Auf dem Weg nach oben

Jan Hoyer landete auf Platz zwei beim Sportkletter-Cup in Darmstadt.
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Familientreffen. Der Zufall wollte es, dass Jan Hojer ( DAV Frankfurt) in der Qualifikation neben seiner Schwester Lara (auf separater Frauen-Route) kletterte. Hoyer landete auf Platz zwei beim Sportkletter-Cup in Darmstadt.

Darmstadt - Speed, Lead, Bouldern: Thomas Tauporn beherrscht sie alle. Gemeint sind die drei Disziplinen des Sportkletterns sowie Deutschlands komplettester Klettersportler. Speed, das Kraxeln auf Schnelligkeit. Von Jens Dörr

Lead, auch Vorstiegsklettern, die Königsdisziplin. Und eben das Bouldern, „Klettern in Absprunghöhe“, wie es Erwin Marz auf den Punkt bringt. Ihm darf man in punkto Sportklettern gerne alles abnehmen: Marz ist nicht nur seit acht Jahren Bundestrainer, sondern auch Leiter des Kletterzentrums des Deutschen Alpen-Vereins (DAV) in Darmstadt. Zuletzt war es Schauplatz des „3. Deutschen Sportkletter-Cups“ und des „3. DAV Jugend- und Junioren-Cups“.

Viele Zahlen untermauern, dass sich nahe dem Böllenfalltor-Stadion längst keine Randsportler mehr tummelten. Bis zu 400 000 Menschen sollen es in Deutschland inzwischen sein, die in ihrer Freizeit Kletterwände und Berge besteigen und in Kletterwäldern unterwegs sind. Alleine 9000 Personen gehören der DAV-Sektion Darmstadt-Starkenburg an, darunter fallen aber auch Wanderer und Mountainbiker. 65 Starter waren bei der dritten Station des „Sportkletter-Cups“ nach Scheidegg und Regensburg dabei. Mehr als 1000 Zuschauer kamen trotz Biergartenwetters über beide Tage verteilt. Nach den Deutschen Meisterschaften ist der „Sportkletter-Cup“ der zweitwichtigste Wettkampf in Deutschland, hier werden die Tickets für die Deutschen Meisterschaften gelöst.

„Shorty“ ragt heraus

Acht dieser begehrten Qualifikationen für die nationalen Meisterschaften werden bei den Frauen vergeben, zwölf bei den Männern. Außen vor bleibt Thomas Tauporn, in der Szene gerne und oft „Shorty“ genannt. So ganz kurz geraten ist der 19-jährige Schwabe allerdings nicht – und an der Wand tatsächlich ein Riese: Vor etwas mehr als einem Jahr kündigte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung an, nach seinem Vize-Weltmeistertitel bei den Junioren nun bei den Männern angreifen zu wollen – um inzwischen auf einen zweiten Platz im Weltcup zurückzublicken. Nicht mehr bei den Junioren, sondern bei den ganz Großen. Bei Wettkämpfen, zu denen in der Schweiz oder Frankreich gerne mal 10 000 Fans kommen. Das Fachabitur hat er sicherheitshalber trotzdem gemacht, auch wenn Tauporn sich der Aufmerksamkeit der Sponsoren mittlerweile gewiss sein darf.

„Shorty“ jedenfalls ist aufgrund seiner Ausnahmestellung automatisch für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Entsprechend trat er im „Sportkletter-Cup“ nur in zwei von drei Wettbewerben an, gewann beide. Am Samstag präsentierte er sich im Lead-Klettern in Weltklasse-Form, stieg bis ganz nach oben und seilte sich anschließend ab, als seien das keine Strapazen gewesen. Nach „15 bis 20 Minuten“ könne er das wiederholen, so Tauporn, der 25 Stunden pro Woche trainiert. „Er trainiert vor allem konsequent und richtig“, lobt Trainer Marz. Positiv ist da auch, dass der psychisch gefestigte, locker-nette Tauporn keine Probleme mit der Magersucht hat wie so mancher Konkurrent in der Weltspitze. Ein Problem, aus dem Bundestrainer Marz keinen Hehl macht.

Zusätzliche Ausßenanlage geplant

Im DAV-Zentrum Darmstadt – 400 Hallen betreibt der DAV in der Republik, hinzu kommen privat betriebene – bedient man indes nicht in erster Linie die Spitze, auch wenn man Stützpunkt für die besten Kletterer aus dem Rhein-Main-Neckar-Gebiet ist. „Wir gehen auch stark in die Breite, planen eine zusätzliche Außenanlage“, sagt Marz. Auch vormittags herrscht Betrieb im DAV-Zentrum, kommen Unternehmen und Schulklassen.

Beim Wettkampf stand die Elite im Blickpunkt. Sieger Tauporn, der bis „on top“ kraxelte, landete in der Gesamtwertung auf Platz zwei hinter Jan Hojer vom DAV Frankfurt, der allerdings an allen drei Wettkämpfen teilgenommen hatte. Luisa Deubzer (DAV München) hatte bei den Frauen die Nase vorne.

Der Darmstädter Marvin Winkler belegte Platz elf in der Männerwertung, in der Juniorenwertung verteidigte er seinen vierten Platz. Auch beim Jugend-Cup griffen zwei Darmstädter ins Geschehen ein: Janka Meyer, die in der B-Jugend ihren zweiten Wettkampf bestritt, belegte Platz 23. Lucas Stein, der in der A-Jugend startet, kam auf den 21. Platz.

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