Selbstzweifel bei Behrenbruch

Traum von Olympischen Spielen in Rio droht zu platzen

Pascal Behrenbruch muss sich über einige Hürden kämpfen.
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Pascal Behrenbruch muss sich über einige Hürden kämpfen.

Offenbach - Der Offenbacher Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch will zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Doch dieser Traum könnte platzen. Von Stefan Moritz 

Die Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro sind das Ziel, auf das der Offenbacher Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch seit vier Jahren hinarbeitet - seit er Europameister wurde und an den Spielen in London teilgenommen hat. „Olympische Spiele sind für einen Sportler das Größte, was es gibt. Ich habe sie einmal erlebt und möchte sie noch einmal erleben“, hatte er gesagt. Mittlerweile ist es ruhiger geworden um den vor vier Jahren noch besten deutschen Zehnkämpfer. Seine Leistungen haben nachgelassen, dem einstigen Lautsprecher der Szene sind Zweifel gekommen. Jetzt hat er gesagt: „Vor zwei Wochen war ich noch super optimistisch, 8200 Punkte zu schaffen.“ Schon das sagt einiges aus. In den vergangenen Jahren hatte er stets von 8500 oder gar 8600 Punkten als Zielvorgabe gesprochen. Nach seinem EM-Titel 2012 mit der persönlichen Bestleistung von 8558 Punkten ging es für den 30-Jährigen bergab. 2013 qualifizierte er sich zwar noch einmal mit 8514 Punkten für die WM in Moskau, wo er dann mit enttäuschenden 8316 Punkten nur Elfter wurde. 2014 verpasste Behrenbruch mit nur 8055 Punkten die EM-Qualifikation. Im vergangenen Jahr kam er nur auf 7826 Punkte - viel zu wenig für eine Nominierung für die WM in Peking.

Und aktuell sieht es noch schlechter aus. Beim Wintersportfest seines Vereins LG Eintracht Frankfurt wurde der einstige Weltklasseathlet im Hürdenlauf und auch in seiner Paradedisziplin Kugelstoßen von regionalen Athleten besiegt. Dabei hatte Behrenbruch extra noch einmal den Trainer gewechselt für den Anlauf auf Rio und die Rückkehr zu alter Leistungsstärke. Im Herbst 2011 war er im Streit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband ins estnische Tallinn gezogen, wo ihn der einstige Zehnkampf-Olympiasieger Erki Nool und Andrei Nazarov zum Europameister formten. Schon im nächsten Jahr aber zerbrach auch diese Beziehung, Nool konzentrierte sich auf seine Karriere als Politiker, Nazarov auf eine andere Athletin. Im Herbst 2014 ging Behrenbruch dann zu Trainer Dan Pfaff in die USA, doch auch diese andere, amerikanische Trainingsphilosophie brachte ihn nicht voran, sondern warf ihn noch weiter zurück. So kam Behrenbruch im Herbst zurück ins Rhein-Main-Gebiet, zurück zu Jürgen Sammert, der ihn schon bis 2011 trainiert hatte. Doch Erfolge bleiben weiter aus.

„Das ist schon bitter, wenn man täglich vier, fünf Stunden intensiv und professionell trainiert und dann die Leistungen ausbleiben“, sagt Behrenbruch, der nächsten Dienstag 31 Jahre alt wird, sein vergleichsweise fortgeschrittenes Alter als Erklärung aber nicht akzeptieren will: „Ich fühle mich nicht alt, ich fühle mich gut, bin gesund, mir tut nichts weh und meine große Erfahrung aus 25 Jahren Leistungssport sollte doch eher ein Vorteil sein. Von meinem Gefühl her habe ich vor einem Jahr über Nacht mein Talent verloren, auch wenn Trainer sagen, dass es so etwas nicht gibt.“ Als Konsequenz wird noch einmal der Trainingsplan umgestellt. „Wir wollen noch einmal von Grund auf die Schnelligkeit aufbauen. Ohne Grundschnelligkeit bekomme ich nicht nur im Sprint und Hürdenlauf Probleme, sondern auch im Weitsprung. Wenn ich das nicht hinbekomme, habe ich überhaupt keine Chance“, sagt Behrenbruch, der seinen Traum von Rio aber noch nicht ganz aufgeben möchte. „Ich brauche jetzt mal dringend einen Lichtblick, eine gute Leistung in irgendeiner Disziplin“, sagt er, „es ist ja noch Zeit. Aber wenn im April immer noch keine guten Leistungen gelingen, muss ich natürlich irgendwann realistisch sein.“

Behrenbruch verpatzt WM-Start

Zugute kommen könnte ihm ausgerechnet, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband seit Behrenbruchs misslungenem Versuch 2012 darauf besteht, dass die besten Zehnkämpfer pro Jahr nur für einen Top-Wettkampf nominiert werden. Damals war Behrenbruch als Europameister bei den Olympischen Spielen in London mit nur noch 8126 Punkten enttäuschender Zehnter geworden. So gibt es in diesem Jahr praktisch sechs Startplätze, drei für Rio und drei für die Europameisterschaften vom 6. bis 10. Juli in Amsterdam. Behrenbruchs Nahziel sind nach einem dreiwöchigen Trainingslager im Februar/März im türkischen Belek gute Leistungen in Einzeldisziplinen bei kleineren Wettkämpfen, um für das renommierte Zehnkampfmeeting am 28./29. Mai im österreichischen Götzis eingeladen zu werden und sich dort für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wenn eine Einladung für Götzis ausbleibt, bleibt ihm nur, am 21./22. Mai in Marburg um einen EM-Startplatz zu kämpfen.

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