Offenbach - Das Mutterland des Rugbysports kommt nicht zur Ruhe: Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Engländer bei der WM, dem Rauswurf des Vizekapitäns und dem Rücktritt des Trainers verliert das Nationalteam nun auch noch einen seiner Sympathie- und Leistungsträger. Von Christian Düncher

© dpa
Jonny Wilkinson (rechts) spielte 91 Mal für England, dabei ging er 66 Mal als Sieger vom Platz.
Insgesamt 1246 Punkte hat Jonny Wilkinson in Länderspielen erzielt und liegt damit auf Platz zwei der Bestenliste - hinter Dan Carter aus Neuseeland (1250). In den vergangenen Monaten hatte es ein Wechselspiel zwischen dem Engländer und dem smarten „Kiwi“ gegeben. Doch das ist jetzt beendet. Denn: Wilkinson wird keine Länderspiele mehr absolvieren. Der Spielmacher und Kickspezialist hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben - mit 32 Jahren.
Die Entscheidung mache ihn „sehr traurig“, schrieb „Wilko“ auf seiner Internetseite. Er müsse sich jedoch eingestehen, „dass es für mich in der englischen Nationalmannschaft keine Zukunft mehr gibt“. Er wisse aber auch, dass er „auf vielfache Weise gesegnet“ gewesen sei, weil er erfahren dürfte, „was ich am englischen Team hatte“.
Die WM 2011 in Neuseeland wird der sympathische und bodenständige Wilkinson, der weiter für den französischen Erstligisten Toulon spielt, hingegen nicht in allzu guter Erinnerung behalten. England scheiterte nämlich nicht nur im Viertelfinale am Erzrivalen Frankreich, sondern enttäuschte auch abseits des Platzes. So musste Vizekapitän Mike Tindall, Ehemann der Queen-Enkelin Zara Phillips, nach diversen Eskapaden 25 000 Pfund Strafe zahlen und wurde aus dem Nationalteam verbannt. Glimpflicher kam sein Mitspieler Manu Tuilagi davon, der in Neuseeland von einer Fähre ins Hafenbecken gesprungen war und daraufhin Ärger mit der Polizei bekommen hatte. Er musste lediglich 3 000 Pfund zahlen und darf weiter für England spielen. Allerdings nicht unter Martin Johnson. Der Trainer hatte im November die Konsequenzen aus dem WM-Desaster gezogen und seinen Rücktritt erklärt.
Und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, gab es in Los Angeles beim Treffen der Spitze des Rugby-Weltverbandes IRB einen weiteren Rückschlag für das Mutterland des Rugbysports: Der bisherige Vizepräsident Bill Beaumont, einst Kapitän der englischen Nationalmannschaft, scheiterte bei seinem Versuch, den Franzosen Bernard Lapasset als IRB-Chef abzulösen. Er unterlag in einer Kampfabstimmung mit 12:14. Doch damit nicht genug. Auch bei der Wahl zum Vize-Präsidenten gab es für Beaumont eine Niederlage. Nach einem 13:13 zwischen ihm und dem Südafrikaner Oregan Hoskins nutzte Lapasset sein Entscheidungsrecht und votierte für Hoskins. „Diese Niederlage hat einen bitteren Geschmack“, schrieb „The Guardian“.



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