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Kröll gewinnt - Keppler völlig erbost

Kröll gewinnt - Keppler völlig erbost

Chamonix - Didier Cuche aus der Schweiz ist knapp am dritten Abfahrtssieg nacheinander im alpinen Weltcup vorbeigefahren. Jubeln durfte Klaus Kröll. Der Deutsche Stephan Keppler zeigte sich stinksauer.

© dpa

Klaus Kröll

Es war knapp. Verdammt knapp. Die ersten fünf Läufer lagen innerhalb von nur acht Hunderstelsekunden, und auf Anhieb wussten sie nicht einmal beim internationalen Ski-Verband, ob es in 45, fast 46 Jahren alpinem Weltcup jemals ein so spannendes Rennen gegeben hat. Klaus Kröll war es am Ende egal. Er stand im Ziel der Abfahrtspiste „La Verte“ im französischen Chamonix, er hoffe, er bangte - am Ende atmete er auf: Zwölf Jahre, nachdem er an gleicher Stelle erstmals im Weltcup an den Start gegangen war, gelang ihm in einem Wimpernschlag-Rennen sein vierter Sieg, 0,01 Sekunden vor Bode Miller (USA), 0,04 Sekunden vor Didier Cuche (Schweiz).

„Ich hab im Ziel so brutal geschwitzt“, sagte Kröll, der bei leichtem Schneefall mit der Nummer 17 gestartet war. „Ich hatte ein brutal schlechtes Gefühl, weil es oben so schlecht war“, berichtete der „Bulle aus Öblarn“, „dann hab ich gesehen, dass ich vorne bin, hab aber nicht damit gerechnet, dass es für den Sieg reicht.“ Wie sollte er auch daran glauben? Läufer um Läufer, der nach ihm kam, war in den oberen, technisch anspruchsvollen Streckenabschnitten teils wesentlich schneller unterwegs. Doch unten, als es flacher dahinging, ließen die Konkurrenten dann wieder Zeit liegen.

Gleich nach Kröll kam Miller talwärts geschossen. Bereits mehr als sechs Zehntelsekunden betrug zwischenzeitlich dessen Vorsprung auf Kröll, im Ziel schwang er mit einer Hundertstelsekunde Rückstand ab: Rang zwei. Danach kam Didier Cuche aus der Schweiz: oben Bestzeit, im Ziel vier Hundertstelsekunden hinter Kröll, Rang drei. Knapp dahinter mit jeweils acht Hundertstelsekunden Rückstand auf den Sieger belegten Romed Baumann aus Österreich und Erik Guay, der Weltmeister aus Kanada, Rang vier. Der beste Deutsche war Tobias Stechert, der auf Rang 23 sein zweitbestes Abfahrtsresultat im Weltcup erzielte.

Ein derart enges Rennen hatte es zumindest schon einmal am 5. Januar 1991 gegeben - in Garmisch-Partenkirchen. Damals siegte der Schweizer Daniel Mahrer, der Deutsche Hannes Zehentner und der Norweger Atle Skaardal belegten mit 0,06 Sekunden Rückstand zweitgleich Rang zwei, mit jeweils 0,08 Sekunden Rückstand fuhren der Österreicher Helmut Höflehner und der Norweger Lasse Arnesen zeitgleich auf Rang vier. Und die ersten Zehn lagen innerhalb von nur 0,22 Sekunden.

„Es ist gut, so knapp dabeizusein - auch weil dahinter alles so knapp ist“, sagte Miller, „es ist gut, Punkte auf Cuche gutzumachen. „ Cuche führt nach wie vor im Abfahrtsweltcup, den er zum fünften Mal gewinnen möchte, doch Kröll und nun auch Miller holen auf. Vier Rennen sind noch zu fahren in der alpinen Königsdisziplin, das nächste bereits am Samstag, erneut in Chamonix. „Da kann ich wieder angreifen, da kann ich besser machen, was ich diesmal falsch gemacht habe“, sagte Cuche, der nach den Siegen in Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen einen seltenen „Hattrick“ knapp, verdammt knapp verpasste.

Während Tobias Stechert erst zum fünften Mal Weltcup-Punkte bei einer Weltcup-Abfahrt holte, kam sich Stephan Keppler vor wie im falschen Film. Der 29-Jährige hatte die Startnummer 1 zugelost bekommen und war nach seiner Fahrt nicht nur wegen eines Patzers ausgerechnet vor dem Flachstück stocksauer. „Das ist hier ein reines Startnummern-Rennen“, erboste er sich. Weil der über Nacht gefallene Schnee zunächst nicht vollständig aus der Piste geräumt worden war, „waren die ersten drei Nummern ein bisschen der Schneepflug, das ist einfach scheiße. Das ist, als ob man von der Piste in den Tiefschnee fährt.“

Keppler wurde 51. noch hinter Teamkollege Andreas Sander (40.) und war auch deswegen „ganz schön frustriert“, weil es nach dem sehr bemerkenswerten achten Rang bei der Abfahrt in Kitzbühel vor zwei Wochen bereits seine zweite „Nullnummer“ war. Am vergangenen Samstag war er in Garmisch-Partenkirchen wegen einer ungünstigen Startnummer volles Risiko gegangen - und ausgeschieden. Nun blieb er auch auf der „La Verte“ ohne Chance. „Ich hoffe, das Rennen morgen wird abgesagt“, sagte der restlos bediente Wahl-Münchner.

sid

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