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Zehn Meter über dem Boden entdeckt Volontär die steile Welt des Kletterns

Adrenalin-Kick inklusive

Nur die blauen“, sage ich mir immer wieder. „Halte dich nur an den blauen Griffen fest!“ Mich hat der Eifer gepackt. Noch ein paar Meter bis ganz oben. Ich muss diese Route unbedingt schaffen. Von Domenico Sciurti

Das Ziel fest im Blick: Klettern ist etwas für Mutige.

© Georg

Das Ziel fest im Blick: Klettern ist etwas für Mutige.

Fünf minus auf der Kletter-Schwierigkeitsskala. Für Profis wohl ein Kinderspiel, für mich eine Herausforderung - gerade erst habe ich einen Einweisungs-Kurs beendet. Jetzt will ich ausprobieren, was die T-Hall in Frankfurt zu bieten hat.

Ich klettere das erste Mal. Dass das Wandbesteigen in einer Halle so viel Spaß machen würde, hätte ich nicht gedacht. Ohne zu wissen, was mich erwartet, wagte ich also einen Versuch – Adrenalin-Kick inklusive.

Dabei ist Klettern weitaus mehr als nur der Kick: „Kraft, Konzentration und Koordination“, beschreibt es ein erfahrener Kletterer, den ich später bei komischen Luftbewegungen etwa drei Meter von der Wand entfernt beobachte. Er simuliert eine Strecke der Skala sechs plus/sieben minus und überlegt, wie sie zu schaffen ist. „Die weißen Griffe muss ich noch meistern“, erklärt er. Der 42-Jährige hat vor zwei Jahren mit dem Sport angefangen. Seitdem kommt er jeden Dienstag mit einer Gruppe des Deutschen Alpenvereins zum Trainieren her.

„Hoffentlich macht er keinen Fehler“

Geschafft! Ich hänge etwa zehn bis 15 Meter über dem Grund an der Wand. Meine Finger krallen sich fest, die Unterarme schmerzen schon etwas. „Wenn ich jetzt runterfalle“, schießt es mir beim Anblick des weit entfernten Bodens durch den Kopf, „dann ist es vorbei.“ Schnell verdränge ich den Gedanken wieder. Ich spanne die Muskeln fester, um mehr Halt zu bekommen. Unten steht ja mein Kletterpartner, Gregor. Er sichert mich, hat das Seil fest in seinen Händen. „Hoffentlich macht er keinen Fehler“, denke ich. Wie Martin, unser Trainer, zuvor immer wieder betont hat: „Lasst nie das Bremsseil los!“

Hier geht es zur Homepage der Kletterhalle.

Beim Einweisungs-Kurs haben sieben Männer und eine Frau aufmerksam zugehört. Der kleinste Fehler könne schlimme Folgen haben, betonte Martin. Mit seinen jungen 27 Jahren hat er bereits zwölf Jahre Klettererfahrung. In den Wintermonaten arbeitet der hauptberufliche Bergführer als C-Trainer in der Frankfurter Halle, seine Ausbildung dafür absolvierte er beim deutschen Alpenverein.

Wie richtig gesichert wird, haben wir dann mehrere Male geübt: Der Kletterer festigt das eine Ende des Seils mit einem Achterknoten an seinen Gurt. Der Sicherer, also derjenige, der unten am Boden dafür sorgt, dass der Kletterer nicht abstürzt, verbindet das andere Ende mit einem Halbmastwurfsicherungs-Knoten. Die Sorge, ich vergesse die komplizierten Knoten schnell wieder, verflog schnell. Beim fünften Mal ging es wie von alleine. „Die Routine kann aber auch sehr gefährlich sein“, sagte Martin mit Nachdruck. Deswegen sollten sich die Partner immer gegenseitig kontrollieren, bevor es hoch geht.

Einer hält das Leben des anderen in der Hand

Vertrauen ist wichtig beim Klettern. Das wird mir hoch oben über den Köpfen der Sicherer schlagartig bewusst. Der eine hält – im wahrsten Sinne des Wortes – das Leben des anderen in der Hand. Diese Einsicht trifft mich hart, denn ich bin alleine zum Kurs gekommen. Der Mann da unten ist nett, aber ich kenne ihn nur vom Small-Talk während des Kurses. „Vertrauen ist ein Grundsatz“, betonte auch Martin.

Ich drehe meinen Kopf nach unten. „Zu!“, rufe ich das kürzlich gelernte Kommando. „O.K.“, schallt es zurück. Mit beiden Händen greife ich den Knoten vor mir, strecke die Beine, verlagere mein Gewicht in den Gurt. Mein Herz rast. Ein wenig mulmig ist mir schon. Gregor lässt mich langsam runter. Als meine Füße den Boden berühren, durchfährt mich ein Freudengefühl. „Cool!“, kommt es euphorisch aus meinem Mund. „Jetzt Du!“, sage ich. Jetzt muss er mir vertrauen.

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