1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Von der TSG Bürgel über Dänemark in die Bundesliga

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Chris Mohr im Trikot seines aktuellen Klubs Brabrand IF aus Dänemark. © Foto: p

Offenbach - Seine Freunde reiben sich ob der jüngsten Schlagzeilen noch immer verwundert die Augen. „Die können nicht glauben, dass ich eventuell bald in der Bundesliga spiele“, sagt Chris Mohr. Schließlich ist es gerade mal knapp ein Jahr her, dass der gebürtige Frankfurter noch für die TSG Bürgel in der Bezirksoberliga auflief. Von Christian Düncher

In ein paar Wochen – so sieht es der Plan vor – soll der 19-Jährige nun mit dem Traditionsverein TuSEM Essen um Erstligapunkte kämpfen.

Aufgetan hat sich diese Perspektive für Mohr durch die Kooperation zwischen Essen und der British Handball Association (BHA), deren Lockruf der Sohn einer schottischen Mutter und eines deutschen Vaters vor knapp zwei Jahren gefolgt ist. In dem Bestreben, bei den Olympischen Spielen 2012 in London als Gastgeber nicht eine völlig konkurrenzlose Truppe ins Rennen schicken zu müssen, hat die BHA in den vergangenen zweieinhalb Jahren vier Millionen Pfund investiert, um britisch-stämmige Handballer aus ganz Europa in Dänemark zusammenzuziehen. Allerdings sprudeln auch die britischen Geldquellen nicht unendlich, so dass der Verband seit einiger Zeit zum Sparen gezwungen ist. Gleiches gilt für die insolventen Essener, deren Manager Stephan Krebietke auf der Suche nach günstigen Spielern war und im Internet von den finanziellen Problemen der Briten erfuhr.

Danach ging alles ganz schnell: Krebietke sah sich ein Spiel der BHA-Auswahl an und erzielte mit dem Verband Einigkeit darüber, dass fünf Spieler künftig für Essen auflaufen werden. Der sechste könnte Mohr sein, über den man sich beim dreifachen Deutschen Meister (1986, 1978, 1989) ebenfalls Gedanken macht. Bis zum 15. Februar müssen sich die Essener entscheiden, ob sie den Rückraumspieler, der derzeit aufgrund von Rückenproblemen mit dem Training pausieren muss, verpflichten wollen. Dann wird die Transferliste geschlossen.

„Ich hoffe, dass Chris rechtzeitig gesund wird und uns auch helfen kann“, sagt Krebietke, wohlwissend, dass den britischen Nationalspielern „natürlich noch einiges zum Bundesliga-Niveau fehlt“. Mohr ist sich dessen ebenfalls bewusst: Die Auswahl der BHA habe Regionalliga-Niveau, meint der 19-Jährige, der derzeit noch bei Brabrand IF in der 3. Division Dänemarks unter Vertrag steht. „Der Sprung in die Bundesliga wäre für mich immer noch gewaltig. Allerdings habe ich mich in letzter Zeit auch durchaus weiterentwickelt“, so Mohr. Der Rechtshänder weiß zwar, dass Essen die Verpflichtungen in erster Linie getätigt hat, „um den Kader aufzufüllen“. Ein Problem hätte Mohr mit der Rolle als Ergänzungsspieler jedoch nicht. „Wir freuen uns über alle Einsatzzeiten, auch wenn es nur ein paar Minuten sind“, stellt das Talent klar.

Wenn Essen heute Abend (19 Uhr) beim TV Großwallstadt um Punkte kämpft, wird Mohr auch in der Halle sein. Als Zuschauer. „Ich habe früher selbst viele Spiele des TVG gesehen. Dass ich nicht dabei sein kann, ist natürlich ärgerlich. Aber Essen spielt ja auch noch in Wetzlar und Melsungen, da könnten meine Freunde mich  dann  sehen.“ Spätestens dann würden sie auch glauben, dass Mohr in der Bundesliga angekommen ist.

Auch interessant

Kommentare