebendes juristisches Verfahren handeln“, deutete Scholze an, dass es vielleicht doch noch Wege zu einer Rettung des Deutschen Meisters von 2004 gibt. Möglich ist die Anrufung des DEL- Schiedsgerichtes. „Das müssen wir uns unter den derzeitigen Umständen aber sehr genau überlegen“, sagte Scholze. Auch den Gang vor ein ordentliches Gericht kann der Club anstreben, doch könnte sich ein Verfahren über Monate hinziehen.

Angeblich weitere 600.000 Euro als Sicherheit

Aber die Erfolgsquoten sind auch nach Ansicht von Lions-Chef Siggi Schneider nicht unbedingt rosig, da die DEL angeblich weitere 600.000 Euro als Sicherheit verlangt. „Da spielen wir nicht mehr mit. Wir sind bis an unsere Grenzen gegangen“, so Schneider. Die von der Stadt Frankfurt zugesagten Zuwendungen sind offenbar in einem äußerst bescheidenen Rahmen geblieben. „Wir müssen derzeit ernsthaft prüfen, ob der Weg zum Schiedsgericht für uns noch sinnvoll ist“, meinte Schneider.

Möglicherweise gibt es einen Nachfolgeverein für die Lions. In der viertklassigen Regionalliga erreichten die Young Lions, die eng mit den (einst) großen Lions zusammenarbeiteten und finanziell unterstützt wurden, die Aufstiegsrunde zur Oberliga West. Nach dem Aufstiegsverzicht der Dinslaken Kobras könnten die Young Lions in die Oberliga, die dritthöchste Liga, nachrücken.

Ein ähnliches Szenario spielte sich vor rund zwanzig Jahren ab, als die Eishockey-Abteilung der Frankfurter Eintracht vom „großen Bruder“ Fußball aus der ersten Liga abgemeldet wurde und die Lions als Nachfolgeverein sogar in der viertklassigen Regionalliga anfangen mussten. Mit Zuschauerrekorden - oft bis zu 7000 Fans in der Eishalle am Ratsweg - und einer Erfolgsstory mit mehreren Aufstiegen in Folge bis in die höchste Spielklasse.

Spieler, Trainer und Manager vor dem Nichts

Lions-Chef Siggi Schneider steht für so einen Weg nicht mehr zur Verfügung, würde aber als „bekennender Eishockey-Freund“ die eine oder andere Sponsoren-Vermittlung durch die jetzigen Lions-Partner unterstützen. Für eine Oberliga-Saison benötigt man rund 300 000 Euro.

Schwer wird es nun nicht nur für die vielen Arbeitskräfte im Lions-Umfeld. 26 Spieler, der Trainerstab und der Manager stehen vor dem Nichts. Die Plätze in der DEL sind Anfang Juli - manche Clubs sind schon im Sommertraining - bis auf ganz wenige Ausnahmen vergeben.

Erschwert wird die Lage zusätzlich durch die Lizenzverweigerung für die Kassel Huskies. Die wie die Lions im Insolvenzverfahren steckenden Kassel Huskies werfen der DEL vor, mit dem Lizenzentzug gegen Recht zu verstoßen. „Wir leben doch nicht in einem rechtsfreien Raum“, erregte sich Insolvenzverwalter und Geschäftsführer Fritz Westhelle. Der Verband verstoße gegen eine Einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln.

„Da muss es bei der DEL jetzt Rücktritte geben“

Die Huskies haben gestern Strafanzeige bei der Kölner Staatsanwaltschaft gegen die DEL gestellt. Die Nordhessen werfen DEL-Geschäftsführer Gernot Tripke und dem stellvertretenden Aufsichtsrats-Vorsitzenden Wilfried Fabel vor, für die unzulässige Weitergabe von vertraulichen Geschäftsunterlagen durch die DEL an andere Clubs verantwortlich zu sein, teilten die Huskies mit. „Das ist strafbar. Da muss es bei der DEL jetzt Rücktritte geben“, sagte Huskies-Geschäftsführer Fritz Westhelle.

In Köln treten die DEL-Gesellschafter heute zusammen und entscheiden über weitere Lizenzentzüge. Zittern müssen die Clubs aus Köln, Krefeld, Hamburg, Hannover und Berlin.

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